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September 04 2012

Auf rauen Pfaden in die Ferne, Sherpa I Viktor Hess

Samstag, 1. September 2012:
Auf rauen Pfaden in die Ferne

Heuer wird das „Victor-Hess-Jahr“ gefeiert. Der österreichische Physiker entdeckte 1912 bei einer Ballonfahrt in fünf Kilometer Höhe die kosmische Strahlung und legte damit den Grundstein für die Teilchenphysik. Für diese Errungenschaft erhielt er den Nobelpreis für Physik. Aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums dieser Entdeckung hat das Institut für Hochenergiephysik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften am Grazer Schloßberg ein Vortrags-Event organisiert.

Sherpa I in den Grazer Kasematten am Schloßberg

Sherpa I in den Grazer Kasematten am Schloßberg

Da bei dem Motto „Auf ins All“ natürlich auch eine entsprechende Demonstration nicht fehlen darf, ist das Highlight der Veranstaltung der Start des ÖWF Stratosphärenballons Sherpa I „Viktor Hess“, der bis in 35 km Höhe fliegen und dabei mit einem Geigerzähler die Höhenstrahlung messen soll. Leider ist das Wetter immer noch alles andere als einladend. Dennoch haben sich einige Interessierte eingefunden, um in warme Jacken gehüllt und mit Regenschirmen gewappnet bei gerade mal 13 Grad Celsius den Erläuterungen der eingeladenen Redner zu lauschen.

Norbert Frischauf mordiert die Jubiläumsveranstaltung

Norbert Frischauf mordiert die Jubiläumsveranstaltung

Nach einer Einführung zum Thema “Victor F. Hess und die Entdeckung der Kosmischen Strahlung” von Heinz Krenn (Victor-Franz-Hess-Gesellschaft) und einem Vortrag über “Ballonfahren einst und jetzt” von Josef Starkbaum (mehrfacher Weltmeister im Ballonfahren) erfährt das Publikum weitere spannende Details in dem Beitrag “Kosmische Strahlung in Alltag und Technik” von Thomas Bergauer (Institut für Hochenergiephysik). Wer  zwischendurch etwas Bewegung braucht um sich aufzuwärmen, besucht die Info-Stände vom Österreichischen Weltraum Forum (ÖWF), dem Institut für Hochenergiephysik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (HEPHY) und dem Österreichischen Versuchssender Verband (ÖVSV).

Der ÖVSV hat außerdem die Aufgabe übernommen, für die Übertragung der Live-Bilder von der Ballon-Kamera auf die Großbildleinwände in den Kasematten zu sorgen. Moderator Norbert Frischauf vom ÖWF muss allerdings mit den einzelnen Programmpunkten der Veranstaltung anfangs etwas jonglieren, da der Regen sich partout nicht an den geplanten Ablauf halten will. Mit einer halben Stunde Verspätung starten wir dann um 11 Uhr unseren Ballon, der unter großer Anteilnahme von Publikum und Medienvertretern bei starkem Wind gerade noch die Kurve in den Himmel kriegt, bevor er Proben von der umgebenden Vegetation nehmen kann.

Der Countdown für Sherpa I hat begonnen.

Der Countdown für Sherpa I hat begonnen.

Dann ist er weg, unser Sherpa und wir warten gespannt auf die ersten Bilder. Sie kommen leicht verzögert und wegen des starken Regens immer wieder durch Störungen unterbrochen, aber der Anblick von Graz aus der Vogelperspektive lohnt die Geduld. Nach einer Weile verschwindet der Ballon in der dichten grauen Wolkendecke und die Aufmerksamkeit wendet sich wieder den Vortragenden zu.

Sherpa I auf direktem Weg in die Regenfront

Sherpa I auf direktem Weg in die Regenfront

Sherpa I überträgt die ersten Livebilder nach dem Start

Sherpa I überträgt die ersten Livebilder nach dem Start

Nicht so am Observatorium Lustbühel – dort beginnt der spannende Teil jetzt erst. Wir haben ein Signal von der Barke in der Kapsel und können den Weg von Sherpa I „Viktor Hess“ weiterhin beobachten – gemeinsam mit vielen Hobby-Funkern in ganz Österreich. Auch das Österreichische Bundesheer, mit dem das ÖWF schon seit einigen Jahren erfolgreich kooperiert, unterstützt uns freundlicherweise wieder bei der Verfolgung – und zwar mit ihrem militärischen Überwachungsradar, der Goldhaube.

