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November 18 2013

Interview mit Johannes Hairitsch, AVK

Johannes Hairitsch von der

Johannes Hairitsch von der Astronomischen Vereinigung Kärntens (c) AVK

Johannes Hairitsch, geboren 1966 im Lavanttal in Kärnten, ist seit Kurzem der neue Obmann der Astronomischen Vereinigung Kärntens. Seit den 1960er Jahren versammeln sich in diesem Verein Weltraumbegeisterte und Hobbyastronomen. Unter anderem unterhält die Astronomische Vereinigung Kärntens aber auch zwei Sternwarten und ein Planetarium, die auch für interessierte Besucher zur Verfügung stehen.

 

ÖWF: Können Sie uns eine Kurzeinführung zur Astronomischen Vereinigung Kärntens geben?

1961 wurde zur Errichtung der Sternwarte auf dem Klagenfurter Hausberg – dem Kreuzbergl – ein eigener Verein gegründet. Nach deren Eröffnung wurde dieser Verein aufgelöst und in die Astronomische Vereinigung Kärntens (AVK) übergeführt. Diese zählt heute mit über 300 Mitgliedern zu den größten Astro-Vereinen Österreichs. Außer der Sternwarte auf dem Kreuzbergl mit seinem 23cm-Coude-Refraktor betreibt die AVK noch eine Sternwarte auf der Gerlitze auf 1.800m Seehöhe mit einem 62cm RC-Spiegelteleskop und das Planetarium nahe Minimundus am Wörthersee, das mit seinen 130 Sitzplätzen das südlichste Planetarium Österreichs ist. Zum Vereinsleben zählen der allmonatlich abgehaltene Stammtisch im Planetarium, vereinsinterne Veranstaltungen, die Teilnahme an Teleskoptreffen sowie gemeinsame Beobachtungen. Weitere Aktivitäten des Vereins sind auch die Durchführung von Exkursionen zu wissenschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland und zu Sonnenfinsternissen weltweit.

ÖWF: Wer ist Herr DI Hairitsch?

Ich habe die HTL in Klagenfurt besucht und anschließend in Graz Architektur studiert. Nach meinem Diplom war ich in verschiedenen Architekturbüros als Bautechniker angestellt. Seit drei Jahren bin ich im Amt der Kärntner Landesregierung als Sachverständiger im Bereich Hochbau tätig.

Meine Liebe zur Astronomie ist „erst“ in der Studienzeit gekeimt, hat dann eine mehrjährige Pause eingelegt und ist nach meiner Rückkehr nach Klagenfurt neu aufgeflammt. In der AVK bin ich seit 12 Jahren Mitglied. Bald nach meinem Eintritt habe ich eine Funktion im Vorstand übernommen, habe als Planungs- und Baubeirat Umbauten auf den Sternwarten Klagenfurt und Gerlitze und im Planetarium geplant bzw. auch selbst Hand angelegt. Weitere Funktionen im Vorstand waren Leiter der „Mobilen Astronomie“ sowie Schriftführer und Obmannstellvertreter.

Beobachtet habe ich anfänglich mit einem Hofer-Spiegelteleskop, nach meiner Astro-Pause war es dann lange Jahre ein 8 Zoll Spiegelteleskop. Seit 2005 bin ich stolzer Besitzer eines 16 Zoll Dobsons, den ich bis auf die Spiegel selbst geplant und gebaut habe. Meine weiteren Hobbies sind Segeln, Bogenschießen und Laufen.

ÖWF:  Was waren die Highlights der letzten Jahre?

2003 und 2004 hat die AVK zu den Transiten von Merkur und Venus und zur sehr nahen Marsopposition mehrere öffentliche Beobachtungen veranstaltet, bei denen wir zusammen mehrere tausend Besucher begrüßen durften. Weitere Highlights waren die Sonnenfinsternisse 1999 in der Steiermark und 2006 in der Türkei. Dazu kommen mehrere Mondfinsternisse, die wir von Kärnten aus beobachten konnten, und der in Kärnten kurz sichtbare Venustransit im letzten Jahr.

ÖWF: Welche Rolle spielt das Planetarium – nachdem die AVK die einzige Freizeitastronomische Vereinigung Österreichs ist, die auch ein Planetarium hat?

Das Planetarium hat eine Sonderstellung im Verein. Da es als GmbH mit einem Geschäftsführer und zwei Angestellten geführt wird, ist es von der Organisationsstruktur eine sehr eigenständige Einrichtung. Entscheidungen obliegen aber dem Vorstand und somit dem gewählten Vertreter der AVK als alleinigem Gesellschafter. Das Planetarium dient dem Verein als Ort für unsere Stammtische, beherbergt unsere Vereinsbibliothek und ist Treffpunkt und Anlaufstelle für alle Vereinsaktivitäten. Auch Exkursionen werden von hier aus organisiert. Darüber hinaus ist das Planetarium neben dem Beitrag der Mitglieder und den Sternwarten die wichtigste Einnahmequelle des Vereins. Viele Anschaffungen wie optische und technische Ausstattungen der Sternwarten sowie Umbauten und Erhaltungsmaßnahmen wären ohne diese Quelle nicht oder nur sehr schwer finanzierbar.

Planetarium Klagenfurt

Planetarium Klagenfurt (c) AVK

ÖWF:  Was sind die Pläne für das Planetarium in den nächsten Jahren?

Derer gibt es viele. Es gibt viele Überlegungen zu Umbauten und Angebotserweiterungen. Neben tollen Ideen für Um- und Ausbauten des Gebäudes selbst ist ein wesentlicher Punkt und eine unausweichliche Maßnahme in den kommenden Jahren die Erneuerung der Projektionstechnik, welche schon jetzt als einzigartig im deutschsprachigen Raum, wenn nicht weltweit, angesehen werden darf. Neben dem Herzstück des Planetariums, dem originalen Zeiss-Projektor, arbeiten sechs Dreikanal-Videobeamer und Dutzende Diaprojektoren in der Kuppel und zaubern Bilder und Animationen auf die „Leinwand“, die selbst moderne Technik vor Neid erblassen lässt. Das alles ist aber nur mit einem enormen Serviceaufwand möglich, um das alles am Leben zu erhalten. In diesem Zusammenhang muss vor allem dem technischen Leiter des Planetariums, Herrn Kurt Anetzhuber, großes Lob und Dank ausgesprochen werden.

ÖWF: Warum ist das Planetarium für die AVK so wichtig?

Ich möchte dazu einen Vergleich bringen: Jeder der Kinder hat, weiß, dass es darunter welche gibt, die Probleme machen und welche, die nur Freude bereiten. Und trotzdem liebt man sie alle. So ähnlich verhält es sich mit dem Planetarium! Es war nie leicht, dieses Haus zu betreiben und wird es auch in Zukunft nicht sein. Aber es ist ein „Kind“ der AVK, dem gegenüber der Verein eine Verpflichtung hat und es ist auch eine große Herausforderung, dieses Haus zu betreiben. Da geht es nicht darum, wie wichtig es ist. Ich denke, der Verein und das Planetarium brauchen sich gegenseitig.

ÖWF: Wo sehen Sie das Planetarium in fünf Jahren?

Ich sehe das Planetarium schon jetzt als wichtige touristische und noch viel mehr als Bildungseinrichtung der Stadt Klagenfurt, des Landes Kärnten und über die Grenzen hinaus. Wir zählen jährlich tausende Schüler und Kindergartenkinder aus Kärnten zu unseren Gästen. Hier wird Wissen auf hohem und auch kindgerechten Niveau geboten, verpackt in abenteuerliche Geschichten und Liveshows. Es geht in naher Zukunft vor allem darum, diesen Stellenwert auch in der Bevölkerung zu stärken und im Bewusstsein der potentiellen Besucher zu verankern, damit es zur Selbstverständlichkeit wird, dass man einen Besuch der Landeshauptstadt auch mit einem Besuch des Planetariums verbindet. Dazu wurde in den vergangenen Jahren schon viel unternommen und diese Arbeit wird auch intensiv fortgesetzt.

ÖWF: Gibt es Wünsche an die nationale und Kärntner Politik?

Natürlich gibt es Wünsche an die Landes- und Kommunalpolitik. Vor allem dahingehend, dass das Planetarium als Bildungseinrichtung für Schulen – unterrichtsbegleitend bzw. –ergänzend – als auch als Volksbildungseinrichtung anerkannt und entsprechend unterstützt wird. Immerhin ist es seit seiner Gründung bereits von fast zwei Millionen Menschen besucht worden, welche zu einem erheblichen Teil auch aus dem Vorschul- und Pflichtschulalter kommen. Und vielen bleibt das hier vermittelte Wissen jahrelang oder ein Leben lang in Erinnerung.

Die Sternwarte auf dem Gipfel der Gerlitze

Die Sternwarte auf dem Gipfel der Gerlitze (c) AVK

ÖWF: Was hielten Sie von folgender Vision: Weltraumthemen an der FH Kärnten in techniklastigen Studienzweigen anbieten?

Die Idee ist nicht neu. Schon bei den Transiten 2003 und 2004 war eine Gruppe der FH Klagenfurt dabei, die eine Kamera entwickelt hatte, die selbstständig die Sonne finden und verfolgen konnte und die die damit gewonnenen Bilder bzw. Videos über Satellitenfunk über beliebig weite Strecken übertragen konnte. Zu dem Projekt gehörte auch die gesamte Finanzierung der Entwicklung und der Reise nach Island, um dort eine Sonnenfinsternis zu beobachten und die Daten nach Klagenfurt zu übermitteln. Hier wurde den Studenten sehr umfangreiches Wissen – auch zum Thema Astronomie – vermittelt. Da wäre noch viel mehr möglich. Von Semesterarbeiten Einzelner oder ganzer Jahrgänge bis hin zu Diplomarbeiten bietet die Astronomie ein großes Betätigungsfeld.

Das Interview führte Daniela Scheer.

September 17 2013

Interview mit Sy Liebergot, Apollo EECOM

Seymour “Sy” Liebergot, geboren 1936, arbeitete während des Apollo Programmes als EECOM (Electrical, Environmental and COMmunication systems). Er gehörte zum Team, das Apollo 13 wieder sicher zurück zur Erde brachte.

Sy Liebergot im Apollo Flight Control Room (c) arstechnica (Steven Michael)

Sy Liebergot im Apollo Flight Control Room (c) arstechnica (Steven Michael)

ÖWF: Technology advances let aside, what are the major differences between your generation of flight controllers, and -say- todays ISS flight controllers in terms of mentality or working attitude?

We were encouraged to speak our mind The Apollo flight controller was part of the continuing evolution of the tradition begun by Chris Kraft during the Mercury and Gemini programs. The typical flight controller was young (at 33, I was among the oldest during Apollo 11), male (during Apollo, there were no female flight controllers), assertive to aggressive, certainly arrogant, and willing to make decisions under pressure; this last attribute was mandatory. Unfortunately for some of us, the aggressive attitude that we adopted and wielded at work would last a lifetime. IMO, within NASA, since Apollo and during Shuttle, career ladders became more important than speaking out when there was any suspicion of something amiss.
ISS FCs have a different task. The timeframe is not as urgent, but the operatic is still PC.


ÖWF: Sometimes it seems, that today’s space exploration programs are seemingly stalling and people tend to reflect upon the «glorious days» back during Apollo, envisioning a period of almost unlimited resources and a population which was super-supportive of the space program in the late 60s. Was that really the reality compared to today’s space business, or it is just romantic perception of the Apollo period?

The reality of the of the 1960s was to beat the Russians to the Moon. i.e. politics and military prowess.
Nov. 21, 1962 John F. Kennedy (from Apollo EECOM: Journey Of A Lifetime)
[A JFK tape transcript of a meeting to discuss Supplemental (budget) Appropriations for NASA was released in 2002. The meeting took place on November 21, 1962 and contained an exchange between President John F. Kennedy and James Webb, then NASA Administrator during which Webb told Kennedy that ‘he didn’t feel a Moon landing should be NASA’s top priority.’ Kennedy disagreed saying in part, “Everything we do ought to really be tied into getting on the Moon before the Russians….. otherwise, we shouldn't be spending this kind of money because I'm not that interested in space.”
So much for the romance of space exploration; this was only a cold war tactic.]

Today, there is no Russia to beat; in fact we don’t care about beating any country in anything. So now, it’s all about politics and funding.

ÖWF: Imagine you are back in the Apollo flight control room. If someone would have asked you about when the first human mission to Mars would be realistically possible, or when the first lunar base would be reality – what would have been your answer back then?

I would have impatiently remarked that a Mars mission was science fiction and it was premature to consider a Moon base and for what? We were preoccupied with achieving lunar landings.

ÖWF: In your view – what is the thing our current space exploration programs need most (well, except funding): are we lacking the technology? Is our society loosing curiosity? Have we forgotten how to take risks?

The public will never be excited about unmanned (robotic) space missions and a mission less space station (ISS). A manned Mars mission should be planned and sold as a long-term program—a 30 year program with a 3 year round trip manned mission. The current ISS has wasted resources that could have been applied toward such a program.

ÖWF: Is there anything you’d like to pass on to our men?

I have no doubt that the training and dedication of the individuals and companies involved will again demonstrate how strong the human spirit of exploration is still. It has been said that great nations discover and explore. Great nations cross oceans, settle frontiers and continually renew their heritage and spirits and create greater freedom and opportunity for the world. Great nations must also remain on the front edge of technologically advanced programs to maintain their security edge. This is the vision of a statesman, but currently we are infected with politicians who are concerned only with being re-elected and maintaining power.

August 20 2013

Mitmachen: Wahrnehmung des Weltraumtourismus in Deutschland [Umfrage]

Nina Kunert, Masterstudentin an der Universität StralsundNina Kunert schreibt derzeit ihre Masterarbeit zum Weltraumtourismus an der FH-Stralsund und fand auf diesem Wege zum Berliner ÖWF-Büro. Wir finden das Thema und das erhoffte Ergebnis ihrer Arbeit interessant – nämlich ein Stimmungsbild der Öffentlichkeit zu konkreten Aspekten der Raumfahrt zu erhalten. Das folgende Interview mit Frau Kunert begleitet die Umfrage, die wir in diesem Rahmen verlinken.

Hier gehts zur Online-Umfrage. Macht mit!

