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November 18 2013

Interview mit Johannes Hairitsch, AVK

Johannes Hairitsch von der

Johannes Hairitsch von der Astronomischen Vereinigung Kärntens (c) AVK

Johannes Hairitsch, geboren 1966 im Lavanttal in Kärnten, ist seit Kurzem der neue Obmann der Astronomischen Vereinigung Kärntens. Seit den 1960er Jahren versammeln sich in diesem Verein Weltraumbegeisterte und Hobbyastronomen. Unter anderem unterhält die Astronomische Vereinigung Kärntens aber auch zwei Sternwarten und ein Planetarium, die auch für interessierte Besucher zur Verfügung stehen.

 

ÖWF: Können Sie uns eine Kurzeinführung zur Astronomischen Vereinigung Kärntens geben?

1961 wurde zur Errichtung der Sternwarte auf dem Klagenfurter Hausberg – dem Kreuzbergl – ein eigener Verein gegründet. Nach deren Eröffnung wurde dieser Verein aufgelöst und in die Astronomische Vereinigung Kärntens (AVK) übergeführt. Diese zählt heute mit über 300 Mitgliedern zu den größten Astro-Vereinen Österreichs. Außer der Sternwarte auf dem Kreuzbergl mit seinem 23cm-Coude-Refraktor betreibt die AVK noch eine Sternwarte auf der Gerlitze auf 1.800m Seehöhe mit einem 62cm RC-Spiegelteleskop und das Planetarium nahe Minimundus am Wörthersee, das mit seinen 130 Sitzplätzen das südlichste Planetarium Österreichs ist. Zum Vereinsleben zählen der allmonatlich abgehaltene Stammtisch im Planetarium, vereinsinterne Veranstaltungen, die Teilnahme an Teleskoptreffen sowie gemeinsame Beobachtungen. Weitere Aktivitäten des Vereins sind auch die Durchführung von Exkursionen zu wissenschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland und zu Sonnenfinsternissen weltweit.

ÖWF: Wer ist Herr DI Hairitsch?

Ich habe die HTL in Klagenfurt besucht und anschließend in Graz Architektur studiert. Nach meinem Diplom war ich in verschiedenen Architekturbüros als Bautechniker angestellt. Seit drei Jahren bin ich im Amt der Kärntner Landesregierung als Sachverständiger im Bereich Hochbau tätig.

Meine Liebe zur Astronomie ist „erst“ in der Studienzeit gekeimt, hat dann eine mehrjährige Pause eingelegt und ist nach meiner Rückkehr nach Klagenfurt neu aufgeflammt. In der AVK bin ich seit 12 Jahren Mitglied. Bald nach meinem Eintritt habe ich eine Funktion im Vorstand übernommen, habe als Planungs- und Baubeirat Umbauten auf den Sternwarten Klagenfurt und Gerlitze und im Planetarium geplant bzw. auch selbst Hand angelegt. Weitere Funktionen im Vorstand waren Leiter der „Mobilen Astronomie“ sowie Schriftführer und Obmannstellvertreter.

Beobachtet habe ich anfänglich mit einem Hofer-Spiegelteleskop, nach meiner Astro-Pause war es dann lange Jahre ein 8 Zoll Spiegelteleskop. Seit 2005 bin ich stolzer Besitzer eines 16 Zoll Dobsons, den ich bis auf die Spiegel selbst geplant und gebaut habe. Meine weiteren Hobbies sind Segeln, Bogenschießen und Laufen.

ÖWF:  Was waren die Highlights der letzten Jahre?

2003 und 2004 hat die AVK zu den Transiten von Merkur und Venus und zur sehr nahen Marsopposition mehrere öffentliche Beobachtungen veranstaltet, bei denen wir zusammen mehrere tausend Besucher begrüßen durften. Weitere Highlights waren die Sonnenfinsternisse 1999 in der Steiermark und 2006 in der Türkei. Dazu kommen mehrere Mondfinsternisse, die wir von Kärnten aus beobachten konnten, und der in Kärnten kurz sichtbare Venustransit im letzten Jahr.

ÖWF: Welche Rolle spielt das Planetarium – nachdem die AVK die einzige Freizeitastronomische Vereinigung Österreichs ist, die auch ein Planetarium hat?

Das Planetarium hat eine Sonderstellung im Verein. Da es als GmbH mit einem Geschäftsführer und zwei Angestellten geführt wird, ist es von der Organisationsstruktur eine sehr eigenständige Einrichtung. Entscheidungen obliegen aber dem Vorstand und somit dem gewählten Vertreter der AVK als alleinigem Gesellschafter. Das Planetarium dient dem Verein als Ort für unsere Stammtische, beherbergt unsere Vereinsbibliothek und ist Treffpunkt und Anlaufstelle für alle Vereinsaktivitäten. Auch Exkursionen werden von hier aus organisiert. Darüber hinaus ist das Planetarium neben dem Beitrag der Mitglieder und den Sternwarten die wichtigste Einnahmequelle des Vereins. Viele Anschaffungen wie optische und technische Ausstattungen der Sternwarten sowie Umbauten und Erhaltungsmaßnahmen wären ohne diese Quelle nicht oder nur sehr schwer finanzierbar.

Planetarium Klagenfurt

Planetarium Klagenfurt (c) AVK

ÖWF:  Was sind die Pläne für das Planetarium in den nächsten Jahren?

Derer gibt es viele. Es gibt viele Überlegungen zu Umbauten und Angebotserweiterungen. Neben tollen Ideen für Um- und Ausbauten des Gebäudes selbst ist ein wesentlicher Punkt und eine unausweichliche Maßnahme in den kommenden Jahren die Erneuerung der Projektionstechnik, welche schon jetzt als einzigartig im deutschsprachigen Raum, wenn nicht weltweit, angesehen werden darf. Neben dem Herzstück des Planetariums, dem originalen Zeiss-Projektor, arbeiten sechs Dreikanal-Videobeamer und Dutzende Diaprojektoren in der Kuppel und zaubern Bilder und Animationen auf die „Leinwand“, die selbst moderne Technik vor Neid erblassen lässt. Das alles ist aber nur mit einem enormen Serviceaufwand möglich, um das alles am Leben zu erhalten. In diesem Zusammenhang muss vor allem dem technischen Leiter des Planetariums, Herrn Kurt Anetzhuber, großes Lob und Dank ausgesprochen werden.

ÖWF: Warum ist das Planetarium für die AVK so wichtig?

Ich möchte dazu einen Vergleich bringen: Jeder der Kinder hat, weiß, dass es darunter welche gibt, die Probleme machen und welche, die nur Freude bereiten. Und trotzdem liebt man sie alle. So ähnlich verhält es sich mit dem Planetarium! Es war nie leicht, dieses Haus zu betreiben und wird es auch in Zukunft nicht sein. Aber es ist ein „Kind“ der AVK, dem gegenüber der Verein eine Verpflichtung hat und es ist auch eine große Herausforderung, dieses Haus zu betreiben. Da geht es nicht darum, wie wichtig es ist. Ich denke, der Verein und das Planetarium brauchen sich gegenseitig.

ÖWF: Wo sehen Sie das Planetarium in fünf Jahren?

Ich sehe das Planetarium schon jetzt als wichtige touristische und noch viel mehr als Bildungseinrichtung der Stadt Klagenfurt, des Landes Kärnten und über die Grenzen hinaus. Wir zählen jährlich tausende Schüler und Kindergartenkinder aus Kärnten zu unseren Gästen. Hier wird Wissen auf hohem und auch kindgerechten Niveau geboten, verpackt in abenteuerliche Geschichten und Liveshows. Es geht in naher Zukunft vor allem darum, diesen Stellenwert auch in der Bevölkerung zu stärken und im Bewusstsein der potentiellen Besucher zu verankern, damit es zur Selbstverständlichkeit wird, dass man einen Besuch der Landeshauptstadt auch mit einem Besuch des Planetariums verbindet. Dazu wurde in den vergangenen Jahren schon viel unternommen und diese Arbeit wird auch intensiv fortgesetzt.

ÖWF: Gibt es Wünsche an die nationale und Kärntner Politik?

Natürlich gibt es Wünsche an die Landes- und Kommunalpolitik. Vor allem dahingehend, dass das Planetarium als Bildungseinrichtung für Schulen – unterrichtsbegleitend bzw. –ergänzend – als auch als Volksbildungseinrichtung anerkannt und entsprechend unterstützt wird. Immerhin ist es seit seiner Gründung bereits von fast zwei Millionen Menschen besucht worden, welche zu einem erheblichen Teil auch aus dem Vorschul- und Pflichtschulalter kommen. Und vielen bleibt das hier vermittelte Wissen jahrelang oder ein Leben lang in Erinnerung.

Die Sternwarte auf dem Gipfel der Gerlitze

Die Sternwarte auf dem Gipfel der Gerlitze (c) AVK

ÖWF: Was hielten Sie von folgender Vision: Weltraumthemen an der FH Kärnten in techniklastigen Studienzweigen anbieten?

Die Idee ist nicht neu. Schon bei den Transiten 2003 und 2004 war eine Gruppe der FH Klagenfurt dabei, die eine Kamera entwickelt hatte, die selbstständig die Sonne finden und verfolgen konnte und die die damit gewonnenen Bilder bzw. Videos über Satellitenfunk über beliebig weite Strecken übertragen konnte. Zu dem Projekt gehörte auch die gesamte Finanzierung der Entwicklung und der Reise nach Island, um dort eine Sonnenfinsternis zu beobachten und die Daten nach Klagenfurt zu übermitteln. Hier wurde den Studenten sehr umfangreiches Wissen – auch zum Thema Astronomie – vermittelt. Da wäre noch viel mehr möglich. Von Semesterarbeiten Einzelner oder ganzer Jahrgänge bis hin zu Diplomarbeiten bietet die Astronomie ein großes Betätigungsfeld.

Das Interview führte Daniela Scheer.

October 06 2013

Interview mit Haritina Mogosanu

Stefan Hauth vom Österreichischen Weltraum Forum führte, im Rahmen der langen Nacht der Museen (5. Oktober 2013) im Welios Science Center in Wels, ein Gespräch mit Haritina Mogosanu. Haritina ist ein Crewmitglied der WSW 2013 Mission in der Mars Desert Research Station (MDRS). 

Stefan: Kannst du uns ein bischen von dir erzählen?

Hari-MogosanuHaritina: Mein Name ist Haritina Mogosanu, ich bin ehrenamtlich als Manager Education Relations für die World Space Week tätig. Ausserdem arbeite ich als Biowissenschaftlerin für die Regierung in Neuseeland und engagiere mich in der wissenschaftlichen Kommunikation für Astronomie, Planetarien und Projekte mit Weltraumbezug. In der MDRS bin ich aktuell Erster Offizier.

Stefan: Warum engagierst du dich für die Erkundung des Mars?

Haritina: Ich glaube fest daran, daß die Menschheit nur mit guter Ausbildung Fortschritte machen kann. Egal für welchen Beruf man sich entscheidet, man sollte sich dafür bewusst entscheiden. Der Weltraum ist ein großartiges Thema um Kinder und Schüler für das Lernen zu begeistern. Nicht jede Karriere führt automatisch in den Weltraum, aber auch wenn sich jemand zum Beispiel für Meeresbiologie entscheidet, könnte der Weltraum die Inspiration dafür gegeben haben. Der Mars ist sehr interessant, weil er viele ähnliche Eigenschaften wie die Erde hat. Durch die Erkundung können wir gleichzeitig vieles über beide Planeten lernen.

Stefan: Du warst ja schon einmal in der MDRS im Jahr 2012 als Kommandantin der KiwiMars Mission. Was waren die Ziele von KiwiMars? Was waren damals deine Aufgaben?

Haritina: : Ich habe damals KiwiMars organisiert und war Commander. Wir haben damals viele Liveschaltungen für Schülern und die Öffentlichkeit in Neuseeland gemacht

Stefan: Was sind die Ziele eures jetzigen Aufenthalts?

Von links nach rechts: Patricia (Tricia) Marie Smedley, Jean Hunter, Haritina Mogosanu

Patricia (Tricia) Marie Smedley, Jean Hunter, Haritina Mogosanu

Haritina:Die aktuelle Mission ist eine Demonstration der MDRS, deshalb sind wir auch nur 4 Tage hier. Aber – das heißt nicht das wir diese Mission nicht ernst nehmen. Die aktuelle Crew besteht aus erfahrenen Wissenschaftlern und Mitgliedern der MDRS Betreuungsgruppe. Diese Leute bilden normalerweise Crews aus, bevor sie in die MDRS kommen.

Jon Rask, der aktuelle Commander, hat den Ausbildungsleitfaden für Feldmissionen der NASA geschrieben, der auch für die MDRS verwendet wird. Jean Hunter ist Leiterin einer NASA Nahrungsmittelstudie an der die Crews der letzten Jahre teilgenommen haben.

Alle zusammen sind auch großartig bei Wissenschaft zu vermitteln, darum wollten wir sie in der Crew haben. Und alle haben sich bereiterklärt in ihrer Freizeit für die Mission zur Verfügung zu stehen. Wir können wirklich stolz und glücklich sein über diese Crew.

Stefan: Kannst du uns noch ein wenig über euren derzeitigen MDRS Aufenthalt erzählen?

Haritina: Die MDRS ist wirklich ein unglaublicher Ort um Forschung für den Mars auf der Erde zu betreiben. Normalerweise dauern die simulierten Missionen hier zwei Wochen und werden zwischen November und April durchgeführt, weil es dann zu heiss wird. Am Mars wird es nie wärmer als 18° (achtzehn Grad) Celsius. Das müssen wir beachten, wenn wir vorgeben wollen wirklich am Mars zu sein. Diesmal geht es aber darum der ganzen Welt zu zeigen, daß es diesen Ort gibt und daß hier echte Forschung betrieben wird.

Stefan: Kannst du uns ein wenig in der MDRS rumführen?

Haritina: Ja.

Stefan: Wie lange dauert es bis man den Anzug anhat und durch die Schleuse raus ist?

Haritina: Aus der Erfahrung heraus würde ich sagen rund eine halbe Stunde.

Stefan: Von wo bekommt ihr euer Essen?

Haritina: Unsere Mahlzeiten kommen aus einer NASA Nahrungsstudie, wir essen also das selbe Zeug das zukünftige Mars Astronauten bekommen würden. Wir verkosten es und können dann sagen, was uns geschmeckt hat und was nicht.

Stefan: Wie schaut ein typischer Tag in der MDRS aus? Wann steht ihr auf?

Haritina: Der Flugplan sagt uns, wann wir aufstehen müssen und was zu tun ist. Im Grunde ist das wie im Büro, bevor man ein Projekt startet macht man einen Plan.

Stefan: What is a flight plan?

Haritina: Der Flugplan ist wie ein Stundenplan in der Schule, damit du weisst was du wann zu tun hast. Manchmal müssen wissenschaftliche Arbeiten, wie Proben entnehmen, tagsüber durchgeführt werden, also machen wir es dann.

Stefan: Wie seid ihr mit der „Erde“ (z.b. mit dem MCC in Innsbruck) verbunden? Simuliert ihr auch die Zeitverzögerung zwischen Erde und Mars?

Haritina: Aktuell simulieren wir das nicht, aber manche Crews machen das in der Simulation.

Stefan: Welche Experimente kann man in der MDRS durchführen?

Haritina: In der MDRS kann man alles untersuchen!! Unter den Mitgliedern meiner vorherigen Crews waren ein Künstler und ein Weltraum-Anwalt. Aber wir haben Biologen, Chemiker, Ingineure, Raktenwissenschaftler, einfach alles was einem einfällt.