Allerdings rechnet zu diesem Zeitpunkt niemand damit, dass unser Stratosphärenballon mit seiner Reise einen neuen Weitflugrekord aufstellt, denn sie dauert sehr viel länger als wir erwartet haben. Eine halbe Stunde nach dem Start ist „Sherpa I“ bereits auf 4000 Meter Höhe gestiegen und zieht pfeilgerade nach Norden. Die Richtung ändert sich danach kaum noch, die Höhenwerte dagegen gleichen einer Berg- und Talfahrt. Die schwere Regenfront drückt den Ballon immer wieder nach unten, so dass er ständig zwischen 2.000 und 4.000 m pendelt.

Seinen vorläufigen Höchstwert erreicht er gegen 14:20 Uhr an der Grenze zu Niederösterreich mit 4.800 m. Um 16:00 sinkt er über St. Pölten noch einmal auf 2.000 m bevor er endlich einen Weg aus der Wolkendecke findet und doch noch an Höhe gewinnt. Dabei ist er ziemlich flott unterwegs – eine Dreiviertelstunde später ist er bei Pulkau bereits auf über 10.000 m gestiegen und kurz vor 17 Uhr überquert er in einer Höhe von 12.000 m die Grenze zu Tschechien.

Nördlich von Dukovany erreicht der Ballon schließlich bei 20.067 km seine Gipfelhöhe und zerplatzt gegen 17:45 Uhr. Dabei dreht er eine Schleife über einem Stausee, wird dann aber auf seinem Weg nach unten von der vorherrschenden Windströmung weiter Richtung Nord-Nord-Ost gezogen. Nach einem fast siebenstündigen Flug landet unsere Nutzlast schließlich gegen 18:00 Uhr westlich von Brünn, wo sie vom Recovery-Team des ÖWF wohlbehalten geborgen wird.

Diese Mission wird als der bisher längste und weiteste Flug eines ÖWF Passepartout-Ballons in die Vereinsgeschichte eingehen. Die Auswertung der während des Fluges der erfassten Daten und Bilder wird in den nächsten Tagen zeigen, ob Sherpa I „Viktor Hess“ noch andere Überraschungen für uns bereithält.

September 03 2012

Sturzflug ins Ungewisse, Passepartout Sherpa III Airsampler 2 Neil Armstrong

Fertig montierte Yagi Antenne

Fertig montierte Yagi Antenne (c) OEWF (Daniela Scheer)

Donnerstag, 30. August:
Meteorologie gegen Bauchgefühl

Was macht die Medienbeauftragte des ÖWF bei gefühlten 40 Grad Celsius mit ein paar Metallstangen und einer japanischen Gebrauchsanweisung auf dem Dach eines Observatoriums? Sie baut eine 2 m YAGI-Antenne zusammen und sorgt damit für eine von mehreren Funkverbindungen zu unseren „Fluggeräten“ – und das ist immerhin auch eine Art von Kommunikation.

Eine kleine Vorhut des Ballonteams des ÖWF Polares Programms hat bereits heute Nachmittag das Grazer Lustbühel Observatorium in Beschlag genommen und das Dachgeschoss mit Kabeln, Laptops, Seilen, Stangen, Kisten, Funkgeräten, Decken, Werkzeug, noch mehr Schachteln und noch mehr Kabeln vollgestopft.

Die Vorbereitungen für die am Wochenende geplanten Starts von zwei Stratosphärenballons laufen sehr routinemäßig an. Schließlich haben wir seit der 50-Jahre-Sputnik Feier 2007 bereits acht Ballons von hier aus gestartet. Der Flug von Ballon Nr. 9 ist für morgen vorgesehen.

Die Nutzlastgondel Passepartout „Sherpa III Airsampler 2“ wird etwa 2 kg schwer sein und einiges an Technik enthalten: Neben Sensoren für Höhe, Druck, Feuchtigkeit und Temperatur, einem Bordcomputer namens STACIE (Stratosphere Telemetry And Control Interface Equipment) und einigen Spezial-Akkus wird auch ein speziell entwickeltes Gerät zum Filtern von Luftproben in großer Höhe mit dabei sein – der sogenannte Airsampler. Damit soll versucht werden, mikrobielles Leben in der Stratosphäre nachzuweisen.

