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January 19 2014

ÖWF Polarsternpreis 2014: Gesucht Menschen, die für Weltraum begeistern

Jetzt bewerben – zur Online Bewerbung

2014 sucht das Österreichische Weltraum Forum erneut nach Menschen, die für den Weltraum begeistern. Ab sofort können Kandidatinnen und Kandidaten für den österreichweit, einzigartigen Polarsternpreis nominiert werden. 

ÖWF Polarsternpreis 2013 - Visualisierung von Artica (c) stg123

Der Polarsternpreis zeichnet Personen aus, die sich durch persönliches Engagement, zukunftsweisende Projekte und durch außergewöhnliche Leistungen im Dienste der österreichischen Weltraumaktivitäten engagieren.

“Wir haben in den letzten Jahren fünf inspirierende Menschen mit der Polarsternpreis Trophäe auszeichnen können, um so mehr freut es mich, dass wir diesen einzigartigen Preis auch 2014 weiterführen können. Ich freue mich schon auf die Bewerbungen.”,

meint Olivia Haider, ÖWF Vorstand und Initiatorin des Polarstern-Preises.

Polarsternpreis 2013 ergeht an Othman Mazlan

ÖWF Vorstand Dr. Gernot Grömer (re) überreicht Dr. Mazlan Othman (li) den Polarsternpreis 2013

Erstmals wurde der Polarsternpreis 2009 vergeben. Erster Preisträger war Michael Köberl, passionierter Sammler von Objekten aus dem Raumfahrtbereich, der seine Exponate einem
breiten Publikum zugänglich macht. Im darauffolgenden Jahr erhielt Maria Pflug-Hofmayr, Weltraumredakteurin, Mitbegründerin von Der-Orion.com und Übersetzerin von „Astronomy picture of the day“, die ÖWF Trophäe. 2011 ging der Preis an Barbara Imhof, die als Weltraumarchitektin und Designerin auch immer wieder die Jüngsten für den Weltraum interessiert. 2012 wurde Dr. Dietmar Hager, Unfallchirurg und begeisterter Astrofotograf, prämiert. Er begeistert nicht nur immer wieder durch seine Vorträge, sondern engagiert sich auch gegen die Lichtverschmutzung. Der Jubiläums-Polarsternpreis 2013 ging an Dr. Mazlan Othman: Astrophysikerin. Weltraumadvokatin. Direktorin des UN Büros für Weltraumfragen. Frau Othman hat sich seit ihrer Studienzeit im Weltraumsektor engagiert und gehört weltweit zu den angesehendsten Persönlichkeiten in diesem Sektor.

“Wir suchen die Menschen, die sich ohne Auftrag, ohne Belohnung aber mit Herzblut für Astronomie und Raumfahrt engagieren. Wenn Sie sich angesprochen fühlen oder einen Menschen kennen, auf den diese Beschreibung zutrifft, laden wir Sie zur Nominierung für den Polarsternpreis 2014 ein. Wir freuen uns auf Ihre Geschichte! “,

erklärt Dr. Gernot Grömer, ÖWF Obmann.

Die Nominierung der Kandidaten kann durch Eigennominierung, Fremdnominierung oder durch direkte Auswahl einer geeigneten Person durch die Jury erfolgen. Der Preis besteht aus einer Trophäe, einem Betrag von € 800,00 und der Veröffentlichung des Preisträgers bzw. der Preisträgerin. Der Polarstern ist ein Symbol für richtungsweisende Ideen – genau so, wie die Preisträger für Ideenführerschaft, Initiative und Eigenmotivation stehen.

Der Preis kann nur an physische Personen verliehen werden, die Vergabe ist nicht an Nationalität, Beruf, Geschlecht oder Sprachzugehörigkeit gebunden. Die Ausschreibungsfrist endet am 15. März 2014 (Datum des Einlangens beim ÖWF). Die Bekanntgabe des Gewinners und die Verleihung des Preises erfolgt am 12. April 2014 im Rahmen der Yuris Night 2014 im Naturhistorischen Museum Wien.