ÖWF: Die Faszination Weltraum hat auch vor Ihnen nicht Halt gemacht. Waren Sie schon immer an der Thematik Weltraum interessiert?

Ja, schon als kleines Kind habe ich mich sehr für Planeten und Sterne interessiert und wollte verstehen, was es mit dem Weltraum auf sich hat. Der erste Berufswunsch, Astronautin zu werden, lag daher natürlich sehr nahe. Im Astronomie-Unterricht in der Schule hatte ich dann das erste Mal die Gelegenheit, mehr über das Thema Weltraum zu erfahren. Leider wurde dieses Schulfach nur ein Jahr an unserer Schule unterrichtet.

ÖWF: Haben Sie sich weiterhin mit dem Thema Weltraum beschäftigt?

Obwohl ich immer ein tiefgreifendes Interesse für den Weltraum hatte, habe ich diese Thematik einige Zeit aus den Augen verloren und mich mehr mit anderen persönlichen Interessengebieten befasst. Erst in meinem Bachelorstudium habe ich mich wieder eingehend mit der Weltraumthematik auseinandergesetzt. Ich hatte damals im Rahmen einer Hausarbeit die Wahl, mich für ein forschungspolitisches Thema mit Chinabezug zu entscheiden. So war natürlich die Weltraumforschung in China die erstbeste Wahl für mich.

ÖWF: Frau Kunert, Sie beenden bald Ihr Masterstudium im Fach ‚Tourism Development Strategies‘ an der Fachhochschule Stralsund. Wie kam es dazu, dass Sie Ihre Masterarbeit über die spannende Thematik „Weltraumtourismus“ schreiben?

Bei einer so umfassenden Arbeit sollte man immer über etwas schreiben, was einen von Grund auf interessiert. Das Thema Weltraumtourismus war eine meiner ersten Ideen und somit bekanntlich auch die Beste. Der letzte ausschlaggebende Punkt kam durch den Besuch einer Buchlesung von Frank Schätzung, der im Oktober 2011 sein Buch ‚Limit‘ in Stralsund vorstellte. In seinem Buch schreibt Schätzing unter anderem auch über die Thematik Weltraumtourismus. Seine multimediale Buchlesung mit beispielsweise hochauflösenden Bildern von der Mondoberfläche, hat mich emotional so aufgeladen, dass der Entschluss für das Thema Weltraumtourismus seit jeher feststand. Auch bin ich sehr glücklich über meine „Paten“. Ich konnte die HALTINNER Group begeistern, mich mit ihrem Wissen bei der Umfrage zur Masterarbeit zu unterstützen.

ÖWF: Welches Ergebnis erhoffen Sie sich von dieser groß angelegten Umfrage?

Mit der Umfrage möchte ich gerne ein aktuelles Stimmungsbild der Deutschen zum Thema Weltraum und Weltraumtourismus einfangen. Meine Vermutung geht dahin, dass die Wahrnehmung, das Interesse und das Wissen über Weltraum und Weltraumtourismus aktuell auf einem niedrigen Level sind. Das wirkt sich natürlich auch auf den Markt solcher Produkte mit Weltraumbezug aus. Im Detail beleuchte ich in meiner Umfrage sub-orbitale Weltraumflüge und möchte abfragen, ob das eigene Wissen sowie die Informationen von Anbieterseite für das genannte Produkt ausreichend sind. Bei radikal neuen Produkten stehen die Verbraucher oft vor der Herausforderung, dass sie die Tragweite bzw. den Erlebniswert solcher Produkte nicht richtig einschätzen können. Im gleichen Atemzug soll herausgefiltert werden, ob ein Mangel an Informationen ein ausschlaggebender Einflussfaktor beim Kauf eines Weltraumfluges ist und welche Informationsbereiche in diesem Fall mehr beleuchtet werden müssten. Zuletzt gehe in meiner Umfrage auf die Kommunikation von Weltraumflügen ein und möchte herausfinden, welche Art der Ansprache im Zusammenhang mit persönlichen Motivationsgründen bei den Verbrauchern gewählt werden sollte.

ÖWF: Sie sind also der Meinung, dass die Gesellschaft aktuell nur wenig Interesse am Weltraum und den damit verbundenen Aktivitäten hat?

Ja, das ist meine Vermutung. Ich bin der Meinung, dass die Gesellschaft nach den frühen Erfolgen der Weltraumerkundung den 60er und 70er Jahren das Interesse und das Bewusstsein für die Bedeutung der Weltraumerforschung verloren hat. Es muss ein enormer gesellschaftlicher Hype und ein äußerst aufregendes Gefühl gewesen sein, diese geschichtlich bedeutenden Ereignisse miterlebt zu haben. Jedoch sind diese Erfolge nach und nach weniger präsent und führen meiner Meinung dazu, dass sich die Leute mehr mit anderen und für sie persönlich wichtigeren Themen auseinandersetzen.

ÖWF: Glauben Sie, dass die Wahrnehmung der Öffentlichkeit sich in den kommenden Jahren ändern wird?

Ich denke, dass es eine neue Bewusstseinssteigerung durch den Start der sub-orbitalen Weltraumflüge in den kommenden Jahren geben wird. Ob sich dieser Hype in der Gesellschaft dieses Mal langfristig tragen wird, bleibt abzuwarten. Für die Wirtschaft aber auch für die Wissenschaft wird der Start der kommerziellen Weltraumflüge auf jeden Fall positive Auswirkungen haben.

ÖWF: Welche Bedeutung messen Sie dem Weltraumtourismus bei?

Der Weltraumtourismus ist aus meiner Sicht der entscheidende Wegbereiter den Weltraum für einen großen Teil der Gesellschaft aber auch für die Wirtschaft zugänglich zu machen und ein Schlüssel, viele Probleme und Herausforderungen auf der Erde zu lösen. Mit jedem Flug in den Weltraum werden wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt, die einen Beitrag für die globale Gesellschaft leisten und den Erkenntnishorizont der Menschen erweitern. Aufkeimende Umweltschutzbewegungen in den frühen 70er Jahren haben sich ja erst durch den Zugang zum Weltraum und der damit verbundenen Sicht auf die Erde entwickelt. Es liegen daher viele verborgene Nutzungspotenziale und Lösungsansätze für globale Herausforderungen wie Ressourcenknappheit, Energieversorgungsengpässe, stagnierende Weltwirtschaft, steigende Arbeitslosigkeitszahlen oder den Schutz und Fortbestand der Erde im Weltraum verborgen. Der Weltraumtourismus ist aus meiner Sicht primär ein Mittel, einen Zugang zu diesen Potentialen im Weltraum zu bekommen. Dass sich dieses Mittel oder dieser Weg wirtschaftlich und langfristig selbst tragen muss, versteht sich daher von selbst.

ÖWF: Was genau finden Sie am Weltraum so faszinierend?

Der Weltraum ist für mich etwas Unbegreifliches und birgt für mich eine enorme Quelle für Faszination, Inspiration, Ideenreichtum und persönlichen Antrieb. Von der Erforschung des Weltraums erhoffe ich mir, Antworten und Erkenntnisse auf viele Fragen zu finden.

ÖWF: Welches Ziel verfolgen Sie nach ihrem Studium?

Auch nach dem Studium möchte ich mich gerne weiterhin mit der Thematik Weltraum beschäftigen und mich dafür einsetzen, die Wahrnehmung und die Begeisterung für den Weltraum von neu zu entfachen. Ein ehrgeiziges Ziel. Zurzeit befinde ich mich in gemeinsamer Absprache und Verhandlung mit der HALTINNER Group, um uns diesen Herausforderungen zu stellen. Wir wollen Träume wahr werden lassen, den Zugang zum Weltraum ermöglichen und wirtschaftliche Synergien schaffen. Wir wollen die Öffentlichkeit aktiv in unsere Arbeit einbinden und mit leicht verständlichem Wissen rund um den Weltraum begeistern. Ich freue mich sehr auf die kommende Zusammenarbeit und viele spannende Projekte.

Hier gehts zur Online-Umfrage. Macht mit!

August 25 2012

“…One Giant Loss for Mankind” – Neil Armstrong 1930-2012

Neil Armstrong im Mondlandemodul "Eagle"

Neil Armstrong im Mondlandemodul “Eagle” auf der Mondoberfläche am 20. Juli 1969 (c) NASA

Neil Armstrong, der erste Mensch auf dem Mond, ist drei Wochen nach einer Herzoperation 82-jährig verstorben. Der Astronaut verbrachte insgesamt 8 Tage, 14 Stunden und 12 Minuten im Weltraum, darunter als Kommandant der legendären Apollo 11 Mondmission.

Mitte der 50er Jahre begann seine Karriere zuerst als Testpilot, darunter auch im Cockpit der X-31, einem experimentellen Jet mit dem er 62 Kilometer Gipfelhöhe erreichte. 1962 wurde er in das zweite NASA Astronauten-Korps akzeptiert, bereits 1966 bewies er als Kommandant von Gemini 8 bei einer Fehlfunktion der Raumkapsel Nervenstärke. Dies dürfte auch einer der Gründe gewesen sein, ihn als Kommandant der ersten Landemission auf dem Mond auszuwählen. Er war der einzige Apollo-Astronaut, der nicht von der Navy oder Air Force stammte.

1971 verließ er die NASA, lehrte bis 1979 an der Univ. Cincinnati um dann anschließend in Vorstandsfunktion in mehreren Raumfahrtunternehmen tätig zu sein. Armstrong war gerade in den letzten Jahren sehr medienscheu. Eine wesentliche Ausnahme: Seine Kritik am aktuellen Raumfahrtprogramm der USA mit dem Risiko, die Führerschaft im Weltraumsektor langfristig zu gefährden.

“Mit dem Tod von Neil Armstrong leben nur noch 8 der ursprünglich 12 Apollo-Astronauten die auf dem Erdtrabanten gelandet sind”,

bemerkt Dr. Gernot Grömer (ÖWF),

“wohl kaum ein anderer Name steht seit jeher für die Erkundung des Mondes wie Armstrong – er ist für viele von uns Inspiration. Sein Tod ist vor allem insofern ein tragischer Verlust, da die Mondmissionen damit ein Stück mehr Geschichte geworden sind und damit ein Wenig an Lebendigkeit und Nahbarkeit verloren haben.”

Der Mars Rover Curiosity landete übrigens am Geburtstag von Neil Armstrong am 5. August 2012 auf dem Mars.

August 22 2012

4. Burggespräche auf Schloss Albrechtsberg

Vom 10. bis 12. August 2012 sah Schloss Albrechtsberg in Niederösterreich die inzwischen vierten „Burggespräche“. Bisher ein geselliges Treffen von Freunden der Astronomie und Raumfahrt, verstärkt durch ein interessantes Informationsangebot, war es dieses Mal auch eine Veranstaltung der Superlative:

• Aus den USA war Jerry Bonnell, angereist. Er ist Mitbegründer des weltbekannten Astronomie-Bildblogs APOD (http://apod.nasa.gov/apod/astropix.html)

• Außerdem Babak Tafreshi, Mitgründer von TWAN (http://www.twanight.org/newTWAN/index.asp). Er stammt aus dem Iran, kam aber aus Saarlouis, wo er seit einem Jahr lebt.

• Und schließlich Heinz Oberhummer, Atomphysiker, Universitätsprofessor und Mitglied des Wissenschaftskabaretts “Science Busters“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Science_Busters)
Organisiert und durchgeführt wurde die Veranstaltung diesmal vom neu gegründeten Förderkreis für Raumfahrt und Astronomie „Der Orion“. Der Verein steht in enger Verbindung zur gleichnamigen Internetplattform “Der Orion” (http://www.der-orion.com). Treibende Kraft bei der Organisation und Durchführung war wie immer Maria Pflug-Hofmayr. Zur Seite standen ihr Monika Fischer, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Akquise, und Eugen Reichl, Bayer aus Leidenschaft, Bierlieferant der Burggespräche und bei „Der Orion“ zuständig für den Bereich Raumfahrt.

Wie immer war es neben den Workshops das Hauptanliegen der OrganisatorInnen, den TeilnehmerInnen viel Gelegenheit zu geben, sich miteinander in gemütlicher Atmosphäre über den Weltraum auszutauschen.

Die Burggespräche begannen Freitagmittag mit einer Exklusivführung durch das Stift Melk. Paul Beck zeigte den TeilnehmerInnen die wahrscheinlich ältesten astronomischen Schriften Europas, darunter eine verblüffend gut erhaltene astronomisch-kalendarische Handschrift, die um das Jahr 825 verfasst wurde. Sie diente einst zur Berechnung der Osterfeiertage. Die mehrstündige Besichtigung führte die TeilnehmerInnen und Referenten in Anlagen des Stifts, die für das „normale“ Publikum für gewöhnlich gesperrt sind.

Mond, Jupiter und Pleiaden gehen über Schloss Albrechtsberg auf (credit: Gerwin Sturm)

Mond, Jupiter und Pleiaden gehen über Schloss Albrechtsberg auf (credit: Gerwin Sturm)

Danach machte sich die Gruppe wieder auf den Rückweg zum nur fünf Kilometer entfernten Schloss Albrechtsberg. Nach Einbruch der Dunkelheit führte der Sohn des Burgherrn höchstpersönlich die mit Kerzen ausgerüsteten BesucherInnen durch das altehrwürdige Renaissanceschloss.

Der Samstag war großteils dem Workshop von Babak Tafreshi gewidmet. Er ist Gründer von „The World at Night“ (TWAN) und vor allem Astrofotografen ein Begriff. TWAN-Bilder zeichnen sich dadurch aus, dass sie den Sternenhimmel immer zusammen mit der Landschaft oder einem markanten Bauwerk im Vordergrund festhalten. Als Aufnahmegerät dient meist eine einfache Spiegelreflexkamera. Babak spannte den Bogen von den Grundlagen der Nachtfotografie im TWAN-Stil zu Detailfragen für die Fortgeschrittenen unter den TeilnehmerInnen.

Highlight am späten Nachmittag war der Vortrag von Prof. Heinz Oberhummer, Mitglied der Wissenschafts-Kabarettgruppe „Science Busters“. Er berichtete über „Conan das Bakterium“, warum es sich bei diesen Lebewesen vielleicht um Aliens handelt, und dass es ein ganz spezielles Verhältnis zu Alpakas hat. Dieser Vortrag war auch für die Öffentlichkeit zugänglich – ein Novum bei den Burggesprächen.