Ob unsere Ballons – Nr. 10 ist am Samstag für die Jubiläumsveranstaltung zu Ehren von Victor Hess vorgesehen – an diesem Wochenende planmäßig starten werden, hängt allerdings selbst für die Meteorologen noch in den Wolken des aktuellen atlantischen Tiefdruckgebiets. Es bleibt also spannend…

Das Missionskontrollzentrum am Grazer Lustbühel

Das Missionskontrollzentrum am Grazer Lustbühel

Freitag, 31. August:
Sturzflug ins Ungewisse

Projektleiter Michael Taraba mit Sherpa III und Airsampler vor dem Start.

Projektleiter Michael Taraba mit Sherpa III und Airsampler vor dem Start.

Dichte graue Regenwolken nehmen uns am Morgen die Sicht auf den Sonnenaufgang. Ihren Inhalt geben sie vorerst nur tröpfenchweise preis, was uns vorsichtig optimistisch stimmt. Leichter Regen sollte unseren Stratosphärenballon „Sherpa III Airsampler 2“ auf dem Weg nach oben nicht aufhalten. Aus aktuellem Anlass trägt er den Beinamen „Neil Armstrong“  – nach dem ersten Mann auf dem Mond. Kurz nach dem Start gegen 9 Uhr öffnen sich allerdings die Schleusen und die Konsequenzen lassen nicht lange auf sich warten.

Bei einer maximalen Höhe von 1.353 m über dem Meeresspiegel verzeichnet die ÖWF-Balloncrew plötzlich ein Absinken des Ballons auf etwa 600-700 Meter. Danach erfolgt wieder ein Anstieg um etwa 200 Meter und schließlich beginnt ein gemächlicher aber diesmal unaufhaltsamer Sinkflug. Offenbar ist Passepartout Sherpa genau in die Schlechtwetterfront gedriftet und hat dort die Bekanntschaft einer Gewitterwolke gemacht. Im starken Regen sammelt sich viel Wasser auf der Ballonhülle, was ihn in der Folge wieder nach unten drückt anstatt ihn weiter aufsteigen zu lassen.

Ein Besuch in der Stratosphäre erscheint unserem Ballon heute demnach weniger verlockend als ein Rundflug über Graz und Umgebung. In Straßgang streift er nach Aussagen von Zeugen zuerst eine Straßenlampe, bevor er von einem Wohnhaus nach einmal den „Sprung“ auf ein Hochhaus schafft. Dort bleibt er gegen 9:45 Uhr hoch oben an einem Balkon hängen. Soweit – so gut. Wir können ihn orten und ein Suchteam macht sich auf den Weg um den Ballon und seine Nutzlast einzusammeln.

Sherpa III Neil Armstrong entschwindet in den wolkenverhangenen Himmel

Sherpa III Neil Armstrong entschwindet in den wolkenverhangenen Himmel

Kurz nachdem unsere Crew Sichtkontakt hergestellt hat, passiert allerdings etwas Unvorhergesehenes. Da unsere Ballons eine Vorliebe für Landungen in hohen Bäumen in unwegsamen Gebieten haben, wurde erstmals eine Vorrichtung zur ferngesteuerten Ablösung der Kapsel vom Ballon eingesetzt. Bevor das Bergeteam diese Apparatur allerdings planmäßig auslösen kann, aktiviert sie sich aus ungeklärter Ursache selbst. Das bewirkt, dass unsere Nutzlastgondel mit all ihren empfindlichen Geräten ungebremst aus dem 7. Stock auf den Boden kracht. Gleichzeitig nimmt die Ballonhülle mit dem Fallschirm wieder Fahrt auf und entschwindet in den Gewitterhimmel.

Sherpa III hängt an einem Balkon

Sherpa III hängt an einem Balkon

Alle Zeugen des Vorfalls befinden sich in sicherer Entfernung, die einzige Beteiligte, die Schaden nimmt, ist die Styrodur-Kapsel selbst. Nach eingehender Untersuchung der Nutzlast steht fest, dass sie an diesem Wochenende nicht noch einmal fliegen wird. Die zunehmende Verschlechterung des Wetters würde auch keinen weiteren Start zulassen. Somit muss unser Airsampler-Experiment weiter auf seinen Einsatz warten. Bei diesem Projekt wird versucht, in einer Höhe von 20-30 Kilometern Luft durch einen Filter zu pressen um darin Spuren von Leben zu finden. Dieses wird sich – sollte es dort oben tatsächlich existieren – nun wohl noch eine Weile vor uns verstecken können.