Interesse?
Falls Sie sich oder jemanden aus Ihrem Umfeld für den Polarstern-Preis bewerben möchten, füllen Sie bitte die Online-Bewerbung aus, in dem Sie uns über die Projekte, Initiativen oder herausragenden Personen auf dem österreichischen Weltraumsektor berichten.

April 12 2013

Jubiläums-Polarsternpreis 2013 ergeht an Dr. Mazlan Othman

Polarsternpreises im Rahmen der Yuris Night 2013 verliehen. Der Preis des Österreichischen Weltraum Forums zeichnet Menschen aus, die für den Weltraum begeistert.

Dr. Mazlan OthmanPolarsternpreisträgerin 2013: Dr. Mazlan Othman: Astrophysikerin. Weltraumadvokatin. Direktorin des UN Büros für Weltraumfragen.

Mazlan Othman wurde 1951 in Seremban, Malaysia geboren. Sie studierte in Neuseeland und kehrte 1981 als erste weibliche Astrophysikerin nach Malaysia zurück. Dort arbeitete Sie zunächst an einem Curriculum für Astrophysik an der nationalen Universität und begeisterte gleichzeitig die Öffentlichkeit für Astronomie und Weltraum. 1993 wurde sie vom malaysischen Ministerpräsidenten als Generaldirektor für die neue Regierungsabteilung für Weltraumwissenschaften ernannt. Für diese Behörde ruf sie das Mikrosatellitenprogram ins Leben. 1999 berief UN Generalsekretär Kofi Annan Mazlan Othman als Direktorin des UN Büros für Weltraumfragen (United Nations Office for Outer Space Affairs UNOOSA) nach Wien.

Donning Aouda.X mit malaysischen AstronautenSheikh Muszaphar Shukor

Donning Aouda.X mit malaysischen AstronautenSheikh Muszaphar Shukor

Sie kehrte 2002 für fünf Jahre nach Malaysia zurück als Gründungsdirektorin der Malaysischen Weltraumagentur und um den ersten Weltraumflug des malaysischen Astronauten „Sheik Muszaphar “ zu ermöglichen. (Anmerkung ÖWF Redaktion: Sheik Muszaphar Mazlan schlüpfte 2009 anlässlich der World Space Week in unseren Aouda.X Mars Raumanzug Simulator). Ab 2007 leitete Mazlan Othman erneut als Direktorin der UNOOSA nach Wien.

I am delighted to accept this great honour.

I would like to make the observation that this Award is made for contributions “above and beyond duty”.  In this context, I would like to refer to the fact that I have had the exceptional privilege of performing duties given to me.

The duties I performed in Malaysia were part of a national strategy, but I would be remiss if I did not inform you that I was immensely inspired by the vision of my Prime Minister, which moved me to reach out and struggle beyond everything I imagined I could do.

In the United Nations, my duties with regard to outer space activities were guided by Member States.  But, I would like to say that it was the aspiration and commitment of developing countries that particularly motivated me.  Thanks to them, I could envision where the best benefits could be applied and where their contributions could best be invested.

And so, I accept this honour on behalf of the people of Malaysia whom I duly served and the developing countries whose dream of participating in space activities has been realized.

I am thankful for this light in my soul that has been set ablaze and I assure you this fire will never be extinguished.

Mazlan Othman Dankesrede im Wortlaut.

„Dr. Othman hat sich ihre gesamte Karriere für die Faszination bemannte Raumfahrt und Astronomie engagiert und ein Land das bis dahin kaum in Weltraumaktivitäten engagiert war zu einer eigenen Raumfahrtagentur verholfen“

meint Dr. Gernot Grömer, ÖWF Vorstand.

„Sie gehört im Weltraumsektor zu den angesehendsten Persönlichkeiten weltweit, hat viel bewegt und noch mehr Menschen begeistert.“

Der Preis wurde im Planetarium Wien, während der Yuris Night 2013 übergeben und ist mit einem Preisgeld von 800,00 € und einer eigens angefertigten Trophäe dortiert. Frau Othman wird das Preisgeld an die Einrichtung „CliniClown“ gemeinnützige spenden, wo es der Behandlung von schwerstkranken Kindern und Erwachsenen zu Gute kommen wird.

Das Österreichische Weltraum Forum gratuliert ganz herzlich!