Living on Mars

6648932-IMG_0161Stefan: Wie ist das mit fünf Anderen auf engstem Raum in einer abgeschlossenen Unterkunft zu leben?

Haritina: Es ist fantastisch! Wenn du der Typ dazu bist. Es ist nicht anders als auf einer Mission in die Antarktis, obwohl – in der Antarktis trifft man mehr Leute.

Stefan: Gibt es psychologische Herausforderungen?

Haritina: Um das herauszufinden gibt es die MDRS, welchen Typ Mensch man dabeihaben will.

Stefan: Wie gestaltet ihr eure Freizeit?

Haritina: Ich kann nur für mich sprechen, aber in einem Projekt wie diesem braucht man viel Leidenschaft für das was man tut. Also denkt man in seiner Freizeit über seine Projekte nach. Das ist kein normaler neun bis fünf Arbeitstag. Man muss auch auf seinen Körper hören, der sagt einem was er will, dann geht man schlafen oder entspannt mit einem Buch oder einem Film. Die meiste Zeit verbringt man ja im Haus. Daher wollen die meisten in der MDRS mit Freunden und Familie in Kontakt bleiben. Und dann gibt es da natürlich noch Social Media.

Stefan: Wie lange war dein bisher längster Aufenthalt in der MDRS?

Haritina:Zwei Wochen. Die Mars Society hat eine zweite Station names Flashline Mars Antarctic Station. Ein Aufenthalt dort dauert mindestens ein halbes Jahr.

Stefan: Kannst du uns eure Aufgaben und Kommando-Hierarchie ein wenig erklären?

Haritina: Es gibt einen Commander, Ersten Offizier und Sicherheitsoffizier. Aber jeder hat hier mehrere Aufgaben. Man braucht einen Journalisten, Wissenschaftsoffiziere, Geologen und natürlich Techniker die die Station am Laufen halten.

Stefan: Wie ähnlich ist die MDRS zu einem wirklichen Mars Habitat?

Haritina: Sehr ähnlich.

Stefan: Kannst du dir vorstellen wie es wäre in einem echten Habitat am Planten Mars zu leben?

Haritina: Ja, das wäre wie eine MDRS aus der du den rot-braunen Mars-Himmel sehen würdest. Und natürlich, wenn dir etwas passieren würde, müsstest du das Krankenhaus vermutlich erst aufbauen.

September 17 2013

Interview mit Sy Liebergot, Apollo EECOM

Seymour “Sy” Liebergot, geboren 1936, arbeitete während des Apollo Programmes als EECOM (Electrical, Environmental and COMmunication systems). Er gehörte zum Team, das Apollo 13 wieder sicher zurück zur Erde brachte.

Sy Liebergot im Apollo Flight Control Room (c) arstechnica (Steven Michael)

Sy Liebergot im Apollo Flight Control Room (c) arstechnica (Steven Michael)

ÖWF: Technology advances let aside, what are the major differences between your generation of flight controllers, and -say- todays ISS flight controllers in terms of mentality or working attitude?

We were encouraged to speak our mind The Apollo flight controller was part of the continuing evolution of the tradition begun by Chris Kraft during the Mercury and Gemini programs. The typical flight controller was young (at 33, I was among the oldest during Apollo 11), male (during Apollo, there were no female flight controllers), assertive to aggressive, certainly arrogant, and willing to make decisions under pressure; this last attribute was mandatory. Unfortunately for some of us, the aggressive attitude that we adopted and wielded at work would last a lifetime. IMO, within NASA, since Apollo and during Shuttle, career ladders became more important than speaking out when there was any suspicion of something amiss.
ISS FCs have a different task. The timeframe is not as urgent, but the operatic is still PC.


ÖWF: Sometimes it seems, that today’s space exploration programs are seemingly stalling and people tend to reflect upon the «glorious days» back during Apollo, envisioning a period of almost unlimited resources and a population which was super-supportive of the space program in the late 60s. Was that really the reality compared to today’s space business, or it is just romantic perception of the Apollo period?

The reality of the of the 1960s was to beat the Russians to the Moon. i.e. politics and military prowess.
Nov. 21, 1962 John F. Kennedy (from Apollo EECOM: Journey Of A Lifetime)
[A JFK tape transcript of a meeting to discuss Supplemental (budget) Appropriations for NASA was released in 2002. The meeting took place on November 21, 1962 and contained an exchange between President John F. Kennedy and James Webb, then NASA Administrator during which Webb told Kennedy that ‘he didn’t feel a Moon landing should be NASA’s top priority.’ Kennedy disagreed saying in part, “Everything we do ought to really be tied into getting on the Moon before the Russians….. otherwise, we shouldn't be spending this kind of money because I'm not that interested in space.”
So much for the romance of space exploration; this was only a cold war tactic.]

Today, there is no Russia to beat; in fact we don’t care about beating any country in anything. So now, it’s all about politics and funding.

ÖWF: Imagine you are back in the Apollo flight control room. If someone would have asked you about when the first human mission to Mars would be realistically possible, or when the first lunar base would be reality – what would have been your answer back then?

I would have impatiently remarked that a Mars mission was science fiction and it was premature to consider a Moon base and for what? We were preoccupied with achieving lunar landings.

ÖWF: In your view – what is the thing our current space exploration programs need most (well, except funding): are we lacking the technology? Is our society loosing curiosity? Have we forgotten how to take risks?

The public will never be excited about unmanned (robotic) space missions and a mission less space station (ISS). A manned Mars mission should be planned and sold as a long-term program—a 30 year program with a 3 year round trip manned mission. The current ISS has wasted resources that could have been applied toward such a program.

ÖWF: Is there anything you’d like to pass on to our men?

I have no doubt that the training and dedication of the individuals and companies involved will again demonstrate how strong the human spirit of exploration is still. It has been said that great nations discover and explore. Great nations cross oceans, settle frontiers and continually renew their heritage and spirits and create greater freedom and opportunity for the world. Great nations must also remain on the front edge of technologically advanced programs to maintain their security edge. This is the vision of a statesman, but currently we are infected with politicians who are concerned only with being re-elected and maintaining power.

August 20 2013

Mitmachen: Wahrnehmung des Weltraumtourismus in Deutschland [Umfrage]

Nina Kunert, Masterstudentin an der Universität StralsundNina Kunert schreibt derzeit ihre Masterarbeit zum Weltraumtourismus an der FH-Stralsund und fand auf diesem Wege zum Berliner ÖWF-Büro. Wir finden das Thema und das erhoffte Ergebnis ihrer Arbeit interessant – nämlich ein Stimmungsbild der Öffentlichkeit zu konkreten Aspekten der Raumfahrt zu erhalten. Das folgende Interview mit Frau Kunert begleitet die Umfrage, die wir in diesem Rahmen verlinken.

Hier gehts zur Online-Umfrage. Macht mit!

ÖWF: Die Faszination Weltraum hat auch vor Ihnen nicht Halt gemacht. Waren Sie schon immer an der Thematik Weltraum interessiert?

Ja, schon als kleines Kind habe ich mich sehr für Planeten und Sterne interessiert und wollte verstehen, was es mit dem Weltraum auf sich hat. Der erste Berufswunsch, Astronautin zu werden, lag daher natürlich sehr nahe. Im Astronomie-Unterricht in der Schule hatte ich dann das erste Mal die Gelegenheit, mehr über das Thema Weltraum zu erfahren. Leider wurde dieses Schulfach nur ein Jahr an unserer Schule unterrichtet.

ÖWF: Haben Sie sich weiterhin mit dem Thema Weltraum beschäftigt?

Obwohl ich immer ein tiefgreifendes Interesse für den Weltraum hatte, habe ich diese Thematik einige Zeit aus den Augen verloren und mich mehr mit anderen persönlichen Interessengebieten befasst. Erst in meinem Bachelorstudium habe ich mich wieder eingehend mit der Weltraumthematik auseinandergesetzt. Ich hatte damals im Rahmen einer Hausarbeit die Wahl, mich für ein forschungspolitisches Thema mit Chinabezug zu entscheiden. So war natürlich die Weltraumforschung in China die erstbeste Wahl für mich.

ÖWF: Frau Kunert, Sie beenden bald Ihr Masterstudium im Fach ‚Tourism Development Strategies‘ an der Fachhochschule Stralsund. Wie kam es dazu, dass Sie Ihre Masterarbeit über die spannende Thematik „Weltraumtourismus“ schreiben?

Bei einer so umfassenden Arbeit sollte man immer über etwas schreiben, was einen von Grund auf interessiert. Das Thema Weltraumtourismus war eine meiner ersten Ideen und somit bekanntlich auch die Beste. Der letzte ausschlaggebende Punkt kam durch den Besuch einer Buchlesung von Frank Schätzung, der im Oktober 2011 sein Buch ‚Limit‘ in Stralsund vorstellte. In seinem Buch schreibt Schätzing unter anderem auch über die Thematik Weltraumtourismus. Seine multimediale Buchlesung mit beispielsweise hochauflösenden Bildern von der Mondoberfläche, hat mich emotional so aufgeladen, dass der Entschluss für das Thema Weltraumtourismus seit jeher feststand. Auch bin ich sehr glücklich über meine „Paten“. Ich konnte die HALTINNER Group begeistern, mich mit ihrem Wissen bei der Umfrage zur Masterarbeit zu unterstützen.

ÖWF: Welches Ergebnis erhoffen Sie sich von dieser groß angelegten Umfrage?

Mit der Umfrage möchte ich gerne ein aktuelles Stimmungsbild der Deutschen zum Thema Weltraum und Weltraumtourismus einfangen. Meine Vermutung geht dahin, dass die Wahrnehmung, das Interesse und das Wissen über Weltraum und Weltraumtourismus aktuell auf einem niedrigen Level sind. Das wirkt sich natürlich auch auf den Markt solcher Produkte mit Weltraumbezug aus. Im Detail beleuchte ich in meiner Umfrage sub-orbitale Weltraumflüge und möchte abfragen, ob das eigene Wissen sowie die Informationen von Anbieterseite für das genannte Produkt ausreichend sind. Bei radikal neuen Produkten stehen die Verbraucher oft vor der Herausforderung, dass sie die Tragweite bzw. den Erlebniswert solcher Produkte nicht richtig einschätzen können. Im gleichen Atemzug soll herausgefiltert werden, ob ein Mangel an Informationen ein ausschlaggebender Einflussfaktor beim Kauf eines Weltraumfluges ist und welche Informationsbereiche in diesem Fall mehr beleuchtet werden müssten. Zuletzt gehe in meiner Umfrage auf die Kommunikation von Weltraumflügen ein und möchte herausfinden, welche Art der Ansprache im Zusammenhang mit persönlichen Motivationsgründen bei den Verbrauchern gewählt werden sollte.

ÖWF: Sie sind also der Meinung, dass die Gesellschaft aktuell nur wenig Interesse am Weltraum und den damit verbundenen Aktivitäten hat?

Ja, das ist meine Vermutung. Ich bin der Meinung, dass die Gesellschaft nach den frühen Erfolgen der Weltraumerkundung den 60er und 70er Jahren das Interesse und das Bewusstsein für die Bedeutung der Weltraumerforschung verloren hat. Es muss ein enormer gesellschaftlicher Hype und ein äußerst aufregendes Gefühl gewesen sein, diese geschichtlich bedeutenden Ereignisse miterlebt zu haben. Jedoch sind diese Erfolge nach und nach weniger präsent und führen meiner Meinung dazu, dass sich die Leute mehr mit anderen und für sie persönlich wichtigeren Themen auseinandersetzen.

ÖWF: Glauben Sie, dass die Wahrnehmung der Öffentlichkeit sich in den kommenden Jahren ändern wird?

Ich denke, dass es eine neue Bewusstseinssteigerung durch den Start der sub-orbitalen Weltraumflüge in den kommenden Jahren geben wird. Ob sich dieser Hype in der Gesellschaft dieses Mal langfristig tragen wird, bleibt abzuwarten. Für die Wirtschaft aber auch für die Wissenschaft wird der Start der kommerziellen Weltraumflüge auf jeden Fall positive Auswirkungen haben.

ÖWF: Welche Bedeutung messen Sie dem Weltraumtourismus bei?

Der Weltraumtourismus ist aus meiner Sicht der entscheidende Wegbereiter den Weltraum für einen großen Teil der Gesellschaft aber auch für die Wirtschaft zugänglich zu machen und ein Schlüssel, viele Probleme und Herausforderungen auf der Erde zu lösen. Mit jedem Flug in den Weltraum werden wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt, die einen Beitrag für die globale Gesellschaft leisten und den Erkenntnishorizont der Menschen erweitern. Aufkeimende Umweltschutzbewegungen in den frühen 70er Jahren haben sich ja erst durch den Zugang zum Weltraum und der damit verbundenen Sicht auf die Erde entwickelt. Es liegen daher viele verborgene Nutzungspotenziale und Lösungsansätze für globale Herausforderungen wie Ressourcenknappheit, Energieversorgungsengpässe, stagnierende Weltwirtschaft, steigende Arbeitslosigkeitszahlen oder den Schutz und Fortbestand der Erde im Weltraum verborgen. Der Weltraumtourismus ist aus meiner Sicht primär ein Mittel, einen Zugang zu diesen Potentialen im Weltraum zu bekommen. Dass sich dieses Mittel oder dieser Weg wirtschaftlich und langfristig selbst tragen muss, versteht sich daher von selbst.

ÖWF: Was genau finden Sie am Weltraum so faszinierend?

Der Weltraum ist für mich etwas Unbegreifliches und birgt für mich eine enorme Quelle für Faszination, Inspiration, Ideenreichtum und persönlichen Antrieb. Von der Erforschung des Weltraums erhoffe ich mir, Antworten und Erkenntnisse auf viele Fragen zu finden.

ÖWF: Welches Ziel verfolgen Sie nach ihrem Studium?

Auch nach dem Studium möchte ich mich gerne weiterhin mit der Thematik Weltraum beschäftigen und mich dafür einsetzen, die Wahrnehmung und die Begeisterung für den Weltraum von neu zu entfachen. Ein ehrgeiziges Ziel. Zurzeit befinde ich mich in gemeinsamer Absprache und Verhandlung mit der HALTINNER Group, um uns diesen Herausforderungen zu stellen. Wir wollen Träume wahr werden lassen, den Zugang zum Weltraum ermöglichen und wirtschaftliche Synergien schaffen. Wir wollen die Öffentlichkeit aktiv in unsere Arbeit einbinden und mit leicht verständlichem Wissen rund um den Weltraum begeistern. Ich freue mich sehr auf die kommende Zusammenarbeit und viele spannende Projekte.

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April 21 2013

Interview mit Nina Sejkora über Unicamp & MARS2013

Nina Sejkora hat schon zweimal am Uni Camp für Jugendliche zwischen 15 & 18, wo sie jeweils eine Woche lang in die Welt der Wissenschaft reinschnuppern konnte, teilgenommen. Mittlerweile studiert sie Physik in Innsbruck, ist ÖWF Mitglied und Principal Investigator für das MARS2013 Studentenexperiment Peniculus.