Nach Heinz Oberhummer gab es den schon traditionellen Grillabend mit Eugen Reichl (Astra) am Feuer. Und danach kam das astronomische Highlight der Veranstaltung: Beobachtung der Perseiden (und, quasi als “Bonusmaterial”, auch der ISS).

Am Sonntag war nach den frischen Frühstücksbrötchen das Wort an Jerry Bonnell, dem Mitherausgeber von „Astronomy Picture of the Day“. Neben den tollen astronomischen Aufnahmen war vor allem der Blick hinter die Kulissen von APOD sehr interessant.

Maria Pflug-Hofmayr konnte dazu einiges beisteuern, weil sie seit bereits fünf Jahren APOD täglich vom Englischen ins Deutsche übersetzt. (http://www.starobserver.org/)

Nach dem Mittagessen (Hühnchencurry, vegetarisches Curry, original Niemetz-Schwedenbomben und Eiskaffee) war es Zeit für den Abschied.

Doch es gilt: Nach den Burggesprächen ist vor den Burggesprächen. Der Termin für die nächste Veranstaltung steht bereits fest, Schloss Albrechtsberg ist schon gebucht. Die fünften Burggespräche finden von 9. bis 11. August 2013 statt. Voranmeldungen dafür werden etwa ab Januar 2013 gerne entgegengenommen. Wie immer ist die TeilnehmerInnenzahl auf 25 Personen beschränkt – wer garantiert einen Platz ergattern möchte, wird gerne unverbindlich auf eine Warteliste gesetzt.

June 13 2012

Berlin-Nordpol-Mars

Am 5. Mai 2012 flog ein Airbus zwölf Stunden lang über die Eiswelt der Arktis. Das ÖWF war mit an Bord.

Vom Nordpol führt jeder Schritt Richtung Süden, egal wohin. Der Pol selbst ist durch keinen Wegweiser angegeben, er ist eigentlich gar nicht da – er ist nur ein gedachter Punkt. Aber was für einer! Dieser Punkt liegt mitten in einer endlos weißen Wüste, die auf eiskaltem Wasser schwimmt.

Es ist der 5. Mai 2012, als pünktlich um acht Uhr morgens ein Airbus A-330-200 auf die Startbahn des Berliner Flughafens Tegel einbiegt. Schubhebel nach vorne: Beschleunigung, Höhenruder nach oben, Take-off. Bis dahin: alles Routine. Spätestens ab Erreichen der Reiseflughöhe ist es mit der Routine aber vorbei: für das Kabinenpersonal, auch für die Cockpit-Besatzung, und erst recht für die mehr als zweihundert Abenteuerlustigen, die eine Reise vor sich haben, die sie nie vergessen werden.

Steigflug über der Ostküste von Grönland

Steigflug über der Ostküste von Grönland

Zehntausend Flugkilometer stehen bevor. Der mächtige und doch leise Airbus wird zunächst stundenlang nordwärts fliegen, über Skandinavien, über die Barentsee, über den geheimnisvollen Svalbard-Archipel, immer weiter nach Norden, über die Packeisgrenze und die beinahe unendlichen Weiten des arktischen Eispanzers, bis zum geografischen Nordpol. Von dort wird es in einer großen Linkskurve weiter nach Grönland gehen, im Tiefflug dreitausend Kilometer entlang der grönländischen Ostküste, dann Richtung Island, bevor hinter den britischen Inseln wieder das kontinentaleuropäische Festland in Sicht kommt. Heute Abend werden die Teilnehmer dieses außergewöhnlichen Nordpolfluges wieder bei einem Bier im frühlingshaften Berlin sitzen – ein Gedanke, so weit weg wie der Nordpol. Im Augenblick steigt der Airbus von Air Berlin auf seine zwischenzeitliche Reiseflughöhe, 12.000 Meter, bei minus sechzig Grad. Er wird sie bald wieder verlassen, um dann wieder aufzusteigen, um dann wieder zu sinken, einer Hochschaubahn vergleichbar. Das ist kein normaler Flug: Willkommen auf der Expedition Nordpol!

Warum fliegt man zum Nordpol? Die Frage ist natürlich so zulässig wie unzulässig. Warum fliegt man zum Mond? Warum hört man ein Konzert? Die Passagiere dieses Fluges wollen mit ihren eigenen Augen entdecken: eine der am meisten berührenden Landschaften der Erde. Sie wollen etwas Außergewöhnliches machen. Und es ist in der Tat außergewöhnlich: schon der Blick durch die Kabine. Ferngläser stehen da, Arktiskarten hängen, Winterjacken liegen im lauen Mai in den Fächern über den Sitzen, alle starren wie Kinder aus den Fenstern, beraten sich gegenseitig, laufen herum oder klettern über Sitzreihen wenn plötzlich ein arktisches Motiv tief unten auftaucht: Eisberge, tiefblaues Wasser, einsame Inseln weit jenseits des Polarkreises.

Ein Puzzlespiel der Natur in der hohen Arktis

Ein Puzzlespiel der Natur in der hohen Arktis

 Die Flugexpedition wird von der Deutschen Polarflug organisiert. Als „Infotainer“ an Bord, der nicht nur Informationen über die Arktis, sondern auch Wissenschaft zum Nachdenken und „Aha-Erlebnisse“ liefern soll, darf ich mitfliegen (nun schon zum fünften Mal). Es bleibt auch für mich etwas Besonderes: dort zu sitzen, wo sich normalweise die Stewardessen und Stewards aufhalten, mit denselben – nach fünf Flügen ist man schon eine Familie geworden! – zu plaudern, dank eines „Cockpit-Permits“, der um meinen Hals baumelt, hinter den Piloten im Cockpit zu sitzen, und vor allem kilometerweise die zwei Gänge des Airbus rauf- und runterzulaufen um mit den Passagieren zu sprechen, ihre Fragen zu beantworten und gemeinsam Neues zu entdecken. Das macht Spaß – und ist interessant!

Drei Hauptthemen haben meine Vorträge, die ich über Bordlautsprecher aus dem Cockpit erzähle: als „Privatperson“ erzähle ich über die Arktis als Lebensraum, inklusive astronomischer Besonderheiten; als Vertreter der ESA über Erdbeobachtung aus dem Weltraum und Klimawandel, besonders dramatisch zu sehen am Beispiel des „Fieberthermometers Arktis“; als Vertreter des ÖWF schließlich über die Arktis als Versuchslabor eines zukünftigen bemannten Raumfluges zum Mars, inklusive der Geschichte von PolAres.

Apropos PolAres: Nach fünf Stunden Flug ist der geografische Nordpol erreicht. Der Airbus sinkt auf knapp 1800 Meter und legt sich elegant in eine große Rechtskurve, Antritt zur kürzesten Erdumrundung – in zwei Minuten überqueren wir alle Längengrade des Planeten. Ich erlebe diese magischen Minuten im Cockpit mit, wo der Ausblick dank der großen Seitenfenster fantastisch ist. Man möchte die Hand ausstrecken und die endlosen Eisplatten berühren, die scheinbar zum Greifen nahe sind. Darüber wölbt sich der tiefblaue Himmel. Kein Mensch ist hier am Dach der Welt (außer uns), das ist also Arktis pur. Unser Flugzeug legt sich nun nach links, um die Erde auch noch in östlicher Richtung zu umrunden. Die Passagiere sind begeistert, und dieselbe Begeisterung zeigt sich auch ganz vorne: während Kapitän Heinz sanft steuert, macht unsere erste Offizierin vom Copiloten-Sitz schnell zwei, drei Fotos fürs Familienalbum: auch für sie, wie für uns alle, ist es ein spektakulärer Ausblick.

Kurz nach 13 Uhr ist der Nordpol erreicht - endloses Eis mit Sprüngen, darunter der Arktische Ozean

Kurz nach 13 Uhr ist der Nordpol erreicht – endloses Eis mit Sprüngen, darunter der Arktische Ozean

Der Schub der Triebwerke schiebt uns wieder deutlich spürbar nach oben, es geht nun Richtung Grönland. Kurz vor Erreichen der Ostküste dieser größten Insel der Welt begeben wir uns schon wieder in den „Tiefflug-Modus“, und nun folgt ein zweistündiger Überflug über Landschaften, die eigentlich nicht von dieser Welt sind: Gletscherflüsse, türkisblaue Eisseen, bizarre Bergformationen, wieder festgefrorene Eisberge, die wie Modellbausteine aussehen; und das Erstaunlichste dabei ist die Weite: wir fliegen und fliegen, immerhin rund 700 Kilometer pro Stunde, und die Landschaft will und will kein Ende nehmen.

Faszinierender Planet Erde - türkisblauer Gletschersee in Grönland

Faszinierender Planet Erde – türkisblauer Gletschersee in Grönland

 Der Name Arktis stammt von „Arctos“, dem Bären in alt-griechischer Sprache, und bezeichnet demnach das Land unter dem Sternbild des Bären. Das Gebiet nördlich des Polarkreises ist voll von faszinierenden astronomischen Ereignissen wie der Mitternachtssonne oder den Polarlichtern. Und auch die Passagiere sind voller Fragen: Warum es denn im Norden keine Pinguine gäbe? Ob es bemannte Drift-Stationen im Packeis gäbe? Wie spät es auf dem Nordpol wohl sei?

Der Flug mit seinen zwölf Stunden geht zu Ende. Gerade haben noch alle Eindrücke über Grönland gesammelt, das arktisch inspirierte Abendessen genossen – jetzt kommt Berlin in Sicht. Schon wieder sinkt der Airbus, aber diesmal werden Landeklappen und Fahrgestell ausgefahren, und zehn Minuten vor zwanzig Uhr ist der Nordpolflug der Deutschen Polarflug wieder zurück am Boden. Zu Hause.

Wir von der „Crew“ bleiben an Bord, bis alle Passagiere ausgestiegen sind. Eine Teilnehmerin schiebt sich mit Jacke und Fotoapparat an uns vorbei, federt mit ihren Füßen auf und ab und sagt: „Danke, danke, danke, danke, danke, DANKE!“ Da müssen wir grinsen: Mehr gibt es zu diesem Tag in einer anderen Welt nicht zu sagen.

Im Cockpit über der Arktis - Alexander Soucek mit Co-Pilotin und Chef der Deutschen Polarflug

Im Cockpit über der Arktis – Alexander Soucek mit Co-Pilotin und Chef der Deutschen Polarflug

 

May 17 2012

Im Jahr des Drachen zur ISS? Countdown für Falcon & Dragon

Am US-Weltraumzentrum in Cape Canaveral steigt die Spannung. Am 19. Mai – oder nur wenig später – ist es so weit. Dann wird die privat konstruierte und gebaute “Dragon”-Raumkapsel des US-Unternehmens “SpaceX” auf einer ebenfalls unternehmenseigenen Falcon 9-Trägerrakete zur Internationalen Raumstation aufbrechen. Deren Crew ist bereits darauf vorbereitet, die erste private Orbitalkapsel der Welt in Empfang zu nehmen.

Bereits am 16. April fand bei der NASA der “Flight Readiness Review” (FRR) für Startgerät und Kapsel statt. Mit dem Ergebnis, dass erstmals in der Geschichte der Raumfahrt ein privates Raumfahrzeug die Freigabe erhielt, die Internationale Raumstation zu besuchen. Einige wenige offene Punkte gab es allerdings doch noch. Sie verhinderten, dass der Start, wie zunächst vorgesehen, am 30. April stattfinden konnte. An diesem Tag fand nun ein so genanntes “static firing” statt. Dabei wurde ein Übungs-Countdown bis einschließlich der Zündung der neun Haupttriebwerke durchgeführt, ganz wie beim “richtigen” Start.

Die Triebwerke liefen dabei sogar für zwei Sekunden, die Rakete blieb aber, von starken Klammern gehalten, auf der Startrampe stehen. Die kurze Zeitspanne genügte, um die Einsatzbereitschaft der Raketenmotoren zu überprüfen. Der Test verlief perfekt. Von Seiten der Trägerrakete steht somit der Mission nichts mehr im Wege.

Doch dämpfen wir gleich am Anfang die Erwartungen. Denn auch diese letzten Verzögerungen können nicht davon ablenken: ein vollständiger Erfolg dieser Mission käme fast einem Wunder gleich. Selbst Elon Musk, Gründer und Inhaber von SpaceX, und damit dem Optimismus verpflichtet, gibt dem Unterfangen nur eine Chance von 50 Prozent. Aber wer weiß, vielleicht bleibt ihm das Glück treu. Zu verblüffend waren bereits die positiven Resultate der ersten beiden Testflüge der Falcon 9 im Jahre 2010.

Ein Raumfahrzeug erfolgreich in eine Erdumlaufbahn (und wieder zurück) ist kein leichtes Unterfangen. Länder, die ihre ganze nationale Infrastruktur dafür einsetzen, wie beispielsweise die beiden Koreas scheitern seit Jahren daran. Da ist es schon bemerkenswert, dass dies einem kalifornischen Mittelständler gelingt. Und der baut noch nicht einmal auf früheren Erfahrungen auf.

Die Dragon Kapsel muss gedreht werden bevor diese auf die Falcon 9 montiert wird. (c) NASA

Die Dragon Kapsel muss gedreht werden bevor diese auf die Falcon 9 montiert wird. (c) NASA

Wie gesagt, die Chancen die ISS tatsächlich zu erreichen, sind nicht hoch. Alles ist noch neu. Die Falcon 9, hat zwar ihre ersten beiden Einsätze ganz anständig hinter sich gebracht. Aber die aufmerksamen Beobachter wissen: Da war auch ganz schön Dusel dabei. Bei beiden Missionen traten erhebliche Anomalien auf, die nur aufgrund des robusten Designs kompensiert werden konnten. Sie hätten aber auch mit etwas Pech in beiden Fällen zum Verlust der Mission führen können.