Weitere Informationen:

March 14 2013

Yuris Night 2013 – Kosmos der Frauen

Wie jedes Jahr am 12. April feiern wir auch heuer wieder den ersten Raumflug eines Menschen – des Kosmonauten Yuri Gagarin. Traditionell werden wir auch einen Menschen auszeichnen, der andere für Astronomie und Weltraum begeistern kann und den Polarsternpreis des Österreichischen Weltraum Forums, bereits zum fünften Mal verleihen.

Aus Anlass des 50.ten Jahrestag des Erstflugs der Kosmonautin Walentina Tereschokwa widmen wir die heurige Yuris Night, dem Kosmos der Frauen und haben dazu auch internationale Wissenschaftlerinnen eingeladen.

Beginn: 12. April 2013, 17:45
Ort: Planetarium Wien
Eintritt frei.

Programm:

  • 17:45 Uhr: Einlass
  • 18:00 Uhr: Begrüßung mit Mag. Werner Gruber, Science Busters
  • 18:15: Uhr Key Note Speech Prof. Mazlan Othman, Prof. Mazlan Othman,
    Director of the United Nations Office for Outer Space Affairs (UNOOSA)
  • 18:40 Uhr Die faszinierende Suche nach einer zweiten Erde
    Lisa Kaltenegger, Universität Harvard und Max-Planck-Institut für Astronomie
  • 19:20 Uhr Das Higgs-Teilchen, Baumeister des Universums
    Dr. Claudia-Elisabeth Wulz, CERN und ÖAW
  • 20:00 Uhr kurze Pause
  • 20:15 Uhr Forschung im Weltraum
    Podiumsgespräch mit Gerda Horneck, DLR
  • 21:00 Uhr kurze Pause
  • 21:15 Uhr Live kommentierte Planetariumsshow
  • 21:50 Uhr Verleihung des Polarstern Preises des Österreichischen Weltraum Forums (ÖWF)
  • Ausklang bei Musik und Erfrischungen

Mehr Information unter: www.der-orion.com/yuri

Flyer Yuris Night

Filmtipp: Das Top Kino präsentiert am 11. April, 19:30 Uhr “Fliegerkosmonauten” der in Berlin lebenden Regisseurin Marian Kiss.

Im Anschluss findet ein Publikumsgespräch mit der Regisseurin statt.

Kartenreservierung: www.topkino.at

April 12 2012

Polarsternpreis 2012 ergeht an Dietmar Hager!

Polarsternpreis 2012 TrophäeBereits zum vierten Mal wurde heuer der österreichische Weltraum Oscar in Form des Polarsternpreises verliehen. Mit diesem Preis zeichnet das Österreichische Weltraum Forum Menschen aus, die für den Weltraum begeistern.

Polarsternpreisträger 2012: Dr. Dietmar Hager: Unfallchirurg. Astrofotograf. Lichtverschmutzungsadvokat.

Dietmar Hager, geboren in Linz (Oberösterreich), ist auch begeisterter Astrofotograf, der zwei Sternwarten betreibt – eine davon remote in Frankreich. Der Fellow der Royal Astronomical Society (Großbritannien), hält laufend spannende Astronomievorträge im Ars Electronica Center Linz und publiziert regelmäßig international anerkannte Weltraumaufnahmen auf höchstem Niveau. Seine Aufnahmen und Publikationen sind werden auch auf seiner Homepage publiziert: www.stargazer-observatory.com/ und sollen die Menschen wieder für den Sternenhimmel sensibilisieren.

„Die Schönheit und Ästhetik im Nachthimmel berührt meine Seele. So strebe ich nach möglichst schönen Astrofotos, um daran Geschichten zu knüpfen und die Menschen daran teil haben zu lassen, die sich wenig mit der Sternenwelt auskennen oder davon wissen.“
Dietmar Hager

Dr. Dietmar Hager (c) rubra

Dr. Dietmar Hager (c) rubra

„Es ist uns sehr wichtig, private Initiativen zu fördern, die für Weltraum begeistert. Mit Dr. Dietmar Hager zeichnen wir heuer wieder einen engagierten Menschen aus, der sich neben seinem Beruf als Handchirurg mit unglaublichem Enthusiasmus & Engagement auf die zunehmende Lichtverschmutzung aufmerksam macht. Dabei scheut er nicht davor zurück, bei Bürgermeistern die Klinken zu putzen und trägt durch seine zahlreiche Vortragstätigkeit bei, das Thema in der Öffentlichkeit zu verbreiten“,

meint Gernot Grömer, Vorstand des ÖWF.