Nina Sejkora im Mission Support Center Innsbruck. (c) ÖWF (Daniel Föger)

Nina Sejkora im Mission Support Center Innsbruck. (c) ÖWF (Daniel Föger)

ÖWF: Nina, wie bist du auf das Unicamp aufmerksam geworden und wie waren die Wochen für dich?
Das erste Mal beim Uni Camp war ich 2011. Damals hat meine Mutter mich darauf aufmerksam gemacht. Ich war sofort begeistert von der Idee und wusste sofort, dass der Astrophysik-Workshop ideal für mich war, also hab ich mich angemeldet. Die Woche hat mir dann so gut gefallen, dass ich mir, nach  dem Ende des Uni Camps 2011, sicher war, dass ich im nächsten Jahr wieder mitmachen wollte.
Das Uni Camp 2012 wies einige Unterschiede zu dem im Vorjahr auf. Doch das bedeutet nicht, dass es nicht trotzdem eine tolle Woche war. Ein Unterschied, wahrscheinlich sogar der Hauptunterschied, bestand in der Aufgabenstellung. Während wir 2011 eine (fiktive) robotische Mission zum Saturnmond Enceladus planten, war die Aufgabe 2012 wesentlich praxisnaher. Diesmal war es nicht mit der bloßen Planung auf dem Papier getan, sondern wir mussten uns für ein Experiment entscheiden (an sich schon kein sehr einfacher Prozess, da das Experiment interessant, aber mit unseren Mitteln machbar sein sollte), dieses planen und die nötige Hardware bauen. Und das in nur einer Woche!
Ein Höhepunkt der Woche kam gleich am Anfang. Am Montag mussten wir früh aufstehen (was manchen schwer viel), doch wir wurden dafür belohnt. Wir sahen uns, anlässlich der Landung von Curiosity, den Live-Stream aus dem Jet Propulsion Laboratory an und fieberten während den „seven minutes of terror“ mit den Ingenieuren und Wissenschaftlern mit. Die erfolgreiche Landung und Curiosity’s erste Bilder vom Gale Crater wurden von uns mit einem Sekt-Frühstück gefeiert. Was auch einigen in Erinnerung bleiben wird, sind die Verwicklungen, die sich ergeben, wenn Raketen in Bäumen landen, oder wie viel Spaß man haben kann, wenn man im Toys ‘R Us nach einem Spielzeug mit geeignetem Motor sucht…

ÖWF: Oh! Ihr habt die Spielzeuge nur gekauft, um an den jeweiligen Motor zu kommen? ;)
Genau ;)

ÖWF: Wirst du 2013 wieder beim Unicamp dabei sein?
Ich weiß nicht, ob ich als Teilnehmerin beim Uni Camp 2013 vom 4. bis 10. August in Innsbruck dabei sein werde aber ich bezweifle es. Ich habe mich jedoch für das Femtech Sommerpraktikum beim ÖWF beworben und wenn ich die Stelle bekomme, wäre ich als Betreuerin beim ÖWF Workshop “Astrophysik – Mission to the Edge” dabei. Hierbei geht’s um eine der geheimnisvollsten Regionen des Sonnensystems, die jenseits der Umlaufbahn des Neptuns beginnt: Der Kuipergürtel, eine Art “zweiter Astroidengürtel”, dessen bekanntester Vertreter der Zwergplanet Pluto ist. Millionen von Kometen und Astroiden ziehen dort ihre Bahnen, oft knapp außerhalb der Reichweite unserer besten Teleskope. Beim Uni Camp 2013 soll ein Missionskonzept für eine unbemannte Asteroidenmission geplant werden, die genau diesen “weißen Flecken” auf unserer astronomischen Landkarte erforscht.

ÖWF: Seit wann begeistert dich die Astrophysik?
Astronomie interessiert mich schon lange, schon als ich klein war hat mein Vater mir die Sterne und Planeten gezeigt. Ich habe letztens sogar eine Zeichnung von mir gefunden, die ich gezeichnet habe, als ich noch nicht ganz 4 Jahre alt war. Auf der Rückseite hat meine Mutter vermerkt, dass es dich dabei um „Jupiter, Pluto, Sterne, Meer, Seesterne“ handelt :). Dass Astrophysik jedoch das Feld ist, in dem ich später einmal arbeiten und forschen möchte, ist mir erst seit wenigen Jahren klar. Ich glaube sogar, dass das Uni Camp einen nicht unwesentlichen Einfluss auf meine Entscheidung gehabt hat :).

Die beiden Solarzellen des Peniculus Experiment inMarokko gemeinsam mit anderen MARS2013 Experimenten.(c) ÖWF (Katja Zanella-Kux)

Die beiden Solarzellen des Peniculus Experiment inMarokko gemeinsam mit anderen MARS2013 Experimenten. (c) ÖWF (Katja Zanella-Kux)

ÖWF: Du warst am MARS2013 Studentenexperiment Peniculus beteiligt. Was war das genau für ein Experiment und welche Rolle hast du dabei ausgefüllt?

Zuerst möchte ich etwas zur Entstehungsgeschichte von Peniculus sagen. Dr. Gernot Grömer hat uns erzählt, dass der größte Feind von Solarzellen am Mars der Sand ist. Bei den beiden Mars Rover Spirit und Opportunity hatte man erwartet, dass die Stromversorgung nach wenigen Monaten aufgrund der zu dicken Staubschicht auf den Solarpanelen abbricht. Opportunity ist nur deshalb nach neun Jahren immer noch funktionstüchtig, weil seine Solarzellen von Staubteufeln gereinigt wurden. Aufgrund dieser Informationen überlegten wir uns, dass es doch vernünftig wäre, die Zellen automatisch reinigen zu lassen, da man sich ja nicht immer auf so günstige Fügungen, wie einen Staubteufel zur rechten Zeit verlassen möchte.
Also bauten wir zwei Holzrahmen für die zwei Solarzellen des ÖWF und statteten eine davon außerdem mit zwei motorgetriebenen Bürsten aus, die die Oberfläche von Sand befreien sollten. Ursprünglich hatten wir beabsichtigt Peniculus so zu programmieren, dass er sich automatisch jeden Tag für einige Minuten einschaltet, doch dafür reichten Zeit und personelle Ressourcen nicht aus. Um verwertbare Daten von dem Experiment zu bekommen, schlossen wir an jede Solarzelle ein Voltmeter an, um zu sehen, ob sich der Energieoutput der gesäuberten Zelle gegenüber der ungesäuberten verbesserte. Meine Hauptaufgabe während des Uni Camps war, zusammen mit Vanessa, anhand eines mathematischen Modells eine wissenschaftliche Prognose zu stellen, welche Ergebnisse wir uns von dem Peniculus-Experiment erwarteten.
Am Ende von MARS 2013 stellte sich jedoch heraus, dass unsere Prognose sich nicht erfüllte. Der Energieoutput von gesäuberter und ungesäuberter Zelle war am Ende genau gleich.
Übrigens, die Namensfindung für unser Experiment war mindestens genauso interessnt. Der Name auf den sich das Team schließlich einigte, „Peniculus.X“ stammt aus dem Lateinischen: „peniculus“ bedeutet kleine Bürste und das „X“ steht für „Experiment“.

ÖWF: Marokko, Innsbruck, MARS2013 – wie war das für dich? Wie lief die Zusammenarbeit?

Nina (ganz rechts) im Flightplan Raum im Mission Support Center. (c) ÖWF (Daniel Föger)

Nina (ganz rechts) im Flightplan Raum . (c) ÖWF (Daniel Föger)

Ich war nicht in Marokko, doch ich war die ganzen vier Wochen im Mission Support Center, als Mitglied des Flightplan Teams. Anfangs (im Herbst 2012) war ich noch als Mitglied des Remote Science Support (RSS) Teams eingeteilt, doch nachdem Flightplan so stark unterbesetzt war, kam ich in dieses Team. Die Arbeit bei MARS 2013 war eine wunderbare Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte.
Die Zusammenarbeit zwischen Feld und MSC lief, nach einigen Startschwierigkeiten in der Prep-Week, sehr gut. Nach dem Ende der ersten Woche waren die größten Schwierigkeiten bezüglich interner Kommunikation im MSC und der Kommunikation mit der Field Crew identifiziert und auch großteils beseitigt. Flightplanning war zwar besonders am Anfang viel Arbeit, doch, bis auf gewisse Unstimmigkeiten, die nun mal auftreten, wenn so viele Leute zusammenarbeiten, lief die Zusammenarbeit gut.

ÖWF: Vielen Dank, Nina, dass du dir etwas Zeit für das Interview genommen hast. Viel Erfolg und Spaß weiterhin mit der Astrophysik! :-)

Weitere Informationen:

February 28 2013

MARS2013 Menschen: Jane MacArthur aus Grossbritannien

INTERVIEW mit JANE MacARTHUR aus GROSSBRITANNIEN

(c) OeWF (Katja Zanella-Kux)

(c) OeWF (Katja Zanella-Kux)

Team & Aufgabe(n)

Jane MacArthur aus Großbritannien ist Teil des Remote Science Support (RSS) Teams während der MARS2013 Mission und Principal Investigator (PI) für das MEDIAN Experiment. Ihr Team erhält wissenschaftliche Daten direkt von der Mission in Marokko und koordiniert die Verbreitung und Analyse dieser Daten  mit den PIs der verschiedenen Experimente. Für einige den internen ÖWF-Experimente, vor allem für geologische Untersuchungen, erstellt das RSS-Team detaillierte Karten auf Basis  der erhaltenen Daten.

Weltraum & MARS2013

Was war dein erster Kontakt mit dem Thema Weltraum / Astronomie / Analogforschung?

Ich habe als Teenager alles über den Weltraum verfolgt, was ich verfolgen konnte, und war schon als kleines Kind vom Nachthimmel begeistert. Aber erst der Besuch eine Space Shuttle Start im Juli 2011 war ausschlaggebend darin, daß ich mich um ein Platz beim UCL (University College London) beworben habe und das Masterstudium in Planetenwissenschaften im September 2012 begann. 

Wann hast du erfahren, dass es das ÖWF gibt?

Ich bin Jan Klauck, vom ÖWF Berlin, beim ISS Symposium Mai 2012 in Berlin begegnet. Um Teilnahme beim Symposium habe ich mich beworben, nachdem ich ein Tweet eines Freundes darüber gesehen habe.

Wie hast du von der  “MARS2013” Mission gehört?

Jan hat mir vom „Announcement of Opportunity“ für MARS2013 erzählt, und daß das ÖWF auch sehr gern Studenten an Bord haben möchten. Als ich wusste, dass ich einen MSc in September anfangen würde, habe ich mit einem anderen Weltraum-Freund, Nick Howes, gesprochen, der diese großartige Idee für ein Mars-Experiment hatte, und so war MEDIAN geboren.

Warum hast du dich dafür entschieden, daran teilzunehmen?

Für mich war es eine tolle Möglichkeit, ein Experiment für ein Mission zu entwerfen, aufzubauen und zu testen, und dazu auch noch mein weiteres geologisches Wissen für mit Hilfe des RSS-Team zu verbessern.

Was war dein erster Eindruck von der Arbeit mit dem ÖWF-Team?

Eine großartige, internationale Mischung von begeisterten und engagierten Menschen.

Was ist dein persönliches Ziel für diese Mission?

Nützliche Daten für mein Experiment zu sammeln, so viel wie möglich von den anderen Experimenten, Karten- und geologischen Projekten zu lernen, die Prozeduren und das Teamwork, die für so eine umfangreiche Mission notwendig ist, zu erleben, und auch viele neue Menschen mit ähnlichen Interessen zu kennenzulernen.

Beruf, Freizeit & Familie

Das mache ich beruflich:

Ich bin staatlich geprüfte Bilanzbuchhalterin, freischaffende Violinistin und habe meine eigene Firma mit mehr als 140 Kunden. Gleichzeitig studiere ich in nebenbei für einen MSc in Planetenwissenschaften beim University College London. Außerdem bin ich qualifizierte Fitnesstrainerin, Crossfittrainerin und Sportmasseurin.

Ein typischer Tag in meinem Leben sieht so aus:

Es gibt keinen “typischen Tag” in meinem Leben. Einen großer Teil meiner Zeit verbringe ich vor dem Computer, außer wenn ich Unterricht oder Kundenbesprechungen habe. Ich versuche dreimal pro Woche ins Fitnessstudio zu gehen, ab und zu ein Konzert zu spielen, mich mit Freunden zu treffen usw.

So verbringe ich meine Freizeit:

Ich habe fast keine Freizeit, wenn ich welche hätte, dann würde ich Salsa tanzen gehen.

Meine Freunde würden mich so beschreiben:

Es hängt davon ab, welche Freunde von mir sprechen, weil nicht viele Leute wissen alles, was ich so treibe … Verrückt, zuverlässig, vertrauenswürdig, man weiß nie, was sie nächstes tut…

Ich über mich

Diese Dinge sind mir wichtig:

Lernen, Freizeit, gute Freunde, Sport, Musik, Salsa.

Was mich verrückt macht:

Wertende Menschen.

Etwas, das ich niemals tun würde:

Alles was mit einem Todesrisiko höher als 20% verbunden ist. Ich bin auch nicht sicher, ob man mich zum Fallschirmspringen überreden könnte.

Um mich zu entspannen, brauche ich unbedingt:

Eine Massage und keine dringenden Abgabetermine.

Dafür lasse ich alles stehen und liegen: 

Die Antarktis zu besuchen.

Etwas, das mein Leben verändert hat:

Beim letzten Start des Space Shuttles und danach beim ATV-Tweetup teilzunehmen.

Ziel(e) & Motto

Etwas, das ich gerne lernen oder erreichen würde:

Ich möchte gerne alles lernen. Aber das ist unmöglich, daher gebe ich mich damit zufrieden, so viel Wissenschaft wie möglich zu lernen, damit ich die großen Fragen besser verstehe, und sollte das nicht möglich sein, zumindest die Antworten darauf.

Mein Motto / Ein Sprichwort,mit dem ich mich identifizieren kann:

„Die Idee ist, so spät wie möglich jung zu sterben.”  “Und am Ende sind es nicht die Jahre in deinem Leben, die zählen. Es ist das Leben in deinen Jahren“

 

February 26 2013

MARS2013 Menschen: Tibor Pacher aus Ungarn

INTERVIEW mit TIBOR PACHER aus UNGARN

(c) OeWF (Katja Zanella-Kux)

(c) OeWF (Katja Zanella-Kux)

Team & Aufgabe(n)

Tibor Pacher kommt aus Ungarn und wohnt zur Zeit sowohl in Norddeutschland als auch in Budapest. Er ist Gründer und Teamleiter des offiziellen Google Lunar X-PRIZE Teams „Puli Space“ und leitender Wissenschaftler der PULI ROVER Experimente bei der MARS2013 Mission in Marokko.

Weltraum & MARS2013

Was war dein erster Kontakt mit dem Thema Weltraum / Astronomie / Analogforschung?

Als Kind habe ich einen wunderschönen Sternenhimmel am Plattensee in Ungarn gesehen, nach einem Freilicht-Kino Abend. Ich weiß es allerdings nicht mehr, ob dieses Erlebnis oder Raumschiff Orion & Captain McLane zuerst kam. 

Wann hast du erfahren, dass es das ÖWF gibt?

Ich habe von der Rio Tinto Expedition gelesen, wo auch ein Google Lunar X-Prize Team dabei war, nämlich White Label Space.

Wie hast du von der  “MARS2013” Mission gehört?

Im Frühsommer hat ein PULI Kollege in die Runde geworfen, da müssten wir doch hin.

Warum hast du dich dafür entschieden, daran teilzunehmen?

MARS2013 ist ein Weltklasse Projekt – und für uns als PULI Team bietet es eine hervorragende Möglichkeit, unsere Ideen unter sehr schweren Bedingungen zu testen.