April 26 2012

Mission „Air Sampler I“ – Auf der Suche nach Leben in der Stratosphäre

 

Die Wissenschaftsnachrichten sind neuerdings voll mit Berichten über Exoplaneten und die Suche nach Leben im All. Um das eines Tages tatsächlich zu finden, müssen wir aber erst die Grenzen des Lebens auf  unserer eigenen Welt genauer erforschen. Dafür begibt man sich idealerweise an äußerst unwirtliche Orte mit extremsten Umweltbedingungen und versucht dort Lebensformen nachzuweisen. 

Airsampler I vor dem Start

 

So kann beispielsweise die Erdatmosphäre aktive Mikroorganismen beherbergen, welche sogar noch in der Stratosphäre Stoffwechsel zeigen. Auf die Suche nach solchen Organismen macht sich das ÖWF-TriPolar Programm als Teil des „Sparkling-Science“ Projekts, das vom Österreichischen Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung gefördert wird. Das Ziel dieses Projekts ist es, herauszufinden, bis in welche Höhe aktive Lebensräume zu finden sind, wo mikrobiologisches Leben in großer Menge und Mannigfaltigkeit vorkommt.

 

Ballon beim Start vom Lustbühel-Observatorium Graz

Sechs Maturanten der HTBLA Eisenstadt entwickelten dafür zusammen mit dem Ballon-Team des ÖWF einen sogenannten „Air Sampler“. Dieses Gerät sollte mit einem Stratosphärenballon in eine Höhe von über 35 km geschickt werden, um ab 20 km Höhe Luftproben zu entnehmen und steril auf die Erdoberfläche zurückzubringen.

 

Nach monatelanger Vorbereitung der Mission, einschließlich der erfolgreichen Entwicklung und technischen Umsetzung des „Air Samplers“, war es am Samstag, dem 21. April 2012 endlich soweit – der „Air Sampler I“, unten an der Sherpa III Kapsel befestigt, sollte vom Dach des Grazer Lustbühel Observatorium aus starten. Der Stratosphärenballon, der beide Kapseln in die Stratosphäre befördern sollte, wog 3000 Gramm und hatte nach der Befüllung mit Helium beim Start einen Durchmesser von etwa zwei Metern. 

 

 

 

Ballon mit Nutzlast

Inklusive Fallschirm und Radarreflektor wog die Nutzlast 2,4 kg. Die Gondel mit den technischen Geräten bestand aus folgenden Haupt-Komponenten: GPS Logger, Umwelt Analyse Sensoren, Bordcomputer STACIE (Stratosphere Telemetry And Control Interface Equipment), zwei Stück APRS (automatic position reporting system), Telemetrie Sender für das 2m und 70cm Band, Globalstar Satelliten Tracking (Recovery Einheit), Air Sampler, Mini Kamera für Videoaufnahmen.

 

Der Start erfolgte um 09:46 Uhr lokaler Zeit (CET) bei starker Bewölkung und verlief nach Plan. Aufgrund der Größe und des Gewichts rechneten wir mit einer Steigrate von 300 Metern pro Minute. Nach maximal 2 Stunden sollte der Ballon seine vorgesehene Höhe erreicht haben und unterwegs automatisch Luftproben entnehmen.

 

 

Was wir allerdings nicht wussten, war, dass der Ballon auf dem Weg nach oben zwei sogenannte „icing areas“ durchfliegen musste, die Flugzeuge wegen des hohen Vereisungsrisikos meiden. Auf dem Video kann man schon kurz nach dem Start sehen, wie sich unser Flugobjekt etwa 10 Minuten lang durch dichte graue Wolken mit unterschiedlich schwerem Eisregen kämpft, was einer Strecke von etwa 3 Kilometern entspricht. Das Aprilwetter blieb nicht ohne Folgen: Bei einer Außentemperatur von etwa minus 40 Grad bildeten sich sichtbare Eiskristalle entlang der Leinen und auch am Ballon selbst. Etwa eine halbe Stunde später, um 10:31 Uhr riss die Latexhülle im oberen Bereich auf und das Helium entwich als deutlich sichtbarer Gasstrahl. Das an der Ballonhülle festgefrorene Eis (nach Auswertung des Flugprofils ca. 300-500 Gramm) bewirkte nämlich, dass sich die Ballonhülle in diesem Bereich nicht weiter ausdehnen konnte und es schließlich zum Bruch der Hülle kam.