Auch die Dragon-Kapsel stößt mit diesem Flug weit in unbekanntes Land vor. Sie hat zwar schon einmal nachgewiesen, dass sie zwei Erdumläufe und gut drei Stunden im Weltraum sicher absolvieren kann, aber die Komplexität und die Länge einer ISS-Versorgungsmission sind damit nicht zu vergleichen. Ging es beim ersten Flug des Dragon im Dezember 2010 nur darum, den Orbit überhaupt zu erreichen und sicher wieder zur Erde zurückzukehren, sind bei der bevorstehenden 21-Tage Mission die Anforderungen an Kommunikation, Positionsgenauigkeit, Rendezvoustechnik und vor allem die Forderungen eines jederzeitigen Flugabbruches in einer ganz anderen Liga angesiedelt.

Man darf bei der Bewertung dieser Mission auch nicht übersehen, dass man hier die Ziele von ehemals zwei vorgesehenen Testmissionen nun in einem einzelnen Flug zusammengefasst hat. Wenn alles gut geht spart das Zeit und Geld. Wenn nicht, dann muss die ursprünglich geplante zweite Testmission doch noch nachgeholt werden.

Bei der bevorstehenden Mission ist der Träger auch erstmals mit einem “instantaneous launch window” konfrontiert. Das heißt, der Startzeitpunkt muss auf die Sekunde getroffen werden, ansonsten ist die Gelegenheit für den aktuellen Tag verpasst. Bei den ersten beiden Flügen kam es jeweils – das ist bei komplett neuen Systemen nicht ungewöhnlich – zu stundenlangen Startverzögerungen. Das kann man sich diesmal nicht leisten.

SpaceX und Elon Musk sind hier illusionslos und haben deswegen das Missionslogo schon mal den anspruchsvollen Umständen angepasst: Es beinhaltet ein vierblättriges Kleeblatt.

Der Start-Komplex 40 beim Cape Canaveral, Florida. Von hier wird Dragon zur ISS starten. (c) NASA/Cory Huston

Der Start-Komplex 40 beim Cape Canaveral, Florida. Von hier wird Dragon zur ISS starten. (c) NASA/Cory Huston

Unterstellen wir jetzt aber einmal, dass der Start glatt verläuft, und die Falcon 9 den Dragon wie geplant im Orbit absetzt, dann wird das weitere Programm wie folgt aussehen: An den ersten beiden Flugtagen werden Tests mit dem “Absoluten GPS” durchgeführt, das Verhalten des Raumfahrzeugs in den Phasen freier Drift wird untersucht und es werden verschiedene Flugabbruchs-Szenarien erprobt. Am dritten Tag wird der Dragon die ISS in einem Abstand von 2,5 Kilometern passieren um die Ultrakurzwellen-Verbindung mit der Raumstation zu testen. Dabei wird auch kontrolliert, wie gut die Crew des Außenpostens über das “Crew Command Panel” in die Funktionen des Dragon eingreifen kann. Bei dieser Passage wird auch das relative GPS mit einem Check zwischen ISS und Dragon erprobt.

Am Ende des dritten Missionstages entscheiden die Missions-Manager, ob alle Zwischenziele hinreichend gut erfüllt wurden, und ob auf dieser Basis mit der endgültigen Annäherung an die ISS begonnen werden kann. Gibt es das “go-ahead”, dann wird sich der Dragon der Station bis auf 30 Meter nähern. Sollte auch dieses Manöver erfolgreich verlaufen, dann wird er sich so weit an die Station herantasten, dass er mit dem “Space Station Remote Manipulator System” der ISS erfasst werden kann. Dieses Manöver nennt man “berthing”, und könnte in diesem Fall am besten mit “Bergung” übersetzt werden. Das “Berthing” ist, zumindest in seiner Schlussphase, kein aktives Rendezvous. Vielmehr zieht der Greifarm der ISS das Raumfahrzeug an den Dockingknoten (Node) 2 und koppelt es dort an. Gesteuert wird das Manöver von den Astronauten Don Pettit und Andre Kuipers, und zwar von der Cupola der Station aus, also der Aussichtsplattform mit den großen Fenstern.

Auch wenn alles nach Plan verläuft, dürfte dieses Manöver nicht einfach sein. “Berthings” wurden im Betrieb der Station zwar schon zweimal mit dem japanischen HTV-Transportraumschiff durchgeführt, die Dynamik des Dragon ist jedoch ganz anders.

Das HTV ist über 16 Tonnen schwer und verfügt über eine erhebliche Anzahl kleiner Triebwerke, um die Raumlage sehr fein auszusteuern. Die Astronauten berichten, dass das HTV wie ein Felsen vor der Raumstation liegt und problemlos mit dem Manipulator-Arm zu greifen ist. Das dürfte beim vergleichsweise leichten Dragon (er wiegt weniger als sechs Tonnen) anders sein. Zusätzlich zum geringen Gewicht kommt, dass der Dragon nur über vergleichsweise wenige, aber dafür recht leistungsstarke Lageregelungstriebwerke verfügt. Er dürfte daher bei weitem nicht so ruhig vor der Station liegen, wahrscheinlich eine Rest-Rollbewegung aufweisen und dementsprechend schwer mit dem Robotarm zu fassen sein.

Nach dem Herstellen einer festen Verbindung, den Lecktests und der Überprüfung der elektrischen Anschlüsse wird die Luke des Dragon geöffnet. Danach verbleibt er für etwa zweieinhalb Wochen an der ISS. Bei diesem ersten Flug mit seiner nicht sonderlich hohen Erfolgswahrscheinlichkeit wird der Dragon nur 520 Kilogramm an Fracht an Bord haben. Alles “Non-essential cargo”, wie es die NASA nennt. Nichts Lebenswichtiges: Wasser, Kleidung, Nahrungsmittel, Batterien, Kabel und dergleichen. Immerhin: Die wertvollsten Gegenstände sind eine Reihe von Laptops.

Der Dragon soll auch Material zur Erde zurück bringen, alles in allem etwa 660 Kilogramm. Bei späteren Missionen, wenn der Routinebetrieb läuft, können es bis zu drei Tonnen sein. Nicht viel angesichts der bis zu 15 Tonnen, die der Shuttle einst zur Erde zurückbringen konnte. Sehr viel aber im Vergleich zu den wenigen Kilogramm, die mit der Sojus möglich sind.

SpaceX – Falcon 9, Flight 2, December 2010

Video bei YouTube ansehen / Watch video on youtube

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Der Dragon wird für eine Reihe von Jahren das einzige Vehikel sein, das Geräte, Experimente, Materialproben und andere Dinge wieder zur Erde zurückbringen kann. Bei diesem Flug sollen es neben einigen defekten Geräten vor allem Teile von Raumanzügen sein. Raumanzüge sind extrem teure Ausrüstungsteile. Sie kosten mehr als 20 Millionen Dollar das Stück und bei ihnen lohnt es sich, sie zurückzubringen, zu warten und erneut zur ISS zu transportieren.

Am Schluss der Mission wird der Dragon wieder mit dem Manipulator-Arm vom Docking-Knoten abgekoppelt. Danach entfernt er sich selbständig und führt dann eine Landung im Pazifik vor der Kalifornischen Küste durch. Verläuft alles nach Plan, sollte das um den 9. Juni herum der Fall sein.

Dieser Beitrag wurde übernommen von Der Orion, den Originalartikel zu diesem Thema finden Sie unter der-orion.com

April 12 2012

Interview mit Dr. Dietmar Hager, Polarsternpreisträger 2012

Dietmar Hager während eines Vortrags im Deep Space des Ars Electronica CenterÖWF: Herr Dr. Hager, wie kommt man als Spezialist für Handchirurgie zu einem solch enormen Engagement gegen Lichtverschmutzung?

Als ich 2008 auf der Dark Sky Tagung war in Wien, da trat Itaii Kloog auf, ein Chronobiologe, der über seine Forschungen berichtet hatte. Er erzählte uns davon, dass Licht bei Nacht uns sehr schwer krank machen kann. Mittlerweilen hat die WHO Lichtverschmutzung als Krebsrisikofaktor definiert und bestätigt. Als ich damals aus der Vortragsserie heimgefahren bin, sagte ich zu mir, das muss unters Volk: auf allen Ebenen: Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft, als auch jeder einzelne Bürger.

ÖWF: Was genau bedeutet Lichtverschmutzung?

Es ist der übertriebe Luxus an künstlichem Licht bei Nacht. Ein Symbol für die Verschwendungssucht, die wir uns zum Laster haben werden lassen.
Wir haben das gesunde Augenmaß verloren für die Menge an Licht, die wir wirklich benötigen. Es ist gleichzeitig eine Visitenkarte und ein Symbol für die Gesellschaft in der wir leben. Es kommt dabei der achtlose Umgang mit irdischen Ressourcen zum Ausdruck. Und das ist wiederum angetrieben aus der Tatsache, dass wir eine angstgesteuerte Gesellschaft geworden sind. Tatsächlich brauchen wir diese vorhandene Lichtintensität und streubreite nachweislich nicht für die Sicherheit.

ÖWF: Die Risiken von zu viel Licht bei Nacht für z. B. Insekten, Schildkröten und auch Vögel wurden viel besprochen und publiziert. Neben der Energieverschwendung welche konkreten Schäden, kann der Mensch durch eine zu „helle“ Nacht erleiden?

Wir unterscheiden zwei wesentliche Quellen der Lichtverschmutzung: 1) Licht, das bei Nacht von außen ins Schlafzimmer eindringt. 2) Licht, das wir selbst in unseren Schlafzimmern anlassen, als Nachtlicht, als Computerbildschirm oder Fernsehlicht, etc. Lichtverschmutzung macht uns krank: Kleinstkinder laufen Gefahr, eine retinale Sehschwäche zu entwickeln, die unheilbar ist. Lichtverschmutzung kann das Immunsystem stark negativ beeinflussen und kann, wie Kloog uns gezeigt hat, sogar zu bestimmten Formen der Krebserkrankung führen. Klarerweise gibt es viel schwerwiegendere Risikofaktoren, wie Rauchen, Alkohol, Übergewicht, Bewegungsmangel etc. aber es zeigt, dass dieser nutzlose Energieverbrauch so weite Kreise ziehen kann.

ÖWF: Wie sehr beeinflusst die Lichtverschmutzung Ihr Hobby die Astrofotografie? Hat es Veränderungen in den letzten Jahren gegeben?

Die Astrofotografie ist mittlerweile durch meine rege Vortragstätigkeit sogar zu meinem Zweitberuf geworden. Und natürlich ist das Licht bei Nacht massiv störend! Stellen sie sich vor: das Licht der Sterne und Welten in andern Galaxien konnte bisher ungehindert zu uns durchdringen, seit wir aber das Licht bei Nacht immer mehr werden lassen, wird dieses Sternenlicht verschluckt in einer künstlich völlig überzogenen nächtlich beleuchteten Atmosphäre über unseren Kommunen und kommt nicht mehr durch. Der Plot dahinter: Sternenlicht hat uns immer schon geholfen, die Welt zu verstehen in der wir leben. Astronomie stiftet unser Weltbild! Wir dürfen gespannt sein, wie klein das Weltbild unserer Kinder und Kindeskinder zusammenschrumpfen wird, wenn die Nacht einmal völlig abgeschafft sein wird.

ÖWF: Was kann jeder persönlich tun, um Lichtverschwendung und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken zu verringern bzw. ganz zu vermeiden?

Regel 1: Überprüfe die Notwendigkeit der Beleuchtung
Ist die Leuchte wirklich notwendig? Fragen Sie sich grundsätzlich bei jeder Beleuchtung im Außenraum, ob diese tatsächlich notwendig ist.
Regel 2: Von oben nach unten beleuchten
Beleuchten Sie von oben nach unten. So vermeiden Sie, dass Licht in die Atmosphäre abstrahlt. Nehmen Sie Rücksicht auf die Umwelt, auf die Nachbarn, auf die nachtaktiven Tiere, auf ihre eigene Gesundheit. Seien sie einfach ein bewusster Mensch.
Regel 3: Leuchten abschirmen
Achten Sie darauf, dass vorhandene Lampen abgeschirmt sind. Optimal ist es, wenn der Leuchtkörper nicht sichtbar ist. Die besten Umweltbedingungen können durch sogenannte full cut off-Leuchten geschaffen werden. Ihr Licht strahlt über plane Verglasungen ausschließlich nach unten ab.
Regel 4: Beleuchtungsstärke und Beleuchtungsart anpassen
Wählen Sie die richtige Beleuchtungsstärke. Und achten Sie darauf, dass die Beleuchtungsart der Situation angepasst ist.
Regel 5: Leuchtdauer zeitlich begrenzen
Die wenigsten Lampen müssen die ganze Nacht hindurch brennen. Begrenzen Sie die Beleuchtungsdauer zeitlich sinnvoll.
Regel 6: Information weitergeben
Das eigene Umfeld soll mit adäquater Information versorgt werden.
Regel 7: Steuerung der Nachfrage durch achtsamen Einkauf
Kaufen Sie nicht irgendeine Laterne oder Lampe. Ziehen zum Lampenkauf 3 vernünftige Kriterien heran:

  • Wohin lässt die Laterne das Licht strahlen? Vermeiden Sie dabei Laternen, welche das Licht zu allen Seiten abgeben. Wählen sie jene, welche das Licht möglichst nur nach unten auslassen.
  • Welche Leuchtmittel sind verwendbar? Vermeiden Sie Quecksilberhaltibe Leuchtmittel und jene mit einem hohen Blauanteil.
  • Brauche ich die Laterne wirklich?

Fassen Sie Mut zu hinterfragen, ob das angebotene auch genau jene Kriterien erfüllt. Fassen Sie Mut eine eigene Meinung zu haben und sie auch zu vertreten.

ÖWF: Möchten Sie mit Ihrem Hobby etwas Konkretes entdecken, haben Sie ein Beobachtungsziel/-wunsch? Suchen Sie etwas oder lassen Sie sich immer wieder neu von Bildern überraschen?

Für die Frage bin ich dankbar!
Ich habe keinerlei wissenschaftliche Ambition in meiner Tätigkeit. Mein Antrieb die Sterne zu fotografieren hat folgende Motivation:
Die Schönheit und Ästhetik im Nachthimmel berührt meine Seele. Dies ist mir ein unschätzbares Werkzeug zur RELIGIO also zur Rückbindung an die Natur, die wir Menschen dringendst brauchen. Und ich liebe es, die Menschen daran teil haben zu lassen. So strebe ich nach möglichst schönen „pretty picture“ Astrofotos, um daran Geschichten zu knüpfen, die ich zu den Menschen trage, die sich wenig mit der Sternenwelt auskennen oder davon wissen. Das Bild dient als Medium, als Transportgefäß mit emotionalem Inhalt.

