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Interview mit Johannes Hairitsch, AVK

Johannes Hairitsch von der

Johannes Hairitsch von der Astronomischen Vereinigung Kärntens (c) AVK

Johannes Hairitsch, geboren 1966 im Lavanttal in Kärnten, ist seit Kurzem der neue Obmann der Astronomischen Vereinigung Kärntens. Seit den 1960er Jahren versammeln sich in diesem Verein Weltraumbegeisterte und Hobbyastronomen. Unter anderem unterhält die Astronomische Vereinigung Kärntens aber auch zwei Sternwarten und ein Planetarium, die auch für interessierte Besucher zur Verfügung stehen.

 

ÖWF: Können Sie uns eine Kurzeinführung zur Astronomischen Vereinigung Kärntens geben?

1961 wurde zur Errichtung der Sternwarte auf dem Klagenfurter Hausberg – dem Kreuzbergl – ein eigener Verein gegründet. Nach deren Eröffnung wurde dieser Verein aufgelöst und in die Astronomische Vereinigung Kärntens (AVK) übergeführt. Diese zählt heute mit über 300 Mitgliedern zu den größten Astro-Vereinen Österreichs. Außer der Sternwarte auf dem Kreuzbergl mit seinem 23cm-Coude-Refraktor betreibt die AVK noch eine Sternwarte auf der Gerlitze auf 1.800m Seehöhe mit einem 62cm RC-Spiegelteleskop und das Planetarium nahe Minimundus am Wörthersee, das mit seinen 130 Sitzplätzen das südlichste Planetarium Österreichs ist. Zum Vereinsleben zählen der allmonatlich abgehaltene Stammtisch im Planetarium, vereinsinterne Veranstaltungen, die Teilnahme an Teleskoptreffen sowie gemeinsame Beobachtungen. Weitere Aktivitäten des Vereins sind auch die Durchführung von Exkursionen zu wissenschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland und zu Sonnenfinsternissen weltweit.

ÖWF: Wer ist Herr DI Hairitsch?

Ich habe die HTL in Klagenfurt besucht und anschließend in Graz Architektur studiert. Nach meinem Diplom war ich in verschiedenen Architekturbüros als Bautechniker angestellt. Seit drei Jahren bin ich im Amt der Kärntner Landesregierung als Sachverständiger im Bereich Hochbau tätig.

Meine Liebe zur Astronomie ist „erst“ in der Studienzeit gekeimt, hat dann eine mehrjährige Pause eingelegt und ist nach meiner Rückkehr nach Klagenfurt neu aufgeflammt. In der AVK bin ich seit 12 Jahren Mitglied. Bald nach meinem Eintritt habe ich eine Funktion im Vorstand übernommen, habe als Planungs- und Baubeirat Umbauten auf den Sternwarten Klagenfurt und Gerlitze und im Planetarium geplant bzw. auch selbst Hand angelegt. Weitere Funktionen im Vorstand waren Leiter der „Mobilen Astronomie“ sowie Schriftführer und Obmannstellvertreter.

Beobachtet habe ich anfänglich mit einem Hofer-Spiegelteleskop, nach meiner Astro-Pause war es dann lange Jahre ein 8 Zoll Spiegelteleskop. Seit 2005 bin ich stolzer Besitzer eines 16 Zoll Dobsons, den ich bis auf die Spiegel selbst geplant und gebaut habe. Meine weiteren Hobbies sind Segeln, Bogenschießen und Laufen.

ÖWF:  Was waren die Highlights der letzten Jahre?

2003 und 2004 hat die AVK zu den Transiten von Merkur und Venus und zur sehr nahen Marsopposition mehrere öffentliche Beobachtungen veranstaltet, bei denen wir zusammen mehrere tausend Besucher begrüßen durften. Weitere Highlights waren die Sonnenfinsternisse 1999 in der Steiermark und 2006 in der Türkei. Dazu kommen mehrere Mondfinsternisse, die wir von Kärnten aus beobachten konnten, und der in Kärnten kurz sichtbare Venustransit im letzten Jahr.

ÖWF: Welche Rolle spielt das Planetarium – nachdem die AVK die einzige Freizeitastronomische Vereinigung Österreichs ist, die auch ein Planetarium hat?

Das Planetarium hat eine Sonderstellung im Verein. Da es als GmbH mit einem Geschäftsführer und zwei Angestellten geführt wird, ist es von der Organisationsstruktur eine sehr eigenständige Einrichtung. Entscheidungen obliegen aber dem Vorstand und somit dem gewählten Vertreter der AVK als alleinigem Gesellschafter. Das Planetarium dient dem Verein als Ort für unsere Stammtische, beherbergt unsere Vereinsbibliothek und ist Treffpunkt und Anlaufstelle für alle Vereinsaktivitäten. Auch Exkursionen werden von hier aus organisiert. Darüber hinaus ist das Planetarium neben dem Beitrag der Mitglieder und den Sternwarten die wichtigste Einnahmequelle des Vereins. Viele Anschaffungen wie optische und technische Ausstattungen der Sternwarten sowie Umbauten und Erhaltungsmaßnahmen wären ohne diese Quelle nicht oder nur sehr schwer finanzierbar.