Was war dein erster Eindruck von der Arbeit mit dem ÖWF-Team?

Professionalität trifft auf Begeisterung :-) – einfach klasse!

Was ist dein persönliches Ziel für diese Mission?

Dass mein Team die Aufgaben mit der gleichen Professionalität löst wie das ÖWF-Team – und dass unser PULI Rover seine Aufgaben gut erledigt.

Beruf, Freizeit & Familie

Das mache ich beruflich:

Ich bin ursprünglich promovierter Physiker, bestreite allerdings meinen Lebensunterhalt zur Zeit als freier Berater für Rechnungswesen-Prozesse und deren Implementierung mit SAP-Software in (meistens etwas größeren) Unternehmen.

Ein typischer Tag in meinem Leben sieht so aus:

Augen geöffnet, Mails geprüft (OK, der Kaffee kommt in der Regel vorher), dann unter Umständen ein Kundeprojekt und immer wieder PULI :-) wenn nicht gerade interstellare Raumfahrt oder E.T. die Themen sind.

So verbringe ich meine Freizeit:

Ich lese gerne, manchmal gucke ich fern, gehe aber lieber ins Kino – mit meiner besseren Hälfte.

Familienstand:

Obwohl geschieden, jetzt bin ich wieder glücklich mit einer phantastischen Frau an meiner Seite. Und ich bin auch der stolze Vater von zwei klasse Kindern.

Meine Freunde würden mich so beschreiben:

Etwas verrückt, aber ansonsten ist ganz OK der Bursche!

Ich über mich

Diese Dinge sind mir wichtig:

Ehrlichkeit, Demut vor den wichtigen Dingen im Leben, aufrichtige Liebe in der Familie.

Was mich verrückt macht:

Gemeine Lügen und feige Aktionen unter der Gürtellinie.

Etwas, das ich niemals tun würde:

Jemandem bewusst Leid zufügen.

Eine wichtige Sache, die andere Leute über mich wissen sollten:

Mit 16 habe ich beschlossen, den Hyperraumsprung in meinem Leben zu bewerkstelligen. Da habe ich noch einige Jahre zu tun…

Um mich zu entspannen, brauche ich unbedingt:

Ruhe.

Dafür lasse ich alles stehen und liegen: 

Meine Kinder und meine Königin.

Etwas, das mein Leben verändert hat:

Der Tod meines Vaters

Was ist das Ungewöhnlichste, Herausforderndste, Aufregendste, Beängstigendste, Witzigste, das du jemals erlebt hast?

Das ist eine gemeine Frage – und das Herausforderndste, was ich erlebt habe… 

Ziel(e) & Motto

Etwas, das ich gerne lernen oder erreichen würde:

Orgel und Theremin spielen können. (Ein Theremin ist ein Anfang des 20. Jahrhunderts erfundenes elektronisches Musikinstrument, das mit Hilfe elektromagnetischer Felder berührungslos gespielt wird.)

Mein Motto / Ein Sprichwort,mit dem ich mich identifizieren kann:

„Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden.“ Von Hermann Hesse, im September 1960, etwa drei Monate vor meiner Geburt.

 

February 21 2013

MARS2013 Menschen: Alain Souchier aus Frankreich

INTERVIEW mit ALAIN SOUCHIER aus FRANKREICH

(c) OeWF (Katja Zanella-Kux)

(c) OeWF (Katja Zanella-Kux)

Team & Aufgabe(n)

Alain Souchier kommt aus Frankreich und ist Präsident der französischen Landesgruppe der „Mars Society.“ Er nimmt an MARS2013 als einer der vielen Projektleiter der wissenschaftlichen Experimente mit dem Projekt CLIFFBOT Rover teil. Alain war in der ersten Simulationswoche vor Ort in Marokko sein, um dessen Funktionstüchtigkeit zu prüfen und steht nun — falls nötig — für Problemlösungen während der Simulation zur Verfügung.

Weltraum & MARS2013

Was war dein erster Kontakt mit dem Thema Weltraum / Astronomie / Analogforschung?

Ich war schon als Kind an Astronomie interessiert und habe mich 1957, mit 10 Jahren, der Luftfahrttechnik angenommen, als der Wettlauf ins All begann. 

Wann hast du erfahren, dass es das ÖWF gibt?

Hauptsächlich durch die AustroMars Mission bei der MDRS (Mars Desert Research Station).

Wie hast du von der  “MARS2013” Mission gehört?

Durch Gespräche bei der Dachstein Mission

Warum hast du dich dafür entschieden, daran teilzunehmen?

Es ist eine Weiterführung der CLIFFBOT Experimente, die von mir (und vielen anderen) 2002 und 2006 in Utah und dann am Dachstein 2012 durchgeführt wurden. Und ich möchte die Öffentlichkeitsarbeit für die “Planète Mars“ Vereinigung im besonderen und die Marsforschung im allgemeinen  fördern.

Was war dein erster Eindruck von der Arbeit mit dem ÖWF-Team?

Ich sah den Professionalismus, die Anzahl der mitarbeitenden Leute als auch die Logistik und die technische Ausstattung. Es hilft auch, gute Beziehungen zu den Leuten zu haben. ☺

Was ist dein persönliches Ziel für diese Mission?

Datensammlung für das CLIFFBOT Experiment, Spaß, etwas mehr über Simulationsabläufe und –aktivitäten durch aktive Teilnahme zu lernen und Material für die Öffentlichkeitsarbeit zurückzubringen (Photos, etc) um Marsforschung zu fördern.

Beruf, Freizeit & Familie

Das mache ich beruflich:

Nachdem ich 40 Jahre als Ingenieur damit verbrachte, für die Ariane Flüssigkeitsraketenstufen zu entwickeln, bin ich nun im Ruhestand und berate meinen ehemaligen Arbeitgeber bei Raketenantrieben und Startsystemen. Zusätzlich bin ich Präsident der französischen Landesgruppe der „Mars Society.“

Ein typischer Tag in meinem Leben sieht so aus:

Kein Tag läuft normal ab. Beratung, Post beantworten, für die „Planète Mars“ Vereinigung Sachen erledigen, News auf unserer Webseite veröffentlichen, Präsentationen für Kongresse oder Publikationen erstellen, Reisen, Meetings für Beratungsprojekte oder Kongresse; technische Artikel für Beratungstätigkeiten schreiben.

So verbringe ich meine Freizeit:

Die Definition von “Freizeit” wird eine ganz andere, wenn man (teilweise) im Ruhestand ist.

Familienstand:

Verheiratet, vier Kinder.

Meine Freunde würden mich so beschreiben:

Fragen sie meine Freunde (erinnern Sie mich daran, meine Frau zu fragen).

Ich über mich

Was mich verrückt macht:

Wenn etwas nicht funktioniert oder Dinge verloren gehen.

Etwas, das ich niemals tun würde:

Nur etwas Schlimmes (Hoffentlich).

Eine wichtige Sache, die andere Leute über mich wissen sollten:

Normalerweise wissen die das schon.

Um mich zu entspannen, brauche ich unbedingt:

Neun Stunden Schlaf.

Dafür lasse ich alles stehen und liegen: 

Ins Weltall zu fliegen und… (das ist geheim).

Etwas, das mein Leben verändert hat:

Neben dem Wettlauf ins Weltall 1957? Ist Verheiratet zu sein eine gültige Antwort?

Was ist das Ungewöhnlichste, Herausforderndste, Aufregendste, Beängstigendste, Witzigste, das du jemals erlebt hast?

176 Zero G Parabolflüge, MDRS (Mars Desert Research Station) Simulationen, der Apollo 16 Start und der erste der Ariane 1 (und folgende, inklusive Fehlstarts), tolle Erinnerungen ans Tauchen oder Skitouren. 

Ziel(e) & Motto

Etwas, das ich gerne lernen oder erreichen würde:

Natürlich ins Weltall zu fliegen aber auch einen kleinen Teil dazu beitragen, das Weltall und die Weltraumforschung zugänglicher zu machen,  ist schon ausreichend.

Mein Motto / Ein Sprichwort,mit dem ich mich identifizieren kann:

“Niemals aufgeben, sich niemals ergeben”…  nur ein Witz. Ich hab noch einen über die Erde: “Ein Planet, auf dem Wasser in flüssiger Form zu Boden fällt, kann gar nicht so schlecht sein.”

 

February 19 2013

MARS2013 Menschen: Roberta Paternesi aus Italien

INTERVIEW mit ROBERTA PATERNESI aus ITALIEN

(c) OeWF (Katja Zanella-Kux)

(c) OeWF (Katja Zanella-Kux)

Team & Aufgabe(n)

Roberta Paternesi wurde in Rom geboren und lebt seit drei Jahren in Noordwijk, in den Niederlanden. Sie führt während der MARS2013 das SDO (Science Data Officer) Team an und kümmert sich um alle Daten, die von den unterschiedlichen Experimenten generiert werden. Sie gewährleistet die Verfügbarkeit aller Daten für zukünftige Analysen und den reibungslosen Datenaustausch zwischen den Teams im Mission Support Center und den Projektleitern weltweit.

Weltraum & MARS2013

Was war dein erster Kontakt mit dem Thema Weltraum / Astronomie / Analogforschung?

Ich habe mich schon immer sehr leidenschaftlich für Astronomie interessiert, da ich als Kind die Sommerferien mit meiner Familie im Landhaus meiner Tante in Tarquinia verbracht habe. Dort war die Zeit im 18. Jahrhundert stehen geblieben: kein Strom, Brunnenwasser, Früchte und Gemüse vom Feld vor dem Haus. Es war alles sehr märchenhaft. Und dort waren die Nächte besonders dunkel und die Sterne am Himmel haben sehr geglänzt und waren total fesselnd. Jedes Wochenende hat uns mein Vater besucht – er hat unter der Woche in der Stadt gearbeitet – und es war ein Brauch, dass wir nach dem Abendessen unsere Stühle nahmen, uns raussetzten und den Himmel nach Sternschnuppen abgesucht haben. Diese Faszination hat mich nicht verlassen! In den letzten Jahren hatte ich das Glück meinen Informatikjob im Directorate of Science and Robotic Exploration der Europäischen Weltraumbehörde auszuüben, wo ich die Möglichkeit habe,  zur Astronomie und zu Erkundungsmission des Sonnensystems beizutragen. Was will ich mehr? ☺

Wann hast du erfahren, dass es das ÖWF gibt?

Davon habe ich von meinen guten Freund Alexander Soucek gehört, lange bevor wir mehr als gute Freunde wurden. Durch ihn erfuhr ich über die Aktivitäten des ÖWF und dessen PolAres Programm und seine Analogmissionen. Mich hat die Professionalität und der Enthusiasmus beeindruckt, mit denen das ÖWF seine Ziele verfolgt und ich wollte unbedingt dabei sein (was mir letztendlich auch gelang!).

Wie hast du von der  “MARS2013” Mission gehört?

Meine erste Tätigkeit beim ÖWF war als Science Data Officer bei der Dachstein Mission im April 2012. Beim ÖWF schaut man immer nach vorne zur nächsten Herausforderung, dem nächsten Abenteuer. Am Ende der Dachstein Mission begannen wir schon Schritte für MARS2013 zu planen und wir alle wollten dabei sein.

Warum hast du dich dafür entschieden, daran teilzunehmen?

Weil ich einfach nicht anders konnte! Es ist fantastisch zu solch einem Projekt beizutragen, wo mit einem kleinen Budget aber einer Menge Leidenschaft, Kompetenz und Enthusiasmus seriöse und wichtige Forschung betrieben wird.

Was war dein erster Eindruck von der Arbeit mit dem ÖWF-Team?

Leidenschaft und Enthusiasmus. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber was mich an dieser Organisation anzieht sind genau diese Dinge. Denn ich gewinne während der ÖWF Aktivitäten immer viel mehr Energie als ich investiere, sogar an langen und intensiven Projekt-Tagen.

Was ist dein persönliches Ziel für diese Mission?

Unterschiedliche Aspekte von Tätigkeiten zu erforschen, die sehr viel Ähnlichkeit mit meiner Arbeit haben und durch die ich mich inspirieren lassen kann.

Beruf, Freizeit & Familie

Das mache ich beruflich:

Ich arbeite bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA in den Niederlanden als Informatikerin im „Directorate for Science and Robotic Exploration“ (SRE). In wenigen Worten: Ich manage die Informationstechnologie, welche die Astronomie und Planetarische Missionen unterstützt und stelle technische Lösungen zur Verfügung, um Aufgaben im Zusammenhang mit dem Bau und dem Start von Satelliten zu vereinfachen.

Ein typischer Tag in meinem Leben sieht so aus:

Mein Tag beginnt mit meinem Frühstück, das mir heilig ist. Ich könnte mich bei allem anderen beeilen aber ich brauche mindestens 15 Minuten, um meine Frühstückscerealien und ein Jogurt zu essen und meinen Grünen Tee zu trinken. Dann geht’s zur Arbeit: Wenn die Temperaturen mitspielen, ich motiviert bin und meine Faulheit es erlaubt, mit meinem Fahrrad. Ich bin normalerweise zwischen 8:00 und 8:30 bei der Arbeit und trinke mit meinen Arbeitskollegen eine Tasse Kaffee, wobei wir den Status von unseren Aktivitäten besprechen und Pläne für die kommenden Tage machen. Oder manchmal plaudern wir einfach über’s Leben, das Weltall und alles andere. Am Abend koche ich dann ein schönes Abendessen, dann schaue ich mir eine Folge von Raumschiff Enterprise an – ich liebe die Serie „The Next Generation“. Bevor ich das Licht ausmache, schmökere ich ein bisschen in den zwei, drei, vier Büchern, die ich gleichzeitig lese, wobei sich die Auswahl nach der jeweiligen Tagesstimmung richtet.

So verbringe ich meine Freizeit:

Meistens Reisen, normalerweise zwischen Holland, Italien und Österreich. Manchmal etwas weiter weg. In Holland fahre ich viel Rad, erforsche die Gegend oder mache lange Spaziergänge an den weiten Stränden der Nordseeküste.

Familienstand:

In einer Beziehung.

Meine Freunde würden mich so beschreiben:

Sie sagen oft, dass ich sehr farbenprächtig bin.

Ich über mich

Diese Dinge sind mir wichtig:

Die Menschen, die ich liebe, die Menschen die ich mag, die Menschen die ich treffe. Eine riesengroße Honigmelone im Hochsommer; starke, wunderbare Bäume; die Winde an der Nordsee, die Frühlingssonne in Rom; die Herbstfarben.

Was mich verrückt macht:

Leute, die sich ständig beschweren.

Etwas, das ich niemals tun würde:

Etwas, das ich gelernt habe, ist, niemals nie zu sagen. Ich habe einmal gesagt, dass ich nie in einem Segelflieger fliegen würde und zwei Jahre später habe ich darum gebettelt das tun zu dürfen (und es auch gemacht).

Eine wichtige Sache, die andere Leute über mich wissen sollten:

Ich habe die Neigung ein bisschen zu organisiert zu sein.

Um mich zu entspannen, brauche ich unbedingt:

Gute Gedanken.

Dafür lasse ich alles stehen und liegen: 

Nutella! Ich bin davon total abhängig.

Etwas, das mein Leben verändert hat:

Einer Theatergruppe beizutreten, vor einigen Jahren.

Was ist das Ungewöhnlichste, Herausforderndste, Aufregendste, Beängstigendste, Witzigste, das du jemals erlebt hast?