ÖWF: Sind Astronomen für das Thema Lichtverschmutzung empfänglicher als Nichtastronomen?

Nein. Empfänglich ist jeder Mensch, der fähig ist zur Abstraktion und bereit ist, in unserer hochbeschleunigten Welt inne zu halten und einen Moment mal im jetzt anzukommen. Dann stellt er fest, dass vieles in unserem System nicht stimmt. Lichtverschmutzung ist ja nur eines der vielen hausgemachten Probleme…

ÖWF: Vielen Dank Herr Dr. Hager, dass sie uns etwas Ihrer Zeit geschenkt haben, um für dieses wichtige Thema weitere Öffentlichkeit zu schaffen.
Marlen Rab

Dietmar Hager wurde am 12. April 2012 mit dem Polarsternpreis des ÖWF ausgezeichnet für sein Engagement und persönlichen Einsatz rund um das Thema Lichtverschmutzung & Astronomie.

March 21 2012

Interview mit Oliver Simonsen

Porträtfoto Oliver Simonsens

Oliver Simonsens (c) ÖWF

Oliver Simonsen, Diplom Sportwissenschaftler, Sporttherapeut und Biomedical Support Engineer des ÖWF stellte uns für ein Interview zur Verfügung.

ÖWF: Oliver, wie bist du zum ÖWF gekommen? Seit wann bist du dabei und was machst du für das ÖWF?

Mein Interesse an dem Bereich der Raumfahrtphysiologie ist durch eine Äußerung eines Professors während einer sportwissenschaftlichen Vorlesung geweckt worden. Es ging dabei um den Abbau von Muskel- und Knochenmasse durch mangelnde Bewegung.

Sozusagen in einem Nebensatz fiel die Bemerkung, dass Astronauten in der Schwerelosigkeit genau unter dieser Widrigkeit leiden. Ich fand diesen Umstand besonders spannend und habe mich gleich nach der Vorlesung ins Internet begeben und in diesem Bereich recherchiert. Seitdem hat mich
dieses Thema nicht mehr losgelassen.

Im Rahmen meiner weiteren Recherchen bin ich dann mehrmals auf das ÖWF gestoßen. Dabei fand ich besonders spannend, nicht mehr den Mond als zu betretenden Himmelskörper zu betrachten, sondern gleich den Mars anzupeilen. Zu Beginn des Jahres 2010 hatte ich dann erstmals Kontakt mit Gernot Grömer aufgenommen und nach mehreren Interviews via Skype und einer raumfahrtphysiologischen Arbeit bin ich dann als Biomedical Support Engineer in das ÖWF aufgenommen worden.
Meine Hauptaufgabe besteht in der Vorbereitung und Begleitung von EVA (Extra-vehicular activity) Simulationen. Dabei geht es vornehmlich um die Feststellung der Einsatzfähigkeit sowie der medizinisch-physiologischen Begleitung der Astronauten.

ÖWF: Wie begleitest du EVAs des ÖWF?

Die Begleitung der EVAs geschieht meistens per Skype oder anderer Netzwerkmöglichkeiten von Hamburg aus. Meine beiden österreichischen Kollegen befinden sich dann im Kontrollzentrum in Innsbruck, während ich die Daten über den Astronauten nach Hamburg übermittelt bekomme. Glücklicherweise kann man also auch trotz vielen Kilometern Entfernung Kontakt halten und sich fachlich austauschen.

ÖWF: Welche körperlichen Voraussetzungen müssen Analog-Astronauten erfüllen, um für ein EVA überhaupt in Frage zu kommen?

Sie müssen 100%ig fit sein. Das heißt nicht, dass sie besonders stark und muskulös sein müssen. Vielmehr ist deren Ausdauer in Verbindung mit Kraft gefragt. Ein Bodybuilder wäre hierbei ziemlich fehl am Platze.
Bedenkt man das Gewicht des Anzugs Aouda X von annähernd 50kg, das manchmal über Stunden auch bei hohen Temperaturen getragen wird, kann man sich die körperlichen Strapazen vorstellen. Dabei ist man, wie z. B. jüngst in Rio Tinto, in steinigem, offenem Gelände unterwegs und hat zudem mit einer eingeschränkten Sicht durch den Helm und Störgeräuschen durch den Funkverkehr zu tun. Klaustrophobiker fallen also schon einmal aus der engeren Wahl heraus.

ÖWF: Mit welchen physiologischen Veränderungen ist während der Schwerelosigkeit zu rechnen?

Das größte Problem in der Schwerelosigkeit ist – wie der Name es schon verrät – die Abwesenheit der Schwerkraft, wie wir sie auf der Erde kennen. Der gesamte menschliche Körper ist darauf eingestellt, dass ihn die Gravitation gewissermaßen nach unten „zieht“. Fehlt diese Eigenschaft, so kommt es zunächst zu einer Umverteilung der Körperflüssigkeiten, die ja nun nicht mehr nach unten tendieren. Das Blut steigt dem Astronauten im wahrsten Sinne des Wortes zu Kopf.
Es kommt zu einer gesamten Umverteilung der Körperflüssigkeiten. Deshalb sehen Astronauten auch immer etwas dicklich im Gesicht aus, wenn sie z.B. Experimente auf der ISS erklären. Das Blut, das im Kopf zu viel vorhanden ist, fehlt nun in den Beinen. Diese sehen nun schlank bis schmal aus.
Da sich der Astronaut in der Mikrogravitation/Schwerkraft durch Abstoßen von den Wänden, mühelos gleiten lassen kann, benutzt er die Muskeln viel zu wenig. Dies wäre nicht unbedingt so schlimm. Allerdings ergibt dies keinen adäquaten Zug auf die Muskeln, so dass in Folge die Knochenmasse abnimmt.

Nicht vergessen darf man auch die starke Strahlung durch geladene Elementarteilchen und Sonnenwinde. Auf der Erde und in nahen Umlaufbahnen sind wir durch das Magnetfeld der Erde vor der kosmischen Strahlung geschützt. Begeben wir uns allerdings weiter in den Weltraum hinaus, gibt es kaum einen Schutz vor der elektromagnetischen Strahlung. Die Folge können Unfruchtbarkeit und Krebs sein. Alle Weltraumorganisationen arbeiten an einem Schutzsystem, welches wohl auf der Kombination von einem dickwandigem Schutzraum und Wassertanks fußen wird.
Wo wir gerade bei Gefahren im Weltraum sind. Eine Gefahrenquelle haben sich die Menschen auch im Weltraum selber geschaffen. Den Weltraumschrott. Dieser besteht aus unzähligen Teilen unterschiedlichen Materials in diversen Größen. Entstanden ist der Weltraumschrott aus abgesprengten Raketenteilen, ausgedienten Satelliten und weiteren Teilen, wie einem verloren gegangene Werkzeugkoffer. Außerdem soll bereits eine Plastiktüte im All gesichtet worden sein.

ÖWF: Über verlorene Sofas auf Autobahnen schmunzle ich regelmäßig, wenn ich Verkehrsnachrichten höre. Ein verlorengegangener Werkzeugkoffer im All erscheint ungleich kurioser. Ich hoffe, wir Menschen hinterlassen im All weniger Müll als auf unserer Welt. Aber zurück zu den Veränderungen in der Schwerkraft: Wie kann man diesen vorbeugen bzw. gezielt gegensteuern?

Es gibt zahlreiche Ansätze, um diesem Problem zu begegnen. So hatte z.B. Wernher von Braun die Vision, ein gigantisches kreisrundes, aber flaches Raumschiff zu bauen, welches kontinuierlich um seine Achse kreist. Durch die Nutzung der entstehenden Zentrifugalkraft wird eine künstliche Schwerkraft geschaffen. Allerdings müsste das Raumfahrzeug wirklich gigantische Ausmaße haben, damit die Schwerkraft der Erde simuliert werden kann.
Für bemannte Flüge z. B. zum Mars gibt es die Überlegung sogenannte Humanzentrifugen einzusetzen. Dabei handelt es sich um Geräte, ähnlich den Fahrgeschäften auf dem Jahrmarkt, mit einem langen Arm an dessen Ende der Astronaut festgeschnallt wird. Durch die Rotation wird auch in diesem Fall eine künstliche Gravitation erschaffen.
Weitere Möglichkeiten sind der Einsatz von Trainingsgeräten, wie man sie z.B. im Fitnessstudio kennt. Damit aber Gewichte wirklich schwer sind (eine 150 kg Hantel hat ja im Orbit kein Gewicht), muss man mittels Hydraulik oder Gummiwiderständen die Gewichte gewissermaßen „schwer machen“. Auch der Einsatz von Laufbändern und Cardio-Fahrrädern ist tägliches Geschäft auf der Raumstation.
Nur müssen dafür der Sportler festgebunden werden. Sie würden sonst wegfliegen, da sie sich von den Geräten immer wieder abstoßen.
Ansonsten gibt es weitere Erfindungen, wie einen Anzug, der mittels elastischer Bänder einen andauernden Widerstand inne hat. Sowie die Nutzung von „Rüttelplatten“, die das Knochenwachstum anregen sollen. Interessanterweise haben die damaligen Sowjets bereits in den 1980er Jahren diese Hilfsmittel erfunden.

ÖWF: Kannst du gewonnene Erkenntnisse auch zur Behandlung von „irdischen“ medizinischen Problemen anwenden? Wie genau?

In unsere moderne Welt werden die Menschen immer mehr zu gewissermaßen sitzenden Raumfahrern. Bedingt durch die mangelnde Bewegung kommt es nicht mehr zu einem adäquaten Reiz auf die Muskulatur und das Herz-Kreislauf-System. Es ist sicherlich nicht neu, dass der Körper ohne Belastung verkümmert. Allerdings hat die Weltraummedizin zahlreiche Hypothesen untermauern können.
Ganz speziell kann man davon ausgehen, dass eine gewisse Schwingungsfrequenz des Körpers essenziell für den Erhalt von Muskulatur ist. Das liest sich jetzt etwas komisch, aber wenn man bedenkt, dass das Herz sich bewegt, die Verdauungsorgane nicht nur still im Körper liegen und sogar das Gehirn im Tagesrhythmus leicht an- und wieder abschwillt, kommt man zu dem Schluss, dass der Körper sich regelmäßig verändert.

Schwingungen macht man sich zu nutze, indem man z. B. muskelschwache Patienten auf Rüttelplatten stellt, die in bestimmten Frequenzen schwingen und damit die Schwingungen des Beckens beim Gehen nachempfinden. Durch diese Schwingungen werden die Muskeln aktiviert, was wiederum dem Knochenwachstum zugute kommt.

Dieses Training kann dann auch noch mit Krafttraining und Koordinationsübungen zeitlich kombiniert werden.

ÖWF: Wie haben gewonnen Erkenntnisse konkret die Entwicklung des Aouda.X beeinflusst? Kannst du Beispiele aufzeigen?

Bei dem Aouda.X handelt es sich um die Simulation eines druckbeaufschlagten Raumanzugs. Das heißt der Anzug ist wie ein autonomes Raumschiff konzipiert, in dem sich der Astronaut fortbewegt. Dabei kommt es bauartbedingt zu erheblichen
Widerständen in den Gelenken, die der Astronaut überwinden muss. Man kann also sagen, der Astronaut hat eine zusätzliche Schwerkraft in den Gelenken, die er gewissermaßen mit sich führt. Diese ist nicht nur nach unten, sondern in alle Himmels- , Verzeihung Marsrichtungen verteilt. Zwar ist dieser Trainingseffekt nicht speziell entwickelt worden, er hat sich vielmehr von selbst ergeben.
Weitere Erkenntnisse aus der Raumfahrtphysiologie sind zunächst nicht eingeflossen. Allerdings wird mittels Kühlung, Trinkwasserzufuhr und Lebensmittelbereitstellung sowie Einrichtungen für die Exkremente eine Wohlfühlumgebung geschaffen, die auf neuesten Erkenntnissen der terrestrischen Wissenschaft aufbaut.

ÖWF:Gab es während den EVAs des ÖWF aus sporttherapeutischer Sicht besonders dramatische/lustige/nervenaufreibende Momente?

Wir lassen bei dem sportwissenschaftlichen Institut der Uni Innsbruck unsere Analogastronauten regelmäßig, vor allem auch vor Simulationen, auf deren Fitness testen. Es stellte sich wenige Wochen vor eben einer Simulation heraus, dass einer der Astronauten nicht über die Fitness verfügte, die wir uns gewünscht hatten. Dabei war für uns auch der Druck hoch, ob er bis zum Beginn der Simulation die nötige Fitness erreichen würde. Wäre es nicht der Fall, hätten wir einen Astronauten weniger, was im Endeffekt weniger Experimente und eine Mehrbelastung der anderen Astronauten bedeutet hätte. Die wenigen Wochen hatten dann aber doch gereicht, um ihn topfit zu bekommen.

Lustig war, dass bei einer Simulation in einer Gletscherhöhle plötzlich gemeldet wurde, dass es „komisch“ riechen würde. Es stellte sich dann für die Biomedical Engineers die Frage, was das sein könnte und ob ein Gefährdungspotential bestünde, wie z. B. bei einer Mischung von Methan und Ammoniak. Es sollte also festgestellt werden, wie der Geruch definiert ist. Dabei hatte jeder der in der Höhle anwesenden eine andere Beschreibung des Geruchs. Interessanterweise waren das Geruchsempfinden und die Geruchsbeschreibung von Männern und Frauen sehr unterschiedlich. Letztendlich konnte aber Entwarnung gegeben werden und die Simulation war erfolgreich.

ÖWF: Würdest du selbst gern ins All fliegen?

Ich würde auf jeden Fall gerne in den Orbit fliegen. Die Aussicht auf die Erde hat jeden Astronauten zu einem anderen Menschen gemacht. Es muss wunderbar sein, auf diesen wunderbaren Planeten zu schauen und alle 90 Minuten die Sonne aufgehen zu sehen.