 

Das Flightteam beim Besprechen

In unserer Missionszentrale am Observatorium Lustbühel machte sich dieses Ereignis insofern bemerkbar, als auf dem Datenschirm die Werte für die Höhengabe plötzlich nicht mehr stiegen sondern zu fallen begannen. Der Ballon befand sich zum Zeitpunkt des Platzens auf 16.174 Meter Höhe (53.064 Fuß). Kurz nach halb 11 Uhr mussten unsere Verfolgerteams darüber informiert werden, dass die Nutzlast bereits auf dem Weg zurück zur Erde ist.

 

 

 

Anfangs stürzten die Gondel, der Radarreflektor und die geplatzte Ballonhülle im nahezu freien Fall umeinander taumelnd Richtung Erdboden, bis der  Fallschirm und die Reste des Ballons die Abstiegsgeschwindigkeit auf ein moderates Maß verringern konnten. Die recht sanfte Landung erfolgte um 10:51 Uhr – traditionellerweise auf einem Baum an einer Waldgrenze und zwar diesmal auf österreichischem Boden – bei Lerchleiten (Gemeinde Gersdorf an der Feistritz), östlich von Gleisdorf.

Das Flugprofil des Ballons auf seiner "kurzen" Reise

Während unsere Bergeteams noch das Peilsignal verfolgten, wurde der örtliche Feuerwehrkommandant aus der Ferne auf die Ballonhülle und den gut sichtbaren roten Fallschirm aufmerksam. Er verständigte den Besitzer des Grundstücks telefonisch und erkundigte sich vorsorglich, ob auch kein Personenschaden entstanden sei – hätte es sich doch auch um einen unglücklich gelandeten Fallschirmspringer handeln können. Das gleichzeitig mit dem Besitzer am Landeort eintreffende Ballonteam konnte diese Befürchtungen allerdings schnell entkräften.

 

Mithilfe der Freiwilligen Feuerwehr Gersdorf, der wir für ihren raschen und professionellen Einsatz sehr herzlich danken, konnte die Nutzlast innerhalb kürzester Zeit mittels Hebebühne sicher geborgen werden.

Der geborgene Ballon nach der Bergung

 

Obwohl die geplante Gipfelhöhe nicht erreicht wurde und die automatische Steuerung des Air Samplers durch die geringe Höhe nicht ansprach, konnte die Mission als zum größten Teil erfolgreich abgeschlossen werden. Der neue Bordcomputer STACIE und alle anderen Subsysteme  der Sherpa Kapsel haben ihre Arbeit zu 100% planmäßig verrichtet. Auch alle erfolgten Air Sampler Tests haben gezeigt, dass das technische Konzept des Air Samplers funktioniert.

 

 

 

Die Analyse der per Fernkommando entnommenen Luftprobe sowie der Vergleichsprobe vom Startplatz wird nun einige Wochen in Anspruch nehmen. Da bisher keine relevanten Biodaten aus den Luftschichten zwischen 20 und 30km Höhe vorliegen, erfordert die Auswertung des gekapselten Filters durch das Biologenteam der Universität Innsbruck die Neuentwicklung dafür geeigneter Prozeduren.

 Bereits im Sommer soll ein weiterer „Air Sampler“-Stratosphärenballon gestartet werden, um das Projekt fortzusetzen.

Das Team der Mission nach der Bergung des Ballons

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

February 20 2012

Neues vom TriPolar Projekt!

Ein Teil des TriPolar Sparkling-Science Projekts ist die Suche nach Lebensformen in der Stratosphäre. Zu diesem Zweck entwickeln 6 Schüler der Maturaklasse der HTBLA Eisenstadt gemeinsam mit dem Ballon Team des ÖWF und Biologen der Universität Innsbruck einen Air Sampler für hohe Luftschichten, der mittels eines Stratosphärenballons bis auf 35km Höhe transportiert werden wird.