Skifahren! Oh mein Gott! Ich habe damit vor drei Jahren angefangen, und es war eine wahnsinnige Erfahrung. Nun denken Sie: Wunderschön…Nein, Ich meine wirklich unglaublich: Ich konnte gar nicht glauben, dass ich auf Skiern stand! Um ehrlich zu sein, habe ich mich überhaupt nicht bewegt, ich stand nur da. Aber wie sagt man so schön: Es war ein Anfang, oder nicht? 

Ziel(e) & Motto

Etwas, das ich gerne lernen oder erreichen würde:

Niederländisch! Ich wohne schon seit Jahren in diesem Land und ich kann nicht erklären, warum mir diese Sprache aus dem Weg geht. ☺ Ich habe es geschafft Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch zu lernen, aber Niederländisch kann ich einfach nicht packen…;)

Mein Motto / Ein Sprichwort,mit dem ich mich identifizieren kann:

Auf Italienisch heißt es “Meglio vivere di rimorsi che di rimpianti” aber ist schwer ins Deutsche zu übersetzen, da rimorsi und rimpianti beide “Bedauern” bedeuten. Die beste Übersetzung ist: “Es ist besser, zu bedauern etwas getan zu haben, als zu denken: Hätte ich doch nur…”

 

July 24 2012

Jennifer Ngo-Anh, ESA Mars500 Programm Managerin

Die Neurowissenschaftlerin und ESA Mars500 Programm Managerin Dr. med. Dr. rer. nat. Jennifer Ngo-Anh schenkte uns ihre wertvolle Zeit, um ein paar Fragen zur Mars500 Simulationsstudie von ESA und Roscosmos zu beantworten.

Jennifer Ngo-Anh at ESA
ÖWF: Frau Ngo-Anh, wie lange arbeiten Sie schon für das Mars500 Programm der ESA und wie kamen Sie zur ESA?

Ich arbeite seit gut sechs Jahren in Noordwijk, dem größten Standort der ESA. Nach meinem Medizin- und anschließendem Neurowissenschafts-Studium bewarb ich mich auf eine der sogenannten „Young Graduate Trainee“ Stellen, die die ESA einmal im Jahr veröffentlicht und die sich an junge Uni-Absolventen richtet. So kam ich 2006 in meine Abteilung im Direktorat „Human Spaceflight“ und seither arbeite ich mit viel Freude dort – das Hauptthema, mit dem sich unsere Projekte befassen, hat mit allem zu tun, was eine zukünftige bemannte Raumfahrtmission zu Mond, Mars oder anderen Planten ermöglicht.

ÖWF: Wie haben sich die Teilnehmer nach dem Ende der Simulationsstudie zu Hause wieder eingelebt? Gab es überraschende Umstellungsschwierigkeiten, also Dinge, mit denen Sie nicht gerechnet haben?

Die Mannschaft kehrte am 04. November 2011 aus ihrem Raumschiff auf die Erde zurück. Bis zum 8. November befand sich die Mannschaft unter Quarantäne, während derer sie intensiven medizinische Tests unterzogen wurden.
Unsere Mars500 Teilnehmer hatten keinerlei Schwierigkeiten, sich wieder an das normale Leben und den Alltag einzugewöhnen, im Gegenteil, sie schätzen und genießen gewisse Dinge, wie Internet, frische Luft, gutes Essen und Natur mehr als vor ihrem Einsatz.

ÖWF: War es für die sechs Personen, die 520 Tage unter sich waren, gar nicht gewöhnungsbedürftig, wieder von mehr als nur 5 Personen umgeben zu sein?

Nein, im Gegenteil, sie haben es genossen, gelegentlich wieder ihre Ruhe zu haben und/oder selber bestimmen zu können, wen sie wann trafen.

Jennifer Ngo-Anh at Kennedy Space Center
ÖWF: Gab es eine Zeit während der Studie, in der die Teilnehmer tatsächlich annahmen, sie fliegen zum Mars?

Die gesamte Mission war so konzipiert, dass – außer Schwerelosigkeit und Weltraumstrahlung – alles so war, wie auf einem echten Flug zum Mars. Auch Notfälle und unvorhergesehene Ereignisse wie ein Feuer an Bord des Raumschiffs oder ein
Kommunikationsausfall von ca. zwei Wochen wurden eingebaut, und gerade diese Notfälle wurden von den Teilnehmern als ernst und „bedrohlich“ empfunden und eingestuft.

ÖWF: Haben „Ihre Jungs“ Sie während der Simulationsstudie überrascht? Gab es ungeplante Ereignisse, spannende, lustige, dramatische, die nicht vorhersehbar waren?

Die Mars500 Teilnehmer unterliefen vor ihrem Einsatz ein ca. viermonatiges Training, in dem sie auf alle möglichen Situationen, sowohl konfliktreiche innerhalb der Gruppe, als
auch problematische durch Ausfall von z.B. Maschinen, oder auch einfach mit Langeweile vorbereitet wurden. Sie nahmen auch an einem Kurs teil, in dem sie lernten, wie man mit den verschiedenen kulturellen Unterschieden (die Mannschaft bestand aus drei Russen, einem Chinesen, einem Franzosen und einem Italiener) umgeht.

Womit wir aber nicht gerechnet hatten, war, dass sich die Mannschaft durch ihre eigene Kreativität die lange Zeit zum Mars und dann wieder zur Erde zurück versüßt hat – z.B. bekamen wir jeden Monat von ihnen Gruppenfotos, die uns als „Lebenszeichen“ dienen sollten, am Anfang schaute die Mannschaft recht ernst in die Kamera; mit der Zeit wurden diese Gruppenfotos aber immer lustiger, am 1. April bekamen wir sogar eine Fotomontage, auf der die Mannschaft schwerelos durch ihr Raumschiff schwebend zu sehen war!

ÖWF: Was sind die bisher wichtigsten Erkenntnisse, die aus der Mars500 Studie gewonnen wurden?

Ein bemannter Flug zum Mars ist aus menschlicher Sicht möglich. Die Mannschaft, die wir gemeinsam mit den Russen zusammengestellt haben, hatte genau den richtigen Mix aus Persönlichkeiten mit ihren individuellen Verschiedenheiten, Interessen und Eigenschaften.
Bei unserem wissenschaftlichen Programm, das insgesamt aus mehr als 100 Einzel-Experimenten bestand, liegen uns noch keine konkreten Ergebnisse vor. Die beteiligten Wissenschaftler sind noch dabei, die vielen Daten zu analysieren – bisher zeigen sich aber alle Beteiligten sehr zufrieden und gehen davon aus, dass sie ihre Ergebnisse in renommierten Magazinen veröffentlichen werden können.

ÖWF: Würden Sie selbst eines Tages gern zum Mars fliegen?

Sobald unsere Kollegen Antriebe gefunden haben, die es uns ermöglichen, in kürzerer Zeit zum Mars zu fliegen als mit den heutigen technischen Möglichkeiten, wäre ich sofort dabei.

Vielen Dank, Frau Ngo-Anh, weiter hin alles Gute für Sie!

Weitere Details zum Thema unter:

June 27 2012

Neuer Master Studiengang Aerospace Engineering in Österreich

Dr. Carsten Scharlemann, Head of Aerospace Engineering Department an der FH Wiener Neustadt, informiert uns hier als Lehrgangsleiter über einen einzigartigen Studiengang in Österreich.

AntriebstechnikÖWF: Herr Dr. Scharlemann, diesen September bietet die FH Wiener Neustadt erstmals den Master Studiengang Aerospace Engineering an. Erzählen Sie uns doch bitte etwas über die Schwerpunkte dieses Studiums.

Das Hauptmerkmal überhaupt des neuen Aerospace Engineering Studienganges ist die praktische und realitätsnahe Ausbildung. Dies erreichen wir durch mehrere Maßnahmen. Erstens ist es uns gelungen die maßgebliche, d. h. Luft- und Raumfahrt affine, österreichische Industrie bei der Entwicklung des Studienganges miteinzubinden. Damit wurde erreicht das dieser Studiengang Inhalte vermittelt die aktuell und für die Industrie relevant sind. Dazu gehören die intensive Einschulung in virtuelle Produktenwicklung mit den neuesten Softwarepaketen genauso wie das Vermitteln des Handwerkszeugs des Projekt- und/oder Qualitätsmanagers. Natürlich legen wir weiterhin sehr hohen Wert auf die Vertiefung der ingenieurswissenschaftlichen Fähigkeiten unserer Studenten mit Fächern wie z. B. Werkstoffkunde und Leichtbau. Insgesamt bieten wir ein Paket an das unsere Studenten nicht ausschließlich auf die Luft- und Raumfahrt beschränkt aber auch sehr gute Berufschancen in vielen Bereichen ermöglicht wie z.B. in der Automobilindustrie aber auch im Bereich der zukünftigen Energietechniken und vielen anderen.

ÖWF: Für welche Regelstudienzeit ist der Lehrgang ausgelegt?

Regelstudienzeit sind 2 akademische Jahre also 4 Semester.

ÖWF: Welche Zugangsvoraussetzungen müssen erfüllt sein?

Voraussetzung ist ein abgeschlossener Bachelor Studiengang in einem technisch affinen Bereich wie z. B. Maschinenbau, Mechatronik oder Aviation. Da der ganze Studiengang in Englisch abgehalten wird, müssen die Bewerber auch ihre Englischkenntnisse nachweisen.

Forschungsfirma Fotec arbeitet an Antriebstechnik für die Raumfahrt
ÖWF: Wo kann der praktische Teil des Lehrgangs umgesetzt werden?

Wiener Neustadt kann man als die Wiege der Österreichischen Luftfahrt sehen. Dementsprechend viele Luftfahrtfirmen findet man buchstäblich vor unserer Haustüre. Firmen wie Diamond, Schiebl, Magna Steyr, FACC, Airborne Technology sind einige Beispiele dafür. Mit fast allen dieser Firmen haben wir sehr enge Kooperationen. Das zeigt sich auch darin, dass diese Firmen im Lehrbetrieb eng eingebunden sind. Hier ergibt sich natürlich die Chance für die Studenten Kontakte zu knüpfen und erste Berufserfahrung zu sammeln. In der FH zugehörigen Forschungsfirma Fotec bzw. in deren Abteilung für Aerospace Engineering beschäftigen wir uns hauptsächlich mit Themen aus der Raumfahrt. Zurzeit arbeiten wir in der Fotec an verschiedenen Projekten aus dem Bereich der Antriebstechnik für die Raumfahrt. Das Laser Interferometer Space Antenna Projekt (LISA) im Auftrag der ESA bzw. die Magnetospheric Multiscale Mission (MMS) im Auftrag der NASA/ESA sind nur zwei Beispiele für Projekte bei denen Studenten aktiv mitarbeiten können.

ÖWF: Warum sollte man ausgerechnet in Wiener Neustadt Aerospace Engineering studieren?

Die Studenten des Aerospace Engineering werden von hochqualifiziertem Lehrpersonal betreut die nicht nur einen hervorragenden pädagogischen Background aufweisen können sondern auch aufgrund ihrer beruflichen Erfahrung hochaktuelles Wissen direkt aus dem alltäglichen Leben eines Ingenieurs vermitteln können. Die schon erwähnte enge Kooperation mit Firmen erlaubt es uns, sehr frühzeitig einen guten Kontakt zwischen Studenten und dem potentiellen zukünftigen Arbeitgebern herzustellen. Im Fazit, der Aerospace Engineering Studiengang an der FH Wiener Neustadt bietet, wie wir glauben, eine perfekte Synergie zwischen akademischer Ausbildung, hervorragenden beruflichen Zukunftsaussichten und nicht zuletzt einer sehr hohen Lebensqualität.

ÖWF: Welche Vorteile bietet dieser Studiengang Ihren Studenten auf dem Arbeitsmarkt?

Allein schon aufgrund seiner Einzigartigkeit in Österreich bietet dieser Studiengang für die Absolventen einen deutlichen Vorteil. Tatsache ist, dass viele für diesen Studiengang relevante Industrien zurzeit ihren Nachwuchs aus dem Ausland rekrutieren. Diese Entwicklung hoffen wir zu stoppen. Weiterhin sind wir mit unserem Lehrkörper, der ca. zu 60% aus der Industrie kommt, immer am Puls der Zeit und können sehr schnell auf neue Entwicklungen in diesem Bereich wie z. B. eine Umstellung auf neue numerische Tools etc. reagieren und die Studenten darauf vorbereiten.

Vielen Dank für Ihre Zeit, Herr Dr. Scharlemann!

Weitere Details zum Thema unter:

April 12 2012

Interview mit Dr. Dietmar Hager, Polarsternpreisträger 2012

Dietmar Hager während eines Vortrags im Deep Space des Ars Electronica CenterÖWF: Herr Dr. Hager, wie kommt man als Spezialist für Handchirurgie zu einem solch enormen Engagement gegen Lichtverschmutzung?

Als ich 2008 auf der Dark Sky Tagung war in Wien, da trat Itaii Kloog auf, ein Chronobiologe, der über seine Forschungen berichtet hatte. Er erzählte uns davon, dass Licht bei Nacht uns sehr schwer krank machen kann. Mittlerweilen hat die WHO Lichtverschmutzung als Krebsrisikofaktor definiert und bestätigt. Als ich damals aus der Vortragsserie heimgefahren bin, sagte ich zu mir, das muss unters Volk: auf allen Ebenen: Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft, als auch jeder einzelne Bürger.

ÖWF: Was genau bedeutet Lichtverschmutzung?

Es ist der übertriebe Luxus an künstlichem Licht bei Nacht. Ein Symbol für die Verschwendungssucht, die wir uns zum Laster haben werden lassen.
Wir haben das gesunde Augenmaß verloren für die Menge an Licht, die wir wirklich benötigen. Es ist gleichzeitig eine Visitenkarte und ein Symbol für die Gesellschaft in der wir leben. Es kommt dabei der achtlose Umgang mit irdischen Ressourcen zum Ausdruck. Und das ist wiederum angetrieben aus der Tatsache, dass wir eine angstgesteuerte Gesellschaft geworden sind. Tatsächlich brauchen wir diese vorhandene Lichtintensität und streubreite nachweislich nicht für die Sicherheit.

ÖWF: Die Risiken von zu viel Licht bei Nacht für z. B. Insekten, Schildkröten und auch Vögel wurden viel besprochen und publiziert. Neben der Energieverschwendung welche konkreten Schäden, kann der Mensch durch eine zu „helle“ Nacht erleiden?

Wir unterscheiden zwei wesentliche Quellen der Lichtverschmutzung: 1) Licht, das bei Nacht von außen ins Schlafzimmer eindringt. 2) Licht, das wir selbst in unseren Schlafzimmern anlassen, als Nachtlicht, als Computerbildschirm oder Fernsehlicht, etc. Lichtverschmutzung macht uns krank: Kleinstkinder laufen Gefahr, eine retinale Sehschwäche zu entwickeln, die unheilbar ist. Lichtverschmutzung kann das Immunsystem stark negativ beeinflussen und kann, wie Kloog uns gezeigt hat, sogar zu bestimmten Formen der Krebserkrankung führen. Klarerweise gibt es viel schwerwiegendere Risikofaktoren, wie Rauchen, Alkohol, Übergewicht, Bewegungsmangel etc. aber es zeigt, dass dieser nutzlose Energieverbrauch so weite Kreise ziehen kann.

ÖWF: Wie sehr beeinflusst die Lichtverschmutzung Ihr Hobby die Astrofotografie? Hat es Veränderungen in den letzten Jahren gegeben?