Ob ich allerdings in Richtung Mars aufbrechen würde, kann ich noch nicht wirklich beurteilen. Ich denke, dass mir die Zeit für einen Trip hin und zurück noch zu lang dauert. Wenn allerdings die Raketenantriebe mehr Schubkraft haben und der Flug zum roten Planeten kürzer wird, wäre ich dabei.

Allerdings dürfen wir nicht vergessen, dass wir jetzt und hier bereits auf einem Trip durch das All unterwegs sind: Und zwar auf dem einem genialen Mutterschiff Erde, dass uns sämtliche Ressourcen für einige Milliarden Jahre zur Verfügung stellt, die wir zur Erhaltung unserer Art benötigen. Wir alle tragen die Verantwortung, dieses geniale Raumschiff zu erhalten und wir müssen uns jeden Tag dessen Fragilität vor Augen führen.


ÖWF: Nach diesen schönen und bedeutenden Schlussworten bedanke ich mich ganz herzlich für deine Zeit, die du in die ausführlichen Antworten gesteckt hast. Weiterhin viel Erfolg mit spannenden Projekten und bleib gesund! :-)

Marlen Raab

February 21 2012

Interview mit Jesco von Puttkamer

Jesco von Puttkamer im ÖWF Interview

Jesco von Puttkamer im ÖWF Interview

Prof. Dr. Jesco von Puttkamer ist Raumfahrtwissenschaftler und Programm-Manager für bemannte Raumfahrt bei der US-Weltraumbehörde NASA und nahm sich während seines Urlaubs die Zeit für ein persönliches Interview mit uns.

Der Maschinenbau-Ingenieur begann vor knapp 50 Jahren seine berufliche Laufbahn bei der NASA, wo er zunächst am Apollo-Mond-Landeprogramm mitarbeitete. Seit 1974 ist Jesco von Puttkamer in der NASA-Zentralverwaltung in Washington beschäftigt, erst als Programmleiter für vorausschauende lang-fristige Planungsstudien für die permanente Erschließung des Alls, dann im Rahmen der Entwicklung des Space Shuttle und der Internationalen Raumstation ISS.

ÖWF: Herr von Puttkamer, wie kam es zu Ihrer Begeisterung für die Raumfahrt besonders für den Mars? Gab es ein Schlüsselerlebnis oder ist es eine gewachsene Leidenschaft?

Angefangen hat alles bei einem kleinen Jungen, der 1945 12 Jahre alt war, hellwach, neugierig und zertrümmerte Städte sah. Ich hatte eine sehr kluge Oma – es sind immer die Omas, die helfen – die Lehrerin war, und ich fragte sie nach Zukunftsperspektiven. Sie riet mir: „Geh in die Raumfahrt, ohne die machen wir uns eines Tages kaputt.“ So habe ich schon mein Abitur und Studium auf Ingenieurwesen und Raumfahrt ausgerichtet, auch weil Wernher von Braun mir in unserer Briefkonversation dazu riet.

Nach dem Studium war ich Forschungsingenieur beim heutigen DLR und schrieb an von Braun das ich auswandern möchte. Ich wollte unbedingt nach Amerika, es war das Land von Karl May, der deutsche Romantiker kam da durch. So schlug ich aber vor, erst in der Industrie wirken zu wollen, um Grundlagen zu lernen. Darauf hin hat von Braun sofort ein Telegram geschickt: „Don’t go to the industry, come to Huntsville we are flying to the moon.“ Diese Nachricht hat mich fast umgehauen. Er schickte noch einen längeren Brief hinterher und so ging ich im Sommer 1962 nach Huntsville/Alabama. Wernher war so inspirierend, hat sein Team so gut geführt, dass wir innerhalb von 8 Jahren die Rakete gebaut haben.

Viele Jahre später, so vor 5/6 Jahren oder noch länger, hat die NASA alle ihre Personalunterlagen digitalisiert und ich bekam meine Papier-Personalakte zurück, ein richtig dicker Stoß. Da war alles drin, etliche Memoranda von Wernher von Braun, von meinen Chefs und Erklärungen warum ich z. B. eine Beförderung erhalten sollte, hoch lobend. Gesagt hat mir das keiner, es gab ne Beförderung aber ohne Erklärung. In diesen Unterlagen habe ich eine Notiz von Wernher von Braun gefunden, Tenor: Wenn der zur Industrie geht, kommt er nicht mehr zu uns, denn da bekommt er gleich 10x mehr. Einen wie ihn brauchen wir. Da Kennedy dem Mondprojekt so eine hohe Priorität gegeben hatte, konnte ich damals einfach einreisen. Und ich bin dabei geblieben, seit 50 Jahren. – In Huntsville gibt es einen Hohlweg, im Sommer zugewachsen wie eine gotische Kathedrale. Gleichermaßen fokussiert ist mein Weg, es ist eine Berufung, nicht nur ein Job bei dem ich auf den nächsten Zahltag warte.

ÖWF: Färbt die strukturierte, organisierte und planvolle Arbeitsweise bei der NASA auf das Privatleben ab? Haben Sie immer einen Plan B?

Es färbt schon ab. Leider. Viele Leute meinen, ich sollte doch mehr loslassen. Im Kopf hab ich schon immer einen Plan B. Ich hasse Überraschungen, möchte vorbereitet sein, auf mögliche Entwicklungen. Bei einem Moskaubesuch z. B. hatte sich ein Selbstmordattentäter am Flughafen in die Luft gesprengt. Somit überlege ich für zukünftige Besuche schon, was ich im Falle eines Falles tue, wohin ich gehen würde.

Beruflich habe ich oftmals umplanen müssen, denn ursprünglich sah unser Fortschritt sehr viel besser aus, ich dachte, dass wir Mars viel früher erreichen können. Aber dann kommen immer diese Momente, wo einem die Politik ins Ruder fällt oder die Außenwelt sich verändert durch Krieg z. B. Die Internationalisierung hingegen war ein unglaublich positiver Schritt voran, dass wir mit den Sowjets zusammengehen, hätte ich nie geglaubt.

Mein Plan A ist also Brücken bauen: Das wichtigste Anliegen der Raumfahrt betrifft die Jugend. Im Großen und Ganzen sind die Zukunftsperspektiven ziemlich dünn, würde ich sagen, für Menschen, die auf der Landkarte neue Gebiete erforschen wollen. Wir geben ihnen neue Perspektiven und machen Visionen erlebbar.

Zweitens ist ein Gremium entstanden, die ISECG (International Space Exploration Coordination Group), in dem sich derzeit 14 gleichberechtigte Mitgliedsnationen über die zukünftige „Roadmap“ im All geeint haben. Alle wollen sie zum Mars in den nächsten 25 Jahren. Ein Wunder! Früher wäre das Science Fiction gewesen, Nationen, die auf der Erde uneinig sind, haben gemeinsame, friedliche Ziele für den Weltraum.

ÖWF: Wird aus Ihrer Sicht die erste bemannte Mars-Mission eine One-way-Mission werden oder gehen Sie von einer Rückkehr der Marsonauten zur Erde aus?

Nur hinfliegen, hier sind wir und das war es, darum geht es nicht. Die Vision ist, dass der Mensch den Mars später zum Ableger seiner Zivilisation machen wird. So könnte es sein, dass in Jahrtausenden, nicht nur eine Erde die Sonne umkreist, sondern – nach ökosynthetischer Umformung der Marswelt – deren zwei. Ich bin davon überzeugt, dass wir die Erde wieder mehr schätzen lernen, wenn wir aus weiter Ferne zu ihr zurückblicken.

Also es wird kein One-way-flight. Zuerst wird ein unbemanntes Raumschiff hinfliegen und lädt die nötigen Rohstoffe, eine kleine Fabrik zur Herstellung von Sauerstoff usw. ab, sodass die bemannte Folgemission beim Eintreffen auf dem Mars ein „gemachtes Nest“ vorfindet.

Momentan sind wir von den Russen abhängig, darum entwickeln wir nun eine neue Großträgerrakete, das SLS (Space Launch System), die zunächst 70 Tonnen Nutzlast ins All tragen kann, später bis zu 130 t, größer ist als unsere legendäre Mondrakete Saturn V und 2016 zum ersten mal fliegen soll. 2018 ist ihr erster Flug zum Mond geplant. Hinzu kommt eine Mannschaftskapsel namens Orion für zunächst eine 4-, später 6-köpfige Besatzung. Als Missionsziele gelten der Mond, Asteroiden, die beiden Marsmonde und der Planet Mars selbst.

ÖWF: Wann wird es Ihrer Meinung nach soweit sein? Wann werden Menschen den roten Planeten betreten?

Wenn wir heute sagen, wir fliegen 2030 so ist das relativ konservativ. Durch die Zusammenarbeit der 14 Nationen (ISECG) glaube ich, es wird schneller gehen. Wir können die Aufgaben aufteilen wie auch Kosten und Risiken. Wir schaffen neue Arbeitsplätze, bieten Perspektiven, eine Horizonterweiterung wie damals bei Apollo auch.

ÖWF: Könnten die Chinesen alleine zum Mars fliegen?

Dass die Chinesen alleine zum Mars fliegen, ist unmöglich, doch eine Zusammenarbeit denkbar. Jedoch muss man auf die kulturellen Unterschiede der Nationen eingehen. Das ist der Grund warum die 16 Nationen mit der ISS bisher so erfolgreich zusammen gearbeitet haben. Obwohl unterschiedliche politische Meinungen von Haus aus herrschen, vertragen wir uns im Weltraum. Da sind die Aufgaben überschaubar und lösbar aber nur durch Logik nicht durch Politik und deswegen glaube ich, dass die Hoffnung der Zukunft dort liegt.

Jesco von Puttkamer signiert Bild von ÖWF Marsanzug Aouda

Jesco von Puttkamer signiert Bild von ÖWF Marsanzug Aouda

ÖWF: Was halten Sie von privatwirtschaftlichem Weltraumtourismus? Werden private Weltraumprojekte längerfristig erfolgreich sein?

Das gehört mit zur Entwicklung. Früher war es ebenso unvorstellbar, dass jeder zu den Pyramiden reisen kann, heute können das viele. So wird auch der Weltraumtourismus selbstverständlicher werden. Nur eben wird es kein Massentourismus werden da teuer. Man ist nicht eigentlich im Orbit, dies liegt noch lange in der Zukunft. Schön, vielleicht ist man zwei, drei Minuten gewichtslos und dann geht es wieder zurück. Zumindest ist es das, was man Weltraumtouristen erstmal anbieten wird. Wenn es interessanter werden soll, dann müsste es auch ein Hotel geben. Dafür gibt es Pläne, schon seit langem in der Entwicklung. Nur einfach hinauf fliegen und wieder runterkommen wird früher oder später langweilig werden. Somit sind große Investitionen internationaler Reisefirmen in Zusammenarbeit mit privaten Raumfahrtunternehmen nötig, ein Unternehmen alleine kann das nicht leisten.

Wir haben ein Experiment in Amerika laufen, Frachtzufuhr zur ISS durch Privatfirmen umsetzen zu lassen. Personentransporte durch Fremdfirmen können wir erst zulassen, wenn wir uns von der Sicherheit überzeugt haben. Schon allein mit den Versicherungen wird es sonst schwierig. Dragon wird dieses Jahr zum ersten Mal Fracht kommerziell zur ISS bringen. Es gibt noch zwei andere Firmen, die daran arbeiten, denn wir können uns nicht nur auf einen Partner verlassen. Falls der versagt, müssen wir Alternativen haben. Drei Firmen arbeiten auch an dem bemannten Transport. Die NASA ist grundsätzlich sehr vorsichtig, Sicherheit ist oberstes Gebot. Wir finanzieren das zwar indem wir die Firmen ordentlich bezahlen – also finanziert die privaten Projekte am Ende z. T. auch der Steuerzahler – arbeiten aber an unseren eigenen Projekten (Orion und die Großträgerrakete wie schon geschildert).

ÖWF: Beflügeln solche Projekte das Interesse der Menschen am Weltraum?

Ja, vielleicht kommt damit eher so ein Wir-Gefühl auf. Wir, das Volk machen es, nicht die NASA. Doch es muss trotzdem exakt sein. Die NASA ist immer involviert, sonst würden die privaten Anbieter keine Fluggenehmigung erhalten. Sicherer Flugbetrieb muss gewährleistet werden. Die Glaubwürdigkeit einer ganzen Industrie steht auf dem Spiel. Wenn nur etwas schief geht, sind die Firmen sehr schnell pleite, Aktionäre ziehen ihre Gelder ab. Es ist ein Vabanquespiel – also ein Spiel mit hohem Risiko.

Wernher von Braun sagte immer, wenn er so gefragt wurde nach teurer Raumfahrt: „Das ist das Weltraumgesetz Nr. 1. Bemannte Weltraumfahrt ist teuer, da kann man nichts daran ändern, das kann man nicht billig machen und wenn es dir in der Küche zu heiß ist, geh raus.“ Was er meinte war, wenn es dir zu teuer ist, lass es sein, befass dich nicht damit. Sobald man spart, ein paar Tests auslässt, geht das auf die Sicherheit – gerade in der Raumfahrt. Wenn man irgendwas weglässt sieht man nicht zwangsläufig deutlich, ob es sicherheitsgefährdend ist. Man kann unglaublich überrascht werden. Ist uns auch passiert, wir haben zwei Shuttles dadurch verloren. Wenn Ihnen jemand billige bemannte Raumfahrt anbietet, dann denken Sie nach und ziehen sie Ihre eigenen Schlüsse.

ÖWF: Es war ein besonderes Vergnügen Sie persönlich zu treffen, Herr von Puttkamer! Ich bedanke mich herzlich für Ihre Zeit, die ausführlichen Antworten und all die kleinen Anekdoten, mit denen Sie mich begeistert haben. Bleiben Sie gesund, wobei Sie uns weiterhin mit Marsfieber infizieren dürfen. Ich freue mich auf Ihr neues Buch! :-)
Marlen Raab

December 31 2011

Die besten Bilder des Jahres 2011: das ÖWF Jahr im Rückblick

Der letzte Tag im Jahr ist auch immer der Tag um einen kurzen Blick zurück zu werfen. 2011 war ein aufregendes und intensives Jahr für das uns. Die nachfolgenden, willkürlich ausgewählten Bilder zeigen einen unvollständigen, subjektiven, aber umso bunteren und lebendigeren Querschnitt unserer Aktivitäten.