Die Biologen erhoffen sich mit diesen Experimenten Aufschluss über die Verteilung von Kleinstlebewesen über die Atmosphäre zu bekommen und vielleicht sogar Lebewesen zu finden die nur in dieser Höhe vorkommen. Dabei muss man in Betracht ziehen, dass die Umweltbedingungen in der Stratosphäre sehr extrem sind. Es herrschen dort Temperaturen bis zu -50°C bei einem Druck bis zu einigen mBar mit einem zig-fachen der UV-Strahlung und Radioaktivität als auf der Erdoberfläche.

Die Parameter die an diesen Airsampler gestellt werden sind sehr hoch. Geringes Gewicht, Datenaufzeichnung bei tiefen Drücken, Temperaturen bis zu -50°C und natürlich Sterilisierbarkeit bei bis zu 120°C erleichtern die Entwicklungsarbeit nicht gerade. Dennoch ist es dem Team gelungen einen Airsampler zu konstruieren und zu bauen, der diesen Anforderungen entspricht.

 

Der Airsampler besteht mehr oder weniger aus handelsüblichen Teilen die dementsprechend angepasst wurden. Die Trichter und der Körper bestehen aus verklebten Teilen von Getränkeflaschen, genauso wie die Ventile, die von speziellen Erfrischungsgetränkeflaschen übernommen wurden. Das hat den Vorteil, dass billig konstruiert werden konnte und keine speziellen Fertigungsmethoden zur Anwendung kommen müssen. Und auch die Sterilisation wird in der  Lebensmittelindustrie mit ähnlichen Temperaturen durchgeführt.

 

 

 

 

Die Ventile werden mittels Modellbau Servos bewegt, was kleines Gewicht und wenig Stromverbrauch bedeutet. Als Ansaugmechanismus wurde ein kräftiger Modellbau Impeller gewählt,der bis in ungefähr 30km-35km Höhe noch genug Schub erzeugen kann um Luft (in dieser Höhe nur ca 10mBar Druck) durch den Filter zu saugen.

Gesteuert wird der ganze Ablauf des Ventil Öffnens und Schließens und Start des Impellers in bestimmten Höhen durch STACIE (Stratosphere Telemetry And Control Interface Equipment), den neu entwickelten Bordcomputer. Dieser wird seine Befehle über eine Servoschnittstelle an den Airsampler weitergeben und auch Zustandsdaten von diesem empfangen und zur Bodenstation schicken.
STACIE erlaubt weiters den Eingriff der Bodenstation mittels Befehlen die per Funk an die Ballonkapsel geschickt werden.

 

Anfang Februar wurden in den Werkstätten der HTBLA Eisenstadt gemeinsam die „Umweltverträglichkeitstests“ durchgeführt. Dabei wurde der Airsampler Prototype den extremen Umweltbedingungen, die in großer Höhe herrschen, ausgesetzt und zahlreiche Funktionstests durchgeführt. Nach Auswertung der Tests kann man sagen, dass der Airsampler in dieser Form recht gut funktioniert.

 

Folgende Tests wurden positiv abgeschlossen: Das Verhalten der Servos bei tiefen Temperaturen und sehr kleinen Drücken mit angeflanschten Ventilen, das Temperatur- und Leistungsverhalten des Impellers in Abhängigkeit des Drucks, der Durchfluß des Gesamtsystems in Abhängigkeit des Drucks, der vom Impeller erzeugte Unterdruck in Abhängigkeit des Drucks, die Funktionsweise des Servointerface und die Steuerbarkeit.

Die Biologen sind gerade dabei ein Sterilisations -Procedere für den Airsampler zu entwickeln. Dabei reicht es nicht die überall vorhandenen Kleinstlebensformen abzutöten, sondern es muss auch die tote Biomaterie entfernt werden, damit es bei der Auswertung der gesammelten Proben zu keinen Fehlinterpretationen kommt.

Am 21. April 2012 wird voraussichtlich der erste Airsampler Start in Graz/Lustbühel stattfinden. Bis es aber soweit ist, sind noch viele Tests durchzuführen und viel Entwicklungsarbeit zu leisten.

 

Michael Taraba

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