Planetarium Klagenfurt

Planetarium Klagenfurt (c) AVK

ÖWF:  Was sind die Pläne für das Planetarium in den nächsten Jahren?

Derer gibt es viele. Es gibt viele Überlegungen zu Umbauten und Angebotserweiterungen. Neben tollen Ideen für Um- und Ausbauten des Gebäudes selbst ist ein wesentlicher Punkt und eine unausweichliche Maßnahme in den kommenden Jahren die Erneuerung der Projektionstechnik, welche schon jetzt als einzigartig im deutschsprachigen Raum, wenn nicht weltweit, angesehen werden darf. Neben dem Herzstück des Planetariums, dem originalen Zeiss-Projektor, arbeiten sechs Dreikanal-Videobeamer und Dutzende Diaprojektoren in der Kuppel und zaubern Bilder und Animationen auf die „Leinwand“, die selbst moderne Technik vor Neid erblassen lässt. Das alles ist aber nur mit einem enormen Serviceaufwand möglich, um das alles am Leben zu erhalten. In diesem Zusammenhang muss vor allem dem technischen Leiter des Planetariums, Herrn Kurt Anetzhuber, großes Lob und Dank ausgesprochen werden.

ÖWF: Warum ist das Planetarium für die AVK so wichtig?

Ich möchte dazu einen Vergleich bringen: Jeder der Kinder hat, weiß, dass es darunter welche gibt, die Probleme machen und welche, die nur Freude bereiten. Und trotzdem liebt man sie alle. So ähnlich verhält es sich mit dem Planetarium! Es war nie leicht, dieses Haus zu betreiben und wird es auch in Zukunft nicht sein. Aber es ist ein „Kind“ der AVK, dem gegenüber der Verein eine Verpflichtung hat und es ist auch eine große Herausforderung, dieses Haus zu betreiben. Da geht es nicht darum, wie wichtig es ist. Ich denke, der Verein und das Planetarium brauchen sich gegenseitig.

ÖWF: Wo sehen Sie das Planetarium in fünf Jahren?

Ich sehe das Planetarium schon jetzt als wichtige touristische und noch viel mehr als Bildungseinrichtung der Stadt Klagenfurt, des Landes Kärnten und über die Grenzen hinaus. Wir zählen jährlich tausende Schüler und Kindergartenkinder aus Kärnten zu unseren Gästen. Hier wird Wissen auf hohem und auch kindgerechten Niveau geboten, verpackt in abenteuerliche Geschichten und Liveshows. Es geht in naher Zukunft vor allem darum, diesen Stellenwert auch in der Bevölkerung zu stärken und im Bewusstsein der potentiellen Besucher zu verankern, damit es zur Selbstverständlichkeit wird, dass man einen Besuch der Landeshauptstadt auch mit einem Besuch des Planetariums verbindet. Dazu wurde in den vergangenen Jahren schon viel unternommen und diese Arbeit wird auch intensiv fortgesetzt.

ÖWF: Gibt es Wünsche an die nationale und Kärntner Politik?

Natürlich gibt es Wünsche an die Landes- und Kommunalpolitik. Vor allem dahingehend, dass das Planetarium als Bildungseinrichtung für Schulen – unterrichtsbegleitend bzw. –ergänzend – als auch als Volksbildungseinrichtung anerkannt und entsprechend unterstützt wird. Immerhin ist es seit seiner Gründung bereits von fast zwei Millionen Menschen besucht worden, welche zu einem erheblichen Teil auch aus dem Vorschul- und Pflichtschulalter kommen. Und vielen bleibt das hier vermittelte Wissen jahrelang oder ein Leben lang in Erinnerung.

Die Sternwarte auf dem Gipfel der Gerlitze

Die Sternwarte auf dem Gipfel der Gerlitze (c) AVK

ÖWF: Was hielten Sie von folgender Vision: Weltraumthemen an der FH Kärnten in techniklastigen Studienzweigen anbieten?

Die Idee ist nicht neu. Schon bei den Transiten 2003 und 2004 war eine Gruppe der FH Klagenfurt dabei, die eine Kamera entwickelt hatte, die selbstständig die Sonne finden und verfolgen konnte und die die damit gewonnenen Bilder bzw. Videos über Satellitenfunk über beliebig weite Strecken übertragen konnte. Zu dem Projekt gehörte auch die gesamte Finanzierung der Entwicklung und der Reise nach Island, um dort eine Sonnenfinsternis zu beobachten und die Daten nach Klagenfurt zu übermitteln. Hier wurde den Studenten sehr umfangreiches Wissen – auch zum Thema Astronomie – vermittelt. Da wäre noch viel mehr möglich. Von Semesterarbeiten Einzelner oder ganzer Jahrgänge bis hin zu Diplomarbeiten bietet die Astronomie ein großes Betätigungsfeld.

Das Interview führte Daniela Scheer.

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