Die Astrofotografie ist mittlerweile durch meine rege Vortragstätigkeit sogar zu meinem Zweitberuf geworden. Und natürlich ist das Licht bei Nacht massiv störend! Stellen sie sich vor: das Licht der Sterne und Welten in andern Galaxien konnte bisher ungehindert zu uns durchdringen, seit wir aber das Licht bei Nacht immer mehr werden lassen, wird dieses Sternenlicht verschluckt in einer künstlich völlig überzogenen nächtlich beleuchteten Atmosphäre über unseren Kommunen und kommt nicht mehr durch. Der Plot dahinter: Sternenlicht hat uns immer schon geholfen, die Welt zu verstehen in der wir leben. Astronomie stiftet unser Weltbild! Wir dürfen gespannt sein, wie klein das Weltbild unserer Kinder und Kindeskinder zusammenschrumpfen wird, wenn die Nacht einmal völlig abgeschafft sein wird.

ÖWF: Was kann jeder persönlich tun, um Lichtverschwendung und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken zu verringern bzw. ganz zu vermeiden?

Regel 1: Überprüfe die Notwendigkeit der Beleuchtung
Ist die Leuchte wirklich notwendig? Fragen Sie sich grundsätzlich bei jeder Beleuchtung im Außenraum, ob diese tatsächlich notwendig ist.
Regel 2: Von oben nach unten beleuchten
Beleuchten Sie von oben nach unten. So vermeiden Sie, dass Licht in die Atmosphäre abstrahlt. Nehmen Sie Rücksicht auf die Umwelt, auf die Nachbarn, auf die nachtaktiven Tiere, auf ihre eigene Gesundheit. Seien sie einfach ein bewusster Mensch.
Regel 3: Leuchten abschirmen
Achten Sie darauf, dass vorhandene Lampen abgeschirmt sind. Optimal ist es, wenn der Leuchtkörper nicht sichtbar ist. Die besten Umweltbedingungen können durch sogenannte full cut off-Leuchten geschaffen werden. Ihr Licht strahlt über plane Verglasungen ausschließlich nach unten ab.
Regel 4: Beleuchtungsstärke und Beleuchtungsart anpassen
Wählen Sie die richtige Beleuchtungsstärke. Und achten Sie darauf, dass die Beleuchtungsart der Situation angepasst ist.
Regel 5: Leuchtdauer zeitlich begrenzen
Die wenigsten Lampen müssen die ganze Nacht hindurch brennen. Begrenzen Sie die Beleuchtungsdauer zeitlich sinnvoll.
Regel 6: Information weitergeben
Das eigene Umfeld soll mit adäquater Information versorgt werden.
Regel 7: Steuerung der Nachfrage durch achtsamen Einkauf
Kaufen Sie nicht irgendeine Laterne oder Lampe. Ziehen zum Lampenkauf 3 vernünftige Kriterien heran:

  • Wohin lässt die Laterne das Licht strahlen? Vermeiden Sie dabei Laternen, welche das Licht zu allen Seiten abgeben. Wählen sie jene, welche das Licht möglichst nur nach unten auslassen.
  • Welche Leuchtmittel sind verwendbar? Vermeiden Sie Quecksilberhaltibe Leuchtmittel und jene mit einem hohen Blauanteil.
  • Brauche ich die Laterne wirklich?

Fassen Sie Mut zu hinterfragen, ob das angebotene auch genau jene Kriterien erfüllt. Fassen Sie Mut eine eigene Meinung zu haben und sie auch zu vertreten.

ÖWF: Möchten Sie mit Ihrem Hobby etwas Konkretes entdecken, haben Sie ein Beobachtungsziel/-wunsch? Suchen Sie etwas oder lassen Sie sich immer wieder neu von Bildern überraschen?

Für die Frage bin ich dankbar!
Ich habe keinerlei wissenschaftliche Ambition in meiner Tätigkeit. Mein Antrieb die Sterne zu fotografieren hat folgende Motivation:
Die Schönheit und Ästhetik im Nachthimmel berührt meine Seele. Dies ist mir ein unschätzbares Werkzeug zur RELIGIO also zur Rückbindung an die Natur, die wir Menschen dringendst brauchen. Und ich liebe es, die Menschen daran teil haben zu lassen. So strebe ich nach möglichst schönen „pretty picture“ Astrofotos, um daran Geschichten zu knüpfen, die ich zu den Menschen trage, die sich wenig mit der Sternenwelt auskennen oder davon wissen. Das Bild dient als Medium, als Transportgefäß mit emotionalem Inhalt.

ÖWF: Sind Astronomen für das Thema Lichtverschmutzung empfänglicher als Nichtastronomen?

Nein. Empfänglich ist jeder Mensch, der fähig ist zur Abstraktion und bereit ist, in unserer hochbeschleunigten Welt inne zu halten und einen Moment mal im jetzt anzukommen. Dann stellt er fest, dass vieles in unserem System nicht stimmt. Lichtverschmutzung ist ja nur eines der vielen hausgemachten Probleme…

ÖWF: Vielen Dank Herr Dr. Hager, dass sie uns etwas Ihrer Zeit geschenkt haben, um für dieses wichtige Thema weitere Öffentlichkeit zu schaffen.
Marlen Rab

Dietmar Hager wurde am 12. April 2012 mit dem Polarsternpreis des ÖWF ausgezeichnet für sein Engagement und persönlichen Einsatz rund um das Thema Lichtverschmutzung & Astronomie.

March 21 2012

Interview mit Oliver Simonsen

Porträtfoto Oliver Simonsens

Oliver Simonsens (c) ÖWF

Oliver Simonsen, Diplom Sportwissenschaftler, Sporttherapeut und Biomedical Support Engineer des ÖWF stellte uns für ein Interview zur Verfügung.

ÖWF: Oliver, wie bist du zum ÖWF gekommen? Seit wann bist du dabei und was machst du für das ÖWF?

Mein Interesse an dem Bereich der Raumfahrtphysiologie ist durch eine Äußerung eines Professors während einer sportwissenschaftlichen Vorlesung geweckt worden. Es ging dabei um den Abbau von Muskel- und Knochenmasse durch mangelnde Bewegung.

Sozusagen in einem Nebensatz fiel die Bemerkung, dass Astronauten in der Schwerelosigkeit genau unter dieser Widrigkeit leiden. Ich fand diesen Umstand besonders spannend und habe mich gleich nach der Vorlesung ins Internet begeben und in diesem Bereich recherchiert. Seitdem hat mich
dieses Thema nicht mehr losgelassen.

Im Rahmen meiner weiteren Recherchen bin ich dann mehrmals auf das ÖWF gestoßen. Dabei fand ich besonders spannend, nicht mehr den Mond als zu betretenden Himmelskörper zu betrachten, sondern gleich den Mars anzupeilen. Zu Beginn des Jahres 2010 hatte ich dann erstmals Kontakt mit Gernot Grömer aufgenommen und nach mehreren Interviews via Skype und einer raumfahrtphysiologischen Arbeit bin ich dann als Biomedical Support Engineer in das ÖWF aufgenommen worden.
Meine Hauptaufgabe besteht in der Vorbereitung und Begleitung von EVA (Extra-vehicular activity) Simulationen. Dabei geht es vornehmlich um die Feststellung der Einsatzfähigkeit sowie der medizinisch-physiologischen Begleitung der Astronauten.

ÖWF: Wie begleitest du EVAs des ÖWF?

Die Begleitung der EVAs geschieht meistens per Skype oder anderer Netzwerkmöglichkeiten von Hamburg aus. Meine beiden österreichischen Kollegen befinden sich dann im Kontrollzentrum in Innsbruck, während ich die Daten über den Astronauten nach Hamburg übermittelt bekomme. Glücklicherweise kann man also auch trotz vielen Kilometern Entfernung Kontakt halten und sich fachlich austauschen.

ÖWF: Welche körperlichen Voraussetzungen müssen Analog-Astronauten erfüllen, um für ein EVA überhaupt in Frage zu kommen?

Sie müssen 100%ig fit sein. Das heißt nicht, dass sie besonders stark und muskulös sein müssen. Vielmehr ist deren Ausdauer in Verbindung mit Kraft gefragt. Ein Bodybuilder wäre hierbei ziemlich fehl am Platze.
Bedenkt man das Gewicht des Anzugs Aouda X von annähernd 50kg, das manchmal über Stunden auch bei hohen Temperaturen getragen wird, kann man sich die körperlichen Strapazen vorstellen. Dabei ist man, wie z. B. jüngst in Rio Tinto, in steinigem, offenem Gelände unterwegs und hat zudem mit einer eingeschränkten Sicht durch den Helm und Störgeräuschen durch den Funkverkehr zu tun. Klaustrophobiker fallen also schon einmal aus der engeren Wahl heraus.

ÖWF: Mit welchen physiologischen Veränderungen ist während der Schwerelosigkeit zu rechnen?

Das größte Problem in der Schwerelosigkeit ist – wie der Name es schon verrät – die Abwesenheit der Schwerkraft, wie wir sie auf der Erde kennen. Der gesamte menschliche Körper ist darauf eingestellt, dass ihn die Gravitation gewissermaßen nach unten „zieht“. Fehlt diese Eigenschaft, so kommt es zunächst zu einer Umverteilung der Körperflüssigkeiten, die ja nun nicht mehr nach unten tendieren. Das Blut steigt dem Astronauten im wahrsten Sinne des Wortes zu Kopf.
Es kommt zu einer gesamten Umverteilung der Körperflüssigkeiten. Deshalb sehen Astronauten auch immer etwas dicklich im Gesicht aus, wenn sie z.B. Experimente auf der ISS erklären. Das Blut, das im Kopf zu viel vorhanden ist, fehlt nun in den Beinen. Diese sehen nun schlank bis schmal aus.
Da sich der Astronaut in der Mikrogravitation/Schwerkraft durch Abstoßen von den Wänden, mühelos gleiten lassen kann, benutzt er die Muskeln viel zu wenig. Dies wäre nicht unbedingt so schlimm. Allerdings ergibt dies keinen adäquaten Zug auf die Muskeln, so dass in Folge die Knochenmasse abnimmt.

Nicht vergessen darf man auch die starke Strahlung durch geladene Elementarteilchen und Sonnenwinde. Auf der Erde und in nahen Umlaufbahnen sind wir durch das Magnetfeld der Erde vor der kosmischen Strahlung geschützt. Begeben wir uns allerdings weiter in den Weltraum hinaus, gibt es kaum einen Schutz vor der elektromagnetischen Strahlung. Die Folge können Unfruchtbarkeit und Krebs sein. Alle Weltraumorganisationen arbeiten an einem Schutzsystem, welches wohl auf der Kombination von einem dickwandigem Schutzraum und Wassertanks fußen wird.
Wo wir gerade bei Gefahren im Weltraum sind. Eine Gefahrenquelle haben sich die Menschen auch im Weltraum selber geschaffen. Den Weltraumschrott. Dieser besteht aus unzähligen Teilen unterschiedlichen Materials in diversen Größen. Entstanden ist der Weltraumschrott aus abgesprengten Raketenteilen, ausgedienten Satelliten und weiteren Teilen, wie einem verloren gegangene Werkzeugkoffer. Außerdem soll bereits eine Plastiktüte im All gesichtet worden sein.

ÖWF: Über verlorene Sofas auf Autobahnen schmunzle ich regelmäßig, wenn ich Verkehrsnachrichten höre. Ein verlorengegangener Werkzeugkoffer im All erscheint ungleich kurioser. Ich hoffe, wir Menschen hinterlassen im All weniger Müll als auf unserer Welt. Aber zurück zu den Veränderungen in der Schwerkraft: Wie kann man diesen vorbeugen bzw. gezielt gegensteuern?

Es gibt zahlreiche Ansätze, um diesem Problem zu begegnen. So hatte z.B. Wernher von Braun die Vision, ein gigantisches kreisrundes, aber flaches Raumschiff zu bauen, welches kontinuierlich um seine Achse kreist. Durch die Nutzung der entstehenden Zentrifugalkraft wird eine künstliche Schwerkraft geschaffen. Allerdings müsste das Raumfahrzeug wirklich gigantische Ausmaße haben, damit die Schwerkraft der Erde simuliert werden kann.
Für bemannte Flüge z. B. zum Mars gibt es die Überlegung sogenannte Humanzentrifugen einzusetzen. Dabei handelt es sich um Geräte, ähnlich den Fahrgeschäften auf dem Jahrmarkt, mit einem langen Arm an dessen Ende der Astronaut festgeschnallt wird. Durch die Rotation wird auch in diesem Fall eine künstliche Gravitation erschaffen.
Weitere Möglichkeiten sind der Einsatz von Trainingsgeräten, wie man sie z.B. im Fitnessstudio kennt. Damit aber Gewichte wirklich schwer sind (eine 150 kg Hantel hat ja im Orbit kein Gewicht), muss man mittels Hydraulik oder Gummiwiderständen die Gewichte gewissermaßen „schwer machen“. Auch der Einsatz von Laufbändern und Cardio-Fahrrädern ist tägliches Geschäft auf der Raumstation.
Nur müssen dafür der Sportler festgebunden werden. Sie würden sonst wegfliegen, da sie sich von den Geräten immer wieder abstoßen.
Ansonsten gibt es weitere Erfindungen, wie einen Anzug, der mittels elastischer Bänder einen andauernden Widerstand inne hat. Sowie die Nutzung von „Rüttelplatten“, die das Knochenwachstum anregen sollen. Interessanterweise haben die damaligen Sowjets bereits in den 1980er Jahren diese Hilfsmittel erfunden.

ÖWF: Kannst du gewonnene Erkenntnisse auch zur Behandlung von „irdischen“ medizinischen Problemen anwenden? Wie genau?

In unsere moderne Welt werden die Menschen immer mehr zu gewissermaßen sitzenden Raumfahrern. Bedingt durch die mangelnde Bewegung kommt es nicht mehr zu einem adäquaten Reiz auf die Muskulatur und das Herz-Kreislauf-System. Es ist sicherlich nicht neu, dass der Körper ohne Belastung verkümmert. Allerdings hat die Weltraummedizin zahlreiche Hypothesen untermauern können.
Ganz speziell kann man davon ausgehen, dass eine gewisse Schwingungsfrequenz des Körpers essenziell für den Erhalt von Muskulatur ist. Das liest sich jetzt etwas komisch, aber wenn man bedenkt, dass das Herz sich bewegt, die Verdauungsorgane nicht nur still im Körper liegen und sogar das Gehirn im Tagesrhythmus leicht an- und wieder abschwillt, kommt man zu dem Schluss, dass der Körper sich regelmäßig verändert.

Schwingungen macht man sich zu nutze, indem man z. B. muskelschwache Patienten auf Rüttelplatten stellt, die in bestimmten Frequenzen schwingen und damit die Schwingungen des Beckens beim Gehen nachempfinden. Durch diese Schwingungen werden die Muskeln aktiviert, was wiederum dem Knochenwachstum zugute kommt.

Dieses Training kann dann auch noch mit Krafttraining und Koordinationsübungen zeitlich kombiniert werden.

ÖWF: Wie haben gewonnen Erkenntnisse konkret die Entwicklung des Aouda.X beeinflusst? Kannst du Beispiele aufzeigen?