01 - Sonnensystem Vortrag Katsdorf

1 Durch das Sonnensystem mit musikalischer Begleitung: Eva Hauth und Gernot Grömer entführten das Publikum im Kino Katsdorf (Oberösterreich) auf eine Reise durch unser Sonnensystem. Bianca Neureiter untermalte die faszinierenden Bilder mit ihrem selbstkomponierten Klavierstück “Under a starry sky”.

02 - Wissenschaftsminister Töchterle zu Besuch

2 Forschungsminister Dr. Karlheinz Töchterle zu Besuch: Das Sparkling Science Projekt “TriPolar”, das “Schwesterprojekt” des PolAres Program wurde von den Schülern und Schülerin dem Minister präsentiert, der sich prompt begeistert zeigte. (c) Foto: Bundesministerium für Wissenschaft & Forschung

03 - Suittester Ulrich Luger

3 Volle Konzentration notwendig: 2 Wochen vor dem Beginn der Rio Tinto Mars Simulation herrscht geschäftiges Treiben in den Räumen des Missionkontrollzentrums in Innsbruck. Ulrich Luger, einer der beiden Suittester, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und arbeitet mit dem Feldteam gemeinsam bis spät in die Nacht. (c) Foto: Katja Zanella-Kux

04 - Aouda.X im Rock Garden (Rio Tinto Mars Simulation)

4 Rio Tinto 2011 – Mars Analog Expedition: Vom 17.- 22. April 2011 führt das ÖWF eine Mars Simulation in Süden Spaniens durch. In Zusammenarbeit mit Forschern aus 10 Nationen und der European Space Agency war dies eine der aufwändigsten Feldexpedition des ÖWFs. Insgesamt waren ca. 70 Raumfahrtexperten & Enthusiasten beteiligt und bescherte dem ÖWF ein großes Medienecho. (c) Foto: Paul Santek

05 - Safety Kiste mit Rio Tinto Sand bedeckt

5 Mitbringsel: Sand vom Rio Tinto Feldtest wurde in rauhen Mengen mitgebracht. Die wertvollste Fracht aber waren die vielen Experimentendaten mit deren Auswertung die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sofort nach der Rückkehr der Proben begannen. Die ersten Ergebnisse wurden Anfang September 2011 bei der European Mars Society Convention präsentiert. (c) Foto: Katja Zanella-Kux

06 - Aktionstage junge Uni / Sonnenbeobachtung

6 Junge Uni on Tour: Erster Stopp: Rapoldipark in Innsbruck. Bei strahlendem Sonnenschein konnten die jungen Entdecker und Entdeckerinnen Sonnenflecken gemeinsam mit Julia Heuritsch beobachten, den Mars Rover “Dignity” steuern oder Wasserrakten bastelen. Eine tolle Aktion!

07 - Unicamp 2011

7 Unicamp 2011: Junge Weltraumtalenten hatten auch 2011 wieder die Möglichkeit eine Woche mit den Wissenschaflter und Wissenschaftlerinnen der Universität Innsbruck zu verbringen.  In der Gruppe Astrophysik wurde dieses Jahr ein Designprojekt gemacht, Aufgabe war die Planung einer Mission zu Saturns’ Eismond Enceladus.

08 - M. Taraba + N. Frischauf kurz vor dem Passepartout Launch

8 Passepartout Sherpa: Michael Taraba und Norbert Frischauf klären kurz vor dem Start die letzten Details. Gemeinsam mit der ISU (International Space University) wurde im August ein weiterer Stratosphärenballon, erstmals in der Konfiguration Sherpa, gestartet. Mit der “Sherpa” Neuerung konnte erstmals eine eigene Experimenten Payload Kapsel, bestückt von den Studenten und Studentinnen der ISU, mitgeschickt werden.

09 - Postraketen Start in Semriach (Steiermark)

9 Post aus dem Himmel: In Semriach wurde zu Ehren von Ing. Friedrich Schmiedl, der vor 80 Jahren erstmals eine Raketenpost gestartet hat, drei Jubiläumsstart unter der Leitung von Peter Haslinger (ÖWF Wien) durchgeführt. Dabei wurden 333 Erinnerungsstücke (50 Jahre alte Briefe) erfolgreich gefolgen. (c) Foto: Stefan Hauth

10 - Europlanet Preisübergabe Rede G. Grömer

10 Prize for Excellence in Public Engagement with Planetary Science: Diesen Preis, gestiftet von Europlanet, wurden 2011 an das ÖWF verliehen. Gernot Grömer übernahm dem Preis in Nantes und begeisterte das Publikum mit den ÖWF Aktivitäten bei seiner Dankesrede. (c) Foto: Lee Pullen, EPSC / Science Office.

11 - Eye in the Sky Publikum

11 Eye in the Sky 2011:  Nachdem Eye in the Sky 201o so erfolgreich in Oberösterreich war, wurde das Program 2011 verlängert. Othmar Coser hat inzwischen tausenden (!) Schüler und Schülerinnen das Thema Erdbeobachtung näher gebracht.

12 - Kosmos Show in Salzburg

12 Kosmos – die Entdeckung der Welt: Fulminant endet das Jahr 2011. Mit einer neuen Show zu den Abenteuern der frühen Entdecker bis hin ins Weltraumzeitalter – geplant von Alexander Soucek – begeisterte das ÖWF über 800 Besucher in Salzburg und Linz. (c) Foto: Katja Zanella-Kux

November 06 2011

Kommentare zum Entwurf der österreichischen Weltraumstrategie „Space 2020 – Weltraum – Zukunftsraum“

Die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) erstellt im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie eine Roadmap für Weltraumaktivitäten in Österreich mit einem Zeithorizont bis 2020. Dieses Strategiepapier ist derzeit in einer Diskussionsphase, zu der auch nationale Einrichtungen aus der Forschung und Industrie beitragen. Im gegenwärtigen Papier ” Space 2020 –
WELTRAUM – ZUKUNFTSRAUM” ist der Fokus auf der traditionellen Linien der österreichischen Weltraumagenden um “Stärken zu stärken”, selektiv neue wissenschaftliche und technologisch-wirtschaftliche Kapazitäten aufzubauen, Anwendungen von Weltraumaktivitäten zu intensivieren und einen verstärkten Dialog mit der Öffentlichkeit anzustreben.

DI Aron Lentsch von Orbspace und Partner des ÖWF hat in einem Beitrag an das BmVIT und die FFG verfasst, der einige wesentliche Optimierungspotentiale in der gegenwärtigen und zukünftigen Weltraumpolitik zeigt. Wir geben diese Eingabe wieder:

1. Klare Trennung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft (Technologie)

Ich halte eine klare und strikte Trennung zwischen der Förderung von wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Weltraumaktivitäten in der Strategiediskussion für unbedingt erforderlich und würde dies auch in der Struktur des Strategiedokument berücksichtigen wo dies möglich ist.1

1Ein Beispiel dazu sind die österreichischen Kleinsatellitenprojekte, die in das Gebiet der wissenschaftlichen Forschung fallen. Daraus wirtschaftliche Unternehmungen abzuleiten, würde einer Trennung Wissenschaft/Wirtschaft klar widersprechen und ist auch aus folgenden Gründen wirtschaftlich zweifelhaft: Erste universitäre Satelliten gab es bereits vor mehr als 40 Jahren (Australis-OSCAR-5, University of Australia, 1970). Es gibt seitdem im Kleinsatellitenbereich eine sehr begrenzte kommerzielle Nachfrage da es sich größtenteils um wissenschaftlich/universitäre Eigenbauprojekte handelt. Weltweit gibt es jedoch zahlreiche Anbieter – Österreich kommt hier 20-30 Jahre zu spät auf den Markt. Der Großteil der teuren Komponenten muss zugekauft werden (geringe Wertschöpfung). Es gibt in Österreich meines Wissens kein Unternehmen, welches das Know-How auf privatwirtschaftlicher Basis kommerziellen und gewinnbringend nutzen würden

2. Technologien für eine strategische Positionierung österreichischer Unternehmen

Für wirtschaftliche Aktivitäten sollte nach meiner Ansicht nicht die kurzfristige Schaffung bzw.Erhaltung von Arbeitsplätzen im Vordergrund stehen (tendenziell geringe „Hebelwirkung“), sondern vorallem das Ziel, mittel- und langfristige Potentiale zu erschließen: Welche Technologien ermöglichen eine strategisch vorteilhafte Positionierung österreichischer Unternehmen im internationalen Wettbewerb? Was sind potentielle neue Märkte in denen eine Positionierung noch möglich ist? Es ist meine Überzeugung, dass der Schlüssel zum Erfolg in neue Ideen und Technologien liegt, die Unternehmen im internationalen Wettbewerb zu Alleinstellungsmerkmalen verhelfen.

3. Bereitschaft zu Risiko für neue Ideen und Technologien

Neue Ideen und Technologien sind naturgemäß mit höheren Risiken verbunden. Der enormetechnologische Fortschritt in unvorstellbar kurzer Zeit am Beginn der Raumfahrtentwicklung, ist vor allem durch eine hohe Risikobereitschaft erklärbar. Große finanzielle Ressourcen alleine können diese Fortschritte nicht erklären, denn auch heute werden in der Raumfahrt beträchtliche Summen ausgegeben. Um nachhaltige und grundlegende Innovation zu ermöglichen, ist auch heute eine Risikobereitschaft der Fördergeberseite von grundlegender Bedeutung.
Ein Vorschlag zu einer möglichen Umsetzung wäre, einen kleinen Teil des Weltraumbudgets spezifisch für Aktivitäten mit hohem Risiko vorzusehen, ähnlich „High-risk venture capital“. Insbesondere in Bereichen, die heute durch ein sehr niedriges Innovationsniveau gekennzeichnet sind, wie zum Beispiel Weltrauminfrastruktur und Raumtransport, würde dieser Kontrapunkt aufgrund des Innovationsdefizits ein großes wirtschaftliches Potential eröffnen.

4. Kommerzielle Weltraumaktivitäten und „Entrepreneurship“

Neue wirtschaftliche Chancen und Potentiale durch neue Technologien zu erkennen und, diese wirtschaftlich gewinnbringend zu nutzen, ist das Grundprinzip jedes privatwirtschaftlich motivierten Unternehmers und Entrepreneurs. Wenn private Geldgeber, Unternehmer und insbesondere Jungunternehmer Ihre eigenen Ressourcen investieren, besteht naturgemäß nicht nur eine große Hoffnung auf wirtschaftliche Gewinne, sondern auch auf einen potentiell selbsttragenden Markt und somit einer großen Hebelwirkung öffentlicher Forschungsgelder. Dieses Grundprinzip privatwirtschaftlichen Denkens und Handelns ist in der Raumfahrt vielfach abhanden gekommen. Der Begriff „kommerziell“ wird oft irreführend und missbräuchlich verwendet. 2

Stattdessen wäre ein Besinnung auf und Förderung von „Intrepreneur“-Geist und privatwirtschaftlich motivierten Raumfahrtaktivitäten auch in Europa und Österreich sinnvoll und könnte ein neues Leitbild in der Weltraumstrategie sein. Die Bereitschaft zu eigenem privaten Risiko könnte dabei sogar als Kriterium für die Förderwürdigkeit von Weltraumprojekten dienen. Kann denn, umgekehrt betrachtet, ein Projekt wirtschaftlich erfolgreich sein, in das der Unternehmer selbst nicht vertraut, also selbst nicht investiert? Raumfahrt muss sich auf die ursprüngliche Bedeutung und Regeln von Marktwirtschaft besinnen und darf nicht ein „Dinosaurier der verstaatlichten Industrie“ bleiben. Auch in einem institutionell dominiert Markt ist dies möglich.

2 Ein Beispiel dafür ist das Unternehmen Arianespace, das ohne EGAS (European Granted Access to Space) Förderungen derESA in Milliardenhöhe wirtschaftlich nicht überlebensfähig wäre.

5. Internationale Sichtweise – Neue Herausforderungen frühzeitig erkennen

Für ein kleines Land wie Österreich, dass seine Weltraumaktivitäten in europäische und teilweise weltweite Partnerschaften einbetten muss, müssen die absehbaren Entwicklungen, Trends und Strategien der dominierenden Weltraummächte berücksichtigt werden. Eine nationale Weltraumstrategie, die zu einer Stärkung der österreichischen Forschung und Wirtschaft führen soll, sollte daher diese weltweiten Entwicklungen und Strategien aufgreifen und reflektieren. Dieser „Blick nach außen“ ermöglicht auch neue Veränderungen und neue Herausforderungen frühzeitig zu erkennen, und damit die österreichische Weltraumlandschaft darauf vorzubereiten und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Ein Beispiel dafür ist die Strategie der NASA, Routinetätigkeiten in der Raumfahrt an privat-wirtschaftlich orientiere Unternehmen zu vergeben und dafür einen Markt zu schaffen. Diese und andere Entwicklungen sollten ernst genommen und analysiert werden, weil sie früher oder später einen Einfluss auf Österreich haben werden.

6. Kritischer Rückblick – Aus Fehlern lernen und verbessern

Ein kritischer Rückblick der bisherigen Strategien und gegebenenfalls Anpassungen, könnten die neuen Weltraumstrategie noch verbessern. Auch aus Fehlern und Erfolgen anderer Länder zu lernen, würde die neue Strategie verbessern. 3
Hat die bisherige Weltraumstrategie die Ziele erreicht? Sind österreichische Unternehmen heute wirtschaftlich erfolgreicher (profitabler) und unabhängiger von nationalen Förderungen als zuvor? Sind sie heute in Europäischen Projekten in einem höheren Wertschöpfungssegment tätig? Welche Umsätze erzielen die vor 10 Jahren entwickelten Technologien heute? Könnte nicht die Förderung neuer Ideen und junger Firmen neue Chancen einer wirtschaftlichen Entwicklung ermöglichen?

3 Schweden hat zum Beispiel bereits vor 25 Jahren seinen ersten Satelliten gestartet und verfügt seitdem auch über die entsprechenden Bodeneinrichtungen die heute kommerziell genutzt werden http://www.ssc.se/satellite-control.

Aron Lentsch, Orbspace

Diese Gedanken wurden auch als Brief auch an das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie und die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft/ALR weitergeleitet.