Bei dem Aouda.X handelt es sich um die Simulation eines druckbeaufschlagten Raumanzugs. Das heißt der Anzug ist wie ein autonomes Raumschiff konzipiert, in dem sich der Astronaut fortbewegt. Dabei kommt es bauartbedingt zu erheblichen
Widerständen in den Gelenken, die der Astronaut überwinden muss. Man kann also sagen, der Astronaut hat eine zusätzliche Schwerkraft in den Gelenken, die er gewissermaßen mit sich führt. Diese ist nicht nur nach unten, sondern in alle Himmels- , Verzeihung Marsrichtungen verteilt. Zwar ist dieser Trainingseffekt nicht speziell entwickelt worden, er hat sich vielmehr von selbst ergeben.
Weitere Erkenntnisse aus der Raumfahrtphysiologie sind zunächst nicht eingeflossen. Allerdings wird mittels Kühlung, Trinkwasserzufuhr und Lebensmittelbereitstellung sowie Einrichtungen für die Exkremente eine Wohlfühlumgebung geschaffen, die auf neuesten Erkenntnissen der terrestrischen Wissenschaft aufbaut.

ÖWF:Gab es während den EVAs des ÖWF aus sporttherapeutischer Sicht besonders dramatische/lustige/nervenaufreibende Momente?

Wir lassen bei dem sportwissenschaftlichen Institut der Uni Innsbruck unsere Analogastronauten regelmäßig, vor allem auch vor Simulationen, auf deren Fitness testen. Es stellte sich wenige Wochen vor eben einer Simulation heraus, dass einer der Astronauten nicht über die Fitness verfügte, die wir uns gewünscht hatten. Dabei war für uns auch der Druck hoch, ob er bis zum Beginn der Simulation die nötige Fitness erreichen würde. Wäre es nicht der Fall, hätten wir einen Astronauten weniger, was im Endeffekt weniger Experimente und eine Mehrbelastung der anderen Astronauten bedeutet hätte. Die wenigen Wochen hatten dann aber doch gereicht, um ihn topfit zu bekommen.

Lustig war, dass bei einer Simulation in einer Gletscherhöhle plötzlich gemeldet wurde, dass es „komisch“ riechen würde. Es stellte sich dann für die Biomedical Engineers die Frage, was das sein könnte und ob ein Gefährdungspotential bestünde, wie z. B. bei einer Mischung von Methan und Ammoniak. Es sollte also festgestellt werden, wie der Geruch definiert ist. Dabei hatte jeder der in der Höhle anwesenden eine andere Beschreibung des Geruchs. Interessanterweise waren das Geruchsempfinden und die Geruchsbeschreibung von Männern und Frauen sehr unterschiedlich. Letztendlich konnte aber Entwarnung gegeben werden und die Simulation war erfolgreich.

ÖWF: Würdest du selbst gern ins All fliegen?

Ich würde auf jeden Fall gerne in den Orbit fliegen. Die Aussicht auf die Erde hat jeden Astronauten zu einem anderen Menschen gemacht. Es muss wunderbar sein, auf diesen wunderbaren Planeten zu schauen und alle 90 Minuten die Sonne aufgehen zu sehen.

Ob ich allerdings in Richtung Mars aufbrechen würde, kann ich noch nicht wirklich beurteilen. Ich denke, dass mir die Zeit für einen Trip hin und zurück noch zu lang dauert. Wenn allerdings die Raketenantriebe mehr Schubkraft haben und der Flug zum roten Planeten kürzer wird, wäre ich dabei.

Allerdings dürfen wir nicht vergessen, dass wir jetzt und hier bereits auf einem Trip durch das All unterwegs sind: Und zwar auf dem einem genialen Mutterschiff Erde, dass uns sämtliche Ressourcen für einige Milliarden Jahre zur Verfügung stellt, die wir zur Erhaltung unserer Art benötigen. Wir alle tragen die Verantwortung, dieses geniale Raumschiff zu erhalten und wir müssen uns jeden Tag dessen Fragilität vor Augen führen.


ÖWF: Nach diesen schönen und bedeutenden Schlussworten bedanke ich mich ganz herzlich für deine Zeit, die du in die ausführlichen Antworten gesteckt hast. Weiterhin viel Erfolg mit spannenden Projekten und bleib gesund! :-)

Marlen Raab

February 21 2012

Interview mit Jesco von Puttkamer

Jesco von Puttkamer im ÖWF Interview

Jesco von Puttkamer im ÖWF Interview

Prof. Dr. Jesco von Puttkamer ist Raumfahrtwissenschaftler und Programm-Manager für bemannte Raumfahrt bei der US-Weltraumbehörde NASA und nahm sich während seines Urlaubs die Zeit für ein persönliches Interview mit uns.

Der Maschinenbau-Ingenieur begann vor knapp 50 Jahren seine berufliche Laufbahn bei der NASA, wo er zunächst am Apollo-Mond-Landeprogramm mitarbeitete. Seit 1974 ist Jesco von Puttkamer in der NASA-Zentralverwaltung in Washington beschäftigt, erst als Programmleiter für vorausschauende lang-fristige Planungsstudien für die permanente Erschließung des Alls, dann im Rahmen der Entwicklung des Space Shuttle und der Internationalen Raumstation ISS.

ÖWF: Herr von Puttkamer, wie kam es zu Ihrer Begeisterung für die Raumfahrt besonders für den Mars? Gab es ein Schlüsselerlebnis oder ist es eine gewachsene Leidenschaft?

Angefangen hat alles bei einem kleinen Jungen, der 1945 12 Jahre alt war, hellwach, neugierig und zertrümmerte Städte sah. Ich hatte eine sehr kluge Oma – es sind immer die Omas, die helfen – die Lehrerin war, und ich fragte sie nach Zukunftsperspektiven. Sie riet mir: „Geh in die Raumfahrt, ohne die machen wir uns eines Tages kaputt.“ So habe ich schon mein Abitur und Studium auf Ingenieurwesen und Raumfahrt ausgerichtet, auch weil Wernher von Braun mir in unserer Briefkonversation dazu riet.

Nach dem Studium war ich Forschungsingenieur beim heutigen DLR und schrieb an von Braun das ich auswandern möchte. Ich wollte unbedingt nach Amerika, es war das Land von Karl May, der deutsche Romantiker kam da durch. So schlug ich aber vor, erst in der Industrie wirken zu wollen, um Grundlagen zu lernen. Darauf hin hat von Braun sofort ein Telegram geschickt: „Don’t go to the industry, come to Huntsville we are flying to the moon.“ Diese Nachricht hat mich fast umgehauen. Er schickte noch einen längeren Brief hinterher und so ging ich im Sommer 1962 nach Huntsville/Alabama. Wernher war so inspirierend, hat sein Team so gut geführt, dass wir innerhalb von 8 Jahren die Rakete gebaut haben.

Viele Jahre später, so vor 5/6 Jahren oder noch länger, hat die NASA alle ihre Personalunterlagen digitalisiert und ich bekam meine Papier-Personalakte zurück, ein richtig dicker Stoß. Da war alles drin, etliche Memoranda von Wernher von Braun, von meinen Chefs und Erklärungen warum ich z. B. eine Beförderung erhalten sollte, hoch lobend. Gesagt hat mir das keiner, es gab ne Beförderung aber ohne Erklärung. In diesen Unterlagen habe ich eine Notiz von Wernher von Braun gefunden, Tenor: Wenn der zur Industrie geht, kommt er nicht mehr zu uns, denn da bekommt er gleich 10x mehr. Einen wie ihn brauchen wir. Da Kennedy dem Mondprojekt so eine hohe Priorität gegeben hatte, konnte ich damals einfach einreisen. Und ich bin dabei geblieben, seit 50 Jahren. – In Huntsville gibt es einen Hohlweg, im Sommer zugewachsen wie eine gotische Kathedrale. Gleichermaßen fokussiert ist mein Weg, es ist eine Berufung, nicht nur ein Job bei dem ich auf den nächsten Zahltag warte.

ÖWF: Färbt die strukturierte, organisierte und planvolle Arbeitsweise bei der NASA auf das Privatleben ab? Haben Sie immer einen Plan B?

Es färbt schon ab. Leider. Viele Leute meinen, ich sollte doch mehr loslassen. Im Kopf hab ich schon immer einen Plan B. Ich hasse Überraschungen, möchte vorbereitet sein, auf mögliche Entwicklungen. Bei einem Moskaubesuch z. B. hatte sich ein Selbstmordattentäter am Flughafen in die Luft gesprengt. Somit überlege ich für zukünftige Besuche schon, was ich im Falle eines Falles tue, wohin ich gehen würde.

Beruflich habe ich oftmals umplanen müssen, denn ursprünglich sah unser Fortschritt sehr viel besser aus, ich dachte, dass wir Mars viel früher erreichen können. Aber dann kommen immer diese Momente, wo einem die Politik ins Ruder fällt oder die Außenwelt sich verändert durch Krieg z. B. Die Internationalisierung hingegen war ein unglaublich positiver Schritt voran, dass wir mit den Sowjets zusammengehen, hätte ich nie geglaubt.

Mein Plan A ist also Brücken bauen: Das wichtigste Anliegen der Raumfahrt betrifft die Jugend. Im Großen und Ganzen sind die Zukunftsperspektiven ziemlich dünn, würde ich sagen, für Menschen, die auf der Landkarte neue Gebiete erforschen wollen. Wir geben ihnen neue Perspektiven und machen Visionen erlebbar.

Zweitens ist ein Gremium entstanden, die ISECG (International Space Exploration Coordination Group), in dem sich derzeit 14 gleichberechtigte Mitgliedsnationen über die zukünftige „Roadmap“ im All geeint haben. Alle wollen sie zum Mars in den nächsten 25 Jahren. Ein Wunder! Früher wäre das Science Fiction gewesen, Nationen, die auf der Erde uneinig sind, haben gemeinsame, friedliche Ziele für den Weltraum.

ÖWF: Wird aus Ihrer Sicht die erste bemannte Mars-Mission eine One-way-Mission werden oder gehen Sie von einer Rückkehr der Marsonauten zur Erde aus?

Nur hinfliegen, hier sind wir und das war es, darum geht es nicht. Die Vision ist, dass der Mensch den Mars später zum Ableger seiner Zivilisation machen wird. So könnte es sein, dass in Jahrtausenden, nicht nur eine Erde die Sonne umkreist, sondern – nach ökosynthetischer Umformung der Marswelt – deren zwei. Ich bin davon überzeugt, dass wir die Erde wieder mehr schätzen lernen, wenn wir aus weiter Ferne zu ihr zurückblicken.

Also es wird kein One-way-flight. Zuerst wird ein unbemanntes Raumschiff hinfliegen und lädt die nötigen Rohstoffe, eine kleine Fabrik zur Herstellung von Sauerstoff usw. ab, sodass die bemannte Folgemission beim Eintreffen auf dem Mars ein „gemachtes Nest“ vorfindet.

Momentan sind wir von den Russen abhängig, darum entwickeln wir nun eine neue Großträgerrakete, das SLS (Space Launch System), die zunächst 70 Tonnen Nutzlast ins All tragen kann, später bis zu 130 t, größer ist als unsere legendäre Mondrakete Saturn V und 2016 zum ersten mal fliegen soll. 2018 ist ihr erster Flug zum Mond geplant. Hinzu kommt eine Mannschaftskapsel namens Orion für zunächst eine 4-, später 6-köpfige Besatzung. Als Missionsziele gelten der Mond, Asteroiden, die beiden Marsmonde und der Planet Mars selbst.

ÖWF: Wann wird es Ihrer Meinung nach soweit sein? Wann werden Menschen den roten Planeten betreten?

Wenn wir heute sagen, wir fliegen 2030 so ist das relativ konservativ. Durch die Zusammenarbeit der 14 Nationen (ISECG) glaube ich, es wird schneller gehen. Wir können die Aufgaben aufteilen wie auch Kosten und Risiken. Wir schaffen neue Arbeitsplätze, bieten Perspektiven, eine Horizonterweiterung wie damals bei Apollo auch.

ÖWF: Könnten die Chinesen alleine zum Mars fliegen?

Dass die Chinesen alleine zum Mars fliegen, ist unmöglich, doch eine Zusammenarbeit denkbar. Jedoch muss man auf die kulturellen Unterschiede der Nationen eingehen. Das ist der Grund warum die 16 Nationen mit der ISS bisher so erfolgreich zusammen gearbeitet haben. Obwohl unterschiedliche politische Meinungen von Haus aus herrschen, vertragen wir uns im Weltraum. Da sind die Aufgaben überschaubar und lösbar aber nur durch Logik nicht durch Politik und deswegen glaube ich, dass die Hoffnung der Zukunft dort liegt.

Jesco von Puttkamer signiert Bild von ÖWF Marsanzug Aouda

Jesco von Puttkamer signiert Bild von ÖWF Marsanzug Aouda

ÖWF: Was halten Sie von privatwirtschaftlichem Weltraumtourismus? Werden private Weltraumprojekte längerfristig erfolgreich sein?

Das gehört mit zur Entwicklung. Früher war es ebenso unvorstellbar, dass jeder zu den Pyramiden reisen kann, heute können das viele. So wird auch der Weltraumtourismus selbstverständlicher werden. Nur eben wird es kein Massentourismus werden da teuer. Man ist nicht eigentlich im Orbit, dies liegt noch lange in der Zukunft. Schön, vielleicht ist man zwei, drei Minuten gewichtslos und dann geht es wieder zurück. Zumindest ist es das, was man Weltraumtouristen erstmal anbieten wird. Wenn es interessanter werden soll, dann müsste es auch ein Hotel geben. Dafür gibt es Pläne, schon seit langem in der Entwicklung. Nur einfach hinauf fliegen und wieder runterkommen wird früher oder später langweilig werden. Somit sind große Investitionen internationaler Reisefirmen in Zusammenarbeit mit privaten Raumfahrtunternehmen nötig, ein Unternehmen alleine kann das nicht leisten.

Wir haben ein Experiment in Amerika laufen, Frachtzufuhr zur ISS durch Privatfirmen umsetzen zu lassen. Personentransporte durch Fremdfirmen können wir erst zulassen, wenn wir uns von der Sicherheit überzeugt haben. Schon allein mit den Versicherungen wird es sonst schwierig. Dragon wird dieses Jahr zum ersten Mal Fracht kommerziell zur ISS bringen. Es gibt noch zwei andere Firmen, die daran arbeiten, denn wir können uns nicht nur auf einen Partner verlassen. Falls der versagt, müssen wir Alternativen haben. Drei Firmen arbeiten auch an dem bemannten Transport. Die NASA ist grundsätzlich sehr vorsichtig, Sicherheit ist oberstes Gebot. Wir finanzieren das zwar indem wir die Firmen ordentlich bezahlen – also finanziert die privaten Projekte am Ende z. T. auch der Steuerzahler – arbeiten aber an unseren eigenen Projekten (Orion und die Großträgerrakete wie schon geschildert).

ÖWF: Beflügeln solche Projekte das Interesse der Menschen am Weltraum?

Ja, vielleicht kommt damit eher so ein Wir-Gefühl auf. Wir, das Volk machen es, nicht die NASA. Doch es muss trotzdem exakt sein. Die NASA ist immer involviert, sonst würden die privaten Anbieter keine Fluggenehmigung erhalten. Sicherer Flugbetrieb muss gewährleistet werden. Die Glaubwürdigkeit einer ganzen Industrie steht auf dem Spiel. Wenn nur etwas schief geht, sind die Firmen sehr schnell pleite, Aktionäre ziehen ihre Gelder ab. Es ist ein Vabanquespiel – also ein Spiel mit hohem Risiko.

Wernher von Braun sagte immer, wenn er so gefragt wurde nach teurer Raumfahrt: „Das ist das Weltraumgesetz Nr. 1. Bemannte Weltraumfahrt ist teuer, da kann man nichts daran ändern, das kann man nicht billig machen und wenn es dir in der Küche zu heiß ist, geh raus.“ Was er meinte war, wenn es dir zu teuer ist, lass es sein, befass dich nicht damit. Sobald man spart, ein paar Tests auslässt, geht das auf die Sicherheit – gerade in der Raumfahrt. Wenn man irgendwas weglässt sieht man nicht zwangsläufig deutlich, ob es sicherheitsgefährdend ist. Man kann unglaublich überrascht werden. Ist uns auch passiert, wir haben zwei Shuttles dadurch verloren. Wenn Ihnen jemand billige bemannte Raumfahrt anbietet, dann denken Sie nach und ziehen sie Ihre eigenen Schlüsse.

ÖWF: Es war ein besonderes Vergnügen Sie persönlich zu treffen, Herr von Puttkamer! Ich bedanke mich herzlich für Ihre Zeit, die ausführlichen Antworten und all die kleinen Anekdoten, mit denen Sie mich begeistert haben. Bleiben Sie gesund, wobei Sie uns weiterhin mit Marsfieber infizieren dürfen. Ich freue mich auf Ihr neues Buch! :-)
Marlen Raab

October 31 2011

Interview: Dr. Barbara Imhof, Liquifer

Barbara Imhof speaking at IAC (c) Ondrej Doule

Barbara Imhof speaking at IAC (c) Ondrej Doule

Dr. Barbara Imhof, Mitbegründerin, Geschäftsführerin, Projektleiterin, Architektin von LIQUIFER Systems Group, Polarsternpreisträgerin 2011, Wien, gewährt uns hier interessante und detailreiche Einblicke in das Thema Design von Weltraumhabitaten. Einen Teil ihrer langjährigen Erfahrungen in einer Vielzahl von Designprojekten bei der NASA und für die ESA sowie Lehrtätigkeiten an verschiedenen internationalen Universitäten teilt sie im folgenden Interview mit uns.

 

ÖWF: Haben Sie schon viele Habitate designt?

Im Laufe der letzten 15 Jahre, in denen ich mich mit dem Weltraum beschäftigt habe, habe ich schon einige “Habitate” mit-designt. “Mit-designt” deshalb, weil man ja immer im Team arbeitet und die eigene Leistung als Teil eines Ganzen gesehen werden muss. Besipiele für solche Habitate wären eines für die Marsoberfläche, ein sogenanntes “Surface-Habitat”, mobile Habitate wie beispielsweise ein Raumschiff für den Mars und ein mobiles Forschungsfahrzeug für den Mond und den Mars. In meiner langjährigen Lehrtätigkeit an Universitäten war ich an der Entwicklung von vielen Weltraumhabitaten beteiligt, für Umgebungen, wie den Mond, den Mars oder die Schwerelosigkeit.

Habitat kommt vom lateinischen Wort habitare „wohnen“ und bedeutet auch die Wohnstätte, Wohnort oder Lebensraum. Als Architektin habe ich natürlich noch viel mehr solche Lebensräume oder Wohnorte für Menschen entworfen oder gebaut.

ÖWF: Circa wie viele Gespräche mit wie vielen Fachleuten müssen geführt werden, bevor Sie an das Design herangehen können?

Die Teams oder Firmenkonsortien, in denen wir arbeiten, beinhalten meistens alle Fachdisziplinen, die für die Entwicklung eines Habitats notwendig sind. Jene Fachleute bilden einen wesentlichen Bestandteil der Teams, sind also ständig am Entwicklungsprozess beteiligt. Was im Vorfeld geklärt werden muss, ist unter anderem die Zusammensetzung des jeweiligen Teams wobei es zu berücksichten gilt, dass große Teams in ihrer Kommunikation auch sehr schwerfällig werden können. Die Disziplinen, die für uns als ArchitektInnen und DesignerInnen unbedingte Partner darstellen sind auf einer Strukturebene die SystemingenieurInnen und auf der Detailebene die Disziplinen der sogenannten Human Factors wie Ergonomie oder auch Physiologie, Soziologie und Psychologie.

ÖWF: Findet ganz zu Anfang eines Projektes ein Brainstorming mit weißen Blättern statt?

Weiße Blätter kommen öfter im Designprozess vor, dennoch ist das Gehirn kein unbeschriebenes Blatt. Zudem kann man sich auf vorhergehende Projekte beziehen, die man nach einer Erstrecherche zur Grundlage des Brainstormings erklären kann. Wir führen aber auch erste Diskussionen mit unseren Arbeitspartnern über Skype und E-Mail, deshalb gibt es danach verschiedenes Material, das den Beginn eines Entwurfs darstellt.

RAMA- Rover for Advanced Mission Applications (2009 für ESA) (c) LIQUIFER Systems Group/rendering Waclavicek

RAMA- Rover for Advanced Mission Applications (2009 für ESA) (c) LIQUIFER Systems Group/rendering Waclavicek

ÖWF: Können Sie auf Erfahrungswerte von der MIR und der ISS zurückgreifen?

Durch meine Arbeit bei der NASA am Johnson Space Center Ende der 90er Jahre kann ich auch auf Erfahrungsberichte von Astronauten zurückgreifen, die damals auf einer sechs-monatigen Shuttle-Mir Mission waren. Die Internationale Raumstation ist sehr gut im Internet dokumentiert und wir haben auch sehr gute Beziehungen zu einigen Astronauten, die uns Erfahrungsberichte aus erster Hand liefern. Insofern können wir auf Erfahrungswerte beider Raumstationen zurückgreifen.

ÖWF: Wie groß darf ich mir ein Team vorstellen, dass ein zukünftiges Habitat designt?

Das Team, das ein zukünftiges Habitat auf dem Mond und auf dem Mars baut, wird nahezu unüberschaubar groß sein, wollte man alle ins Projekt involvierten Personen, wie es etwa in einem Filmabspann üblich ist, nennen. Zudem würden bei so einem Projekt eines Habitats viele Länder mitarbeiten.

Die wichtigsten Disziplinen wäre hier wohl: Missionsanalyse, Sicherheitstechnik und Risikoanalyse – hierbei geht es beispielsweise um den Schutz vor Strahlung – Systemingenieurswesen, thermische Faktoren, Struktur, Konfiguration und Design von Modulen, Lebenserhaltende Systeme, Kommunikation, Human Factors (Bewohnbarkeit, Ergonomie etc.), Physiologie, Psychologie, Astrobiologie für die Oberflächenerkundung, Instrumente, Programmatik, Telemetrie und Landung, operationelle Angelegenheiten, Mensch-System-Integration, Simulation und Tests, Kostenkontrolle, Marketing und Vermittlung

Für verschiedene Phasen eines Projektes bräuchte man mindestens eine Person pro Fachgebiet und je weiter es in Richtung Umsetzung geht, desto mehr Menschen wären nötig, um so ein Projekt gelingen lassen zu können.

ÖWF: Wie viele Arbeitsstunden stecken in so einem Projekt?

Wie vorhin beschrieben, werden so die Arbeitsstunden fast unzählbar. Durch die notwendige Kommunikation zwischen den vielen SpezialistInnen muss man eine normale Arbeitsstunde sicher um das 1,5 fache erhöhen, wenn nicht verdoppeln. Eine andere in der Architektur gebräuchliche Methode ist, das Budget zu fixieren und zu sagen, damit muss ein Habitat für den Mond gebaut werden. Damit wären natürlich noch nicht die Kosten des Transports gedeckt, der vielleicht noch einmal soviel oder sogar mehr als der Bau des Habitats kostet.

ÖWF: Gehen Sie beim Design eines Habitats für den Langzeitaufenthalt im All (Reise von der Erde zu Planet x, wir können gern vom Mars ausgehen) anders heran als beim Design eines feststehenden Habitats für den Mars?

Eine Reise in einem Raumschiff würde unter Schwerelosigkeit erfolgen. Dieser sehr spezielle Zustand kennt kein oben und unten und wir sind schwerelos, können von einem Raumbereich in einen anderen schweben. Normale Alltagsgegenstände, wie Tische, Sessel, Betten sind unnütz und widersprechen dem Paradigma von einem schwerelosen und gänzlich dreidimensional erfassbaren Raum. Es ist ein bisschen wie beim Tauchen, wo man kopfüber den Steilhang eines Felsens unter Wasser hinuntertauchen kann. Das heißt, Schwerelosigkeit unterscheidet sich ganz grundsätzlich von der Umgebung einer planetaren Oberfläche. Für den befahrbaren Raum zwischen den Planeten braucht man ganz andere Innenräume und man muss alles, was man bisher über Schwerkraftumwelten weiß außer Acht lassen können. Das ist eine sehr spannende Entwurfsaufgabe.

ÖWF: Was waren für Sie die interessantesten/coolsten/überraschendsten Erkenntnisse bei Ihren Projekten?

Drei Dinge wären hier zu nennen:

  • Entwerfen für die Schwerelosigkeit.
    Hierbei spielt wirklich diese unglaubliche Umgebung und das Neudenken von allem, was mit Design zu tun hat eine Rolle. Wie können Räume entworfen werden, in denen man sich schwebend weiterbewegt? Man braucht hier keine Stiegen, die Horizontalebene, auf der wir uns normalerweise geschoßweise bewegen, ist nicht nötig. Runde Formen sind besser, weil man sich nicht verletzt, wenn man sich mit den Füßen, die man ja nicht im Gesichtsfeld hat, an Einrichtung oder Wandkanten stößt.
  • Arbeiten in internationalen und interdisziplinären Teams.
    Das, was ich von meiner Kindheit gewohnt bin, mit Menschen aus aller Welt zu kommunizieren, habe ich in mein Arbeitsleben gebracht. Es ist eine Herausforderung mit immer wiederkehrender Selbstermahnung zu Toleranz und Verständnis.
  • “Change of The Right Stuff“: The Right Stuff, das waren die ersten Astronauten; weiß, männlich und mit militärischem Hintergrund. Das hat sich geändert und aus Erfahrung kann ich sagen, dass es sich bei den AstronautInnen, und Kosmonauten, die die Internationale Raumstation bewohnen, um Menschen handelt, die zwar eine ähnliche Geisteshaltung besitzen, aber sonst sehr unterschiedlich agieren. Die Geschichten, die sie aus dem Weltraum erzählen können, sind eine der Grundlagen, auf die wir beim Entwurf von Weltraumhabitaten angewiesen sind.

ÖWF: Wie testen Sie ihre Designvorschläge auf „Alltagstauglichkeit“? (Ausschließlich durch Simulationen oder werden Teile auch nachgebaut?)

Die meisten Entwürfe testen wir in der Simulation, wobei hier die virtuellen im Computer von den realen auf der Erde zu unterscheiden sind. Unser mobiles Forschungsfahrzeug RAMA (Rover for Advanced Mission Applications) haben wir nur im Computer simuliert; besonders interessant war hierbei die Simulation der transformierbaren Möbel der Innenräume. Immer wieder suchen wir das Feedback durch Experten, um eine kontinuierliche Verbesserung unseres Designs schaffen zu können.

Unseren Astronautenschlafsack haben wir mit erfahrenen Astronauten auf der Erde getestet und einen flugfähigen Prototyp hergestellt.

ISS-Sleep-Kit, dem Astronautenschlafsack (2011 für ALR der FFG) made in Austria (c) Hintergrund courtesy of NASA, Schlafsack: LIQUIFER Systems Group.

ISS-Sleep-Kit, dem Astronautenschlafsack (2011 für ALR der FFG) made in Austria (c) Hintergrund courtesy of NASA, Schlafsack: LIQUIFER Systems Group.

ÖWF: Gibt es Gegenstände, die auf der Erde völlig anders genutzt werden als z. B. in einem Habitat auf dem Mars? Gab es da Überraschungen?

Aus Erfahrungsberichten von Besatzungsmitgliedern weiß man, dass bestimmte Dinge oder Einrichtungsgegenstände zweckentfremdet werden. Die Dusche auf der Mir war sehr umständlich aufzubauen, eine zylinderförmige Plastikkabine mit einem Wasserschlauch. Nach einer Duscheinheit, bei dem man Wasser nur in großen Tropfen auf einen Schwamm mit Seife und dann auf die Haut reiben konnte, musste man die Dusche wieder säubern. Da Wasser in der Schwerelosigkeit nicht fließt, war das Duscherlebnis nicht besonders und nur zeitaufwändig. So haben die Kosmonauten eine Art Dampfsauna aus dieser Dusche gemacht, was in der Schwerelosigkeit besser funktioniert. Auf der Internationalen Raumstation gibt es keine Dusche mehr, nur noch warme feuchte Tücher, um sich zu reinigen. Man muss sich einfach vorstellen, dass man auf einer Raumstation immer auch improvisieren muss, da man fehlende Ersatzteile ja nicht einfach besorgen kann. Schon allein deshalb werden Gegenstände zweckentfremdet. Prinzipiell sind Möbel, die transformierbar sind und Räume, die multifunktional sind besser für eine Weltraummission geeignet, als solche, die diese Eigenschaften nicht besitzen. Nicht umsonst können AstronautInnen persönliche Gegenstände wie Taschenmesser oder Scheren mit sich führen, welche vielgenutzte Werkzeuge sind.

ÖWF: Bedenken Sie beim Design hauptsächlich die Zweckmäßigkeit oder achten Sie auch auf kleine Annehmlichkeiten? (Hierbei denke ich an die fast nicht vorhandene Privatsphäre außer in Schlafkojen z. B. oder an eine Runde Kartenspielen mit allen Crew-Mitgliedern. Je nach Bedarf sind andere Platzverhältnisse gefragt, der Raum ist jedoch äußerst begrenzt.)

Ein wichtiger Teil der Arbeitsaufgabe von ArchitektInnen und DesignerInnen besteht darin, für Menschen Umgebungen zu entwerfen, in denen man sich auch wohl fühlt. In einer ökonomisierten Welt kann man das sehr gut dadurch argumentieren, dass man Performanceerhalt und gute Arbeitsleistung an eine entsprechende Umgebung knüpft. Das beweisen schon sehr viele große internationale Firmen wie Google und Microsoft, die Arbeitswelten entwerfen lassen, in denen man sich wohlfühlt. Für die Raumfahrt ist das besonders wichtig, da es sich hier um das Leben unter extremen Bedingungen handelt. Damit eine Mission zum Mars erfolgreich ist, muss der Innenraum eines Raumschiffes entsprechend gestaltet werden und jedem Besatzungsmitglied eine eigne Privatsphäre und Kabine zugänglich sein. Wir leben auf der Erde in einer Welt mit vielfältiger sensorischer Stimulation. Wenn wir lange auf einer Raummission sind, brauchen wir in einer Raumstation, einem Raumschiff oder Habitat ebenfalls eine Annäherung an diese komplexe sensorische Simulation, damit wir in sozio-psychologischer Hinsicht fit bleiben können. Besonders mit Techniken der Virtual Reality lassen sich hier gewichtsfrei viele Ideen umsetzen, beispielsweise leicht handhabbare Lichtsteuerung, virtuelle Fenster zur Erde und virtuell-reale interaktive Kommunikation mit Freunden und Familie zuhause.

Ganz herzlichen Dank, Frau Dr. Imhof, für die ausführliche Beantwortung der Fragen, Sie haben mir das Interview sehr leicht gemacht. :-)

Wer sich noch weiter über die Projekte von Liquifer informieren möchte, dem sei die Webseite empfohlen: www.liquifer.at

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Schweinderl