October 31 2011

Interview: Dr. Barbara Imhof, Liquifer

Barbara Imhof speaking at IAC (c) Ondrej Doule

Barbara Imhof speaking at IAC (c) Ondrej Doule

Dr. Barbara Imhof, Mitbegründerin, Geschäftsführerin, Projektleiterin, Architektin von LIQUIFER Systems Group, Polarsternpreisträgerin 2011, Wien, gewährt uns hier interessante und detailreiche Einblicke in das Thema Design von Weltraumhabitaten. Einen Teil ihrer langjährigen Erfahrungen in einer Vielzahl von Designprojekten bei der NASA und für die ESA sowie Lehrtätigkeiten an verschiedenen internationalen Universitäten teilt sie im folgenden Interview mit uns.

 

ÖWF: Haben Sie schon viele Habitate designt?

Im Laufe der letzten 15 Jahre, in denen ich mich mit dem Weltraum beschäftigt habe, habe ich schon einige “Habitate” mit-designt. “Mit-designt” deshalb, weil man ja immer im Team arbeitet und die eigene Leistung als Teil eines Ganzen gesehen werden muss. Besipiele für solche Habitate wären eines für die Marsoberfläche, ein sogenanntes “Surface-Habitat”, mobile Habitate wie beispielsweise ein Raumschiff für den Mars und ein mobiles Forschungsfahrzeug für den Mond und den Mars. In meiner langjährigen Lehrtätigkeit an Universitäten war ich an der Entwicklung von vielen Weltraumhabitaten beteiligt, für Umgebungen, wie den Mond, den Mars oder die Schwerelosigkeit.

Habitat kommt vom lateinischen Wort habitare „wohnen“ und bedeutet auch die Wohnstätte, Wohnort oder Lebensraum. Als Architektin habe ich natürlich noch viel mehr solche Lebensräume oder Wohnorte für Menschen entworfen oder gebaut.

ÖWF: Circa wie viele Gespräche mit wie vielen Fachleuten müssen geführt werden, bevor Sie an das Design herangehen können?

Die Teams oder Firmenkonsortien, in denen wir arbeiten, beinhalten meistens alle Fachdisziplinen, die für die Entwicklung eines Habitats notwendig sind. Jene Fachleute bilden einen wesentlichen Bestandteil der Teams, sind also ständig am Entwicklungsprozess beteiligt. Was im Vorfeld geklärt werden muss, ist unter anderem die Zusammensetzung des jeweiligen Teams wobei es zu berücksichten gilt, dass große Teams in ihrer Kommunikation auch sehr schwerfällig werden können. Die Disziplinen, die für uns als ArchitektInnen und DesignerInnen unbedingte Partner darstellen sind auf einer Strukturebene die SystemingenieurInnen und auf der Detailebene die Disziplinen der sogenannten Human Factors wie Ergonomie oder auch Physiologie, Soziologie und Psychologie.

ÖWF: Findet ganz zu Anfang eines Projektes ein Brainstorming mit weißen Blättern statt?

Weiße Blätter kommen öfter im Designprozess vor, dennoch ist das Gehirn kein unbeschriebenes Blatt. Zudem kann man sich auf vorhergehende Projekte beziehen, die man nach einer Erstrecherche zur Grundlage des Brainstormings erklären kann. Wir führen aber auch erste Diskussionen mit unseren Arbeitspartnern über Skype und E-Mail, deshalb gibt es danach verschiedenes Material, das den Beginn eines Entwurfs darstellt.

RAMA- Rover for Advanced Mission Applications (2009 für ESA) (c) LIQUIFER Systems Group/rendering Waclavicek

RAMA- Rover for Advanced Mission Applications (2009 für ESA) (c) LIQUIFER Systems Group/rendering Waclavicek

ÖWF: Können Sie auf Erfahrungswerte von der MIR und der ISS zurückgreifen?

Durch meine Arbeit bei der NASA am Johnson Space Center Ende der 90er Jahre kann ich auch auf Erfahrungsberichte von Astronauten zurückgreifen, die damals auf einer sechs-monatigen Shuttle-Mir Mission waren. Die Internationale Raumstation ist sehr gut im Internet dokumentiert und wir haben auch sehr gute Beziehungen zu einigen Astronauten, die uns Erfahrungsberichte aus erster Hand liefern. Insofern können wir auf Erfahrungswerte beider Raumstationen zurückgreifen.

ÖWF: Wie groß darf ich mir ein Team vorstellen, dass ein zukünftiges Habitat designt?

Das Team, das ein zukünftiges Habitat auf dem Mond und auf dem Mars baut, wird nahezu unüberschaubar groß sein, wollte man alle ins Projekt involvierten Personen, wie es etwa in einem Filmabspann üblich ist, nennen. Zudem würden bei so einem Projekt eines Habitats viele Länder mitarbeiten.

Die wichtigsten Disziplinen wäre hier wohl: Missionsanalyse, Sicherheitstechnik und Risikoanalyse – hierbei geht es beispielsweise um den Schutz vor Strahlung – Systemingenieurswesen, thermische Faktoren, Struktur, Konfiguration und Design von Modulen, Lebenserhaltende Systeme, Kommunikation, Human Factors (Bewohnbarkeit, Ergonomie etc.), Physiologie, Psychologie, Astrobiologie für die Oberflächenerkundung, Instrumente, Programmatik, Telemetrie und Landung, operationelle Angelegenheiten, Mensch-System-Integration, Simulation und Tests, Kostenkontrolle, Marketing und Vermittlung

Für verschiedene Phasen eines Projektes bräuchte man mindestens eine Person pro Fachgebiet und je weiter es in Richtung Umsetzung geht, desto mehr Menschen wären nötig, um so ein Projekt gelingen lassen zu können.

ÖWF: Wie viele Arbeitsstunden stecken in so einem Projekt?

Wie vorhin beschrieben, werden so die Arbeitsstunden fast unzählbar. Durch die notwendige Kommunikation zwischen den vielen SpezialistInnen muss man eine normale Arbeitsstunde sicher um das 1,5 fache erhöhen, wenn nicht verdoppeln. Eine andere in der Architektur gebräuchliche Methode ist, das Budget zu fixieren und zu sagen, damit muss ein Habitat für den Mond gebaut werden. Damit wären natürlich noch nicht die Kosten des Transports gedeckt, der vielleicht noch einmal soviel oder sogar mehr als der Bau des Habitats kostet.

ÖWF: Gehen Sie beim Design eines Habitats für den Langzeitaufenthalt im All (Reise von der Erde zu Planet x, wir können gern vom Mars ausgehen) anders heran als beim Design eines feststehenden Habitats für den Mars?

Eine Reise in einem Raumschiff würde unter Schwerelosigkeit erfolgen. Dieser sehr spezielle Zustand kennt kein oben und unten und wir sind schwerelos, können von einem Raumbereich in einen anderen schweben. Normale Alltagsgegenstände, wie Tische, Sessel, Betten sind unnütz und widersprechen dem Paradigma von einem schwerelosen und gänzlich dreidimensional erfassbaren Raum. Es ist ein bisschen wie beim Tauchen, wo man kopfüber den Steilhang eines Felsens unter Wasser hinuntertauchen kann. Das heißt, Schwerelosigkeit unterscheidet sich ganz grundsätzlich von der Umgebung einer planetaren Oberfläche. Für den befahrbaren Raum zwischen den Planeten braucht man ganz andere Innenräume und man muss alles, was man bisher über Schwerkraftumwelten weiß außer Acht lassen können. Das ist eine sehr spannende Entwurfsaufgabe.

ÖWF: Was waren für Sie die interessantesten/coolsten/überraschendsten Erkenntnisse bei Ihren Projekten?

Drei Dinge wären hier zu nennen:

  • Entwerfen für die Schwerelosigkeit.
    Hierbei spielt wirklich diese unglaubliche Umgebung und das Neudenken von allem, was mit Design zu tun hat eine Rolle. Wie können Räume entworfen werden, in denen man sich schwebend weiterbewegt? Man braucht hier keine Stiegen, die Horizontalebene, auf der wir uns normalerweise geschoßweise bewegen, ist nicht nötig. Runde Formen sind besser, weil man sich nicht verletzt, wenn man sich mit den Füßen, die man ja nicht im Gesichtsfeld hat, an Einrichtung oder Wandkanten stößt.
  • Arbeiten in internationalen und interdisziplinären Teams.
    Das, was ich von meiner Kindheit gewohnt bin, mit Menschen aus aller Welt zu kommunizieren, habe ich in mein Arbeitsleben gebracht. Es ist eine Herausforderung mit immer wiederkehrender Selbstermahnung zu Toleranz und Verständnis.
  • “Change of The Right Stuff“: The Right Stuff, das waren die ersten Astronauten; weiß, männlich und mit militärischem Hintergrund. Das hat sich geändert und aus Erfahrung kann ich sagen, dass es sich bei den AstronautInnen, und Kosmonauten, die die Internationale Raumstation bewohnen, um Menschen handelt, die zwar eine ähnliche Geisteshaltung besitzen, aber sonst sehr unterschiedlich agieren. Die Geschichten, die sie aus dem Weltraum erzählen können, sind eine der Grundlagen, auf die wir beim Entwurf von Weltraumhabitaten angewiesen sind.

ÖWF: Wie testen Sie ihre Designvorschläge auf „Alltagstauglichkeit“? (Ausschließlich durch Simulationen oder werden Teile auch nachgebaut?)

Die meisten Entwürfe testen wir in der Simulation, wobei hier die virtuellen im Computer von den realen auf der Erde zu unterscheiden sind. Unser mobiles Forschungsfahrzeug RAMA (Rover for Advanced Mission Applications) haben wir nur im Computer simuliert; besonders interessant war hierbei die Simulation der transformierbaren Möbel der Innenräume. Immer wieder suchen wir das Feedback durch Experten, um eine kontinuierliche Verbesserung unseres Designs schaffen zu können.

Unseren Astronautenschlafsack haben wir mit erfahrenen Astronauten auf der Erde getestet und einen flugfähigen Prototyp hergestellt.

ISS-Sleep-Kit, dem Astronautenschlafsack (2011 für ALR der FFG) made in Austria (c) Hintergrund courtesy of NASA, Schlafsack: LIQUIFER Systems Group.

ISS-Sleep-Kit, dem Astronautenschlafsack (2011 für ALR der FFG) made in Austria (c) Hintergrund courtesy of NASA, Schlafsack: LIQUIFER Systems Group.

ÖWF: Gibt es Gegenstände, die auf der Erde völlig anders genutzt werden als z. B. in einem Habitat auf dem Mars? Gab es da Überraschungen?

Aus Erfahrungsberichten von Besatzungsmitgliedern weiß man, dass bestimmte Dinge oder Einrichtungsgegenstände zweckentfremdet werden. Die Dusche auf der Mir war sehr umständlich aufzubauen, eine zylinderförmige Plastikkabine mit einem Wasserschlauch. Nach einer Duscheinheit, bei dem man Wasser nur in großen Tropfen auf einen Schwamm mit Seife und dann auf die Haut reiben konnte, musste man die Dusche wieder säubern. Da Wasser in der Schwerelosigkeit nicht fließt, war das Duscherlebnis nicht besonders und nur zeitaufwändig. So haben die Kosmonauten eine Art Dampfsauna aus dieser Dusche gemacht, was in der Schwerelosigkeit besser funktioniert. Auf der Internationalen Raumstation gibt es keine Dusche mehr, nur noch warme feuchte Tücher, um sich zu reinigen. Man muss sich einfach vorstellen, dass man auf einer Raumstation immer auch improvisieren muss, da man fehlende Ersatzteile ja nicht einfach besorgen kann. Schon allein deshalb werden Gegenstände zweckentfremdet. Prinzipiell sind Möbel, die transformierbar sind und Räume, die multifunktional sind besser für eine Weltraummission geeignet, als solche, die diese Eigenschaften nicht besitzen. Nicht umsonst können AstronautInnen persönliche Gegenstände wie Taschenmesser oder Scheren mit sich führen, welche vielgenutzte Werkzeuge sind.

ÖWF: Bedenken Sie beim Design hauptsächlich die Zweckmäßigkeit oder achten Sie auch auf kleine Annehmlichkeiten? (Hierbei denke ich an die fast nicht vorhandene Privatsphäre außer in Schlafkojen z. B. oder an eine Runde Kartenspielen mit allen Crew-Mitgliedern. Je nach Bedarf sind andere Platzverhältnisse gefragt, der Raum ist jedoch äußerst begrenzt.)

Ein wichtiger Teil der Arbeitsaufgabe von ArchitektInnen und DesignerInnen besteht darin, für Menschen Umgebungen zu entwerfen, in denen man sich auch wohl fühlt. In einer ökonomisierten Welt kann man das sehr gut dadurch argumentieren, dass man Performanceerhalt und gute Arbeitsleistung an eine entsprechende Umgebung knüpft. Das beweisen schon sehr viele große internationale Firmen wie Google und Microsoft, die Arbeitswelten entwerfen lassen, in denen man sich wohlfühlt. Für die Raumfahrt ist das besonders wichtig, da es sich hier um das Leben unter extremen Bedingungen handelt. Damit eine Mission zum Mars erfolgreich ist, muss der Innenraum eines Raumschiffes entsprechend gestaltet werden und jedem Besatzungsmitglied eine eigne Privatsphäre und Kabine zugänglich sein. Wir leben auf der Erde in einer Welt mit vielfältiger sensorischer Stimulation. Wenn wir lange auf einer Raummission sind, brauchen wir in einer Raumstation, einem Raumschiff oder Habitat ebenfalls eine Annäherung an diese komplexe sensorische Simulation, damit wir in sozio-psychologischer Hinsicht fit bleiben können. Besonders mit Techniken der Virtual Reality lassen sich hier gewichtsfrei viele Ideen umsetzen, beispielsweise leicht handhabbare Lichtsteuerung, virtuelle Fenster zur Erde und virtuell-reale interaktive Kommunikation mit Freunden und Familie zuhause.

Ganz herzlichen Dank, Frau Dr. Imhof, für die ausführliche Beantwortung der Fragen, Sie haben mir das Interview sehr leicht gemacht. :-)

Wer sich noch weiter über die Projekte von Liquifer informieren möchte, dem sei die Webseite empfohlen: www.liquifer.at

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