Der Preis wurde in Wien im Rahmen der Yuris Night im Naturhistorischen Museum, anlässlich des Jahrestages von Yuri Gagarins erstem Raumflug feierlich übergeben und ist mit 800,00 € und einer eigens angefertigten Trophäe dotiert.
Das Österreichische Weltraum Forum gratuliert ganz herzlich!

Lesen Sie auch

Interview mit Dr. Dietmar Hager, Polarsternpreisträger 2012

Dietmar Hager während eines Vortrags im Deep Space des Ars Electronica CenterÖWF: Herr Dr. Hager, wie kommt man als Spezialist für Handchirurgie zu einem solch enormen Engagement gegen Lichtverschmutzung?

Als ich 2008 auf der Dark Sky Tagung war in Wien, da trat Itaii Kloog auf, ein Chronobiologe, der über seine Forschungen berichtet hatte. Er erzählte uns davon, dass Licht bei Nacht uns sehr schwer krank machen kann. Mittlerweilen hat die WHO Lichtverschmutzung als Krebsrisikofaktor definiert und bestätigt. Als ich damals aus der Vortragsserie heimgefahren bin, sagte ich zu mir, das muss unters Volk: auf allen Ebenen: Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft, als auch jeder einzelne Bürger.

ÖWF: Was genau bedeutet Lichtverschmutzung?

Es ist der übertriebe Luxus an künstlichem Licht bei Nacht. Ein Symbol für die Verschwendungssucht, die wir uns zum Laster haben werden lassen.
Wir haben das gesunde Augenmaß verloren für die Menge an Licht, die wir wirklich benötigen. Es ist gleichzeitig eine Visitenkarte und ein Symbol für die Gesellschaft in der wir leben. Es kommt dabei der achtlose Umgang mit irdischen Ressourcen zum Ausdruck. Und das ist wiederum angetrieben aus der Tatsache, dass wir eine angstgesteuerte Gesellschaft geworden sind. Tatsächlich brauchen wir diese vorhandene Lichtintensität und streubreite nachweislich nicht für die Sicherheit.

ÖWF: Die Risiken von zu viel Licht bei Nacht für z. B. Insekten, Schildkröten und auch Vögel wurden viel besprochen und publiziert. Neben der Energieverschwendung welche konkreten Schäden, kann der Mensch durch eine zu „helle“ Nacht erleiden?

Wir unterscheiden zwei wesentliche Quellen der Lichtverschmutzung: 1) Licht, das bei Nacht von außen ins Schlafzimmer eindringt. 2) Licht, das wir selbst in unseren Schlafzimmern anlassen, als Nachtlicht, als Computerbildschirm oder Fernsehlicht, etc. Lichtverschmutzung macht uns krank: Kleinstkinder laufen Gefahr, eine retinale Sehschwäche zu entwickeln, die unheilbar ist. Lichtverschmutzung kann das Immunsystem stark negativ beeinflussen und kann, wie Kloog uns gezeigt hat, sogar zu bestimmten Formen der Krebserkrankung führen. Klarerweise gibt es viel schwerwiegendere Risikofaktoren, wie Rauchen, Alkohol, Übergewicht, Bewegungsmangel etc. aber es zeigt, dass dieser nutzlose Energieverbrauch so weite Kreise ziehen kann.

ÖWF: Wie sehr beeinflusst die Lichtverschmutzung Ihr Hobby die Astrofotografie? Hat es Veränderungen in den letzten Jahren gegeben?

Die Astrofotografie ist mittlerweile durch meine rege Vortragstätigkeit sogar zu meinem Zweitberuf geworden. Und natürlich ist das Licht bei Nacht massiv störend! Stellen sie sich vor: das Licht der Sterne und Welten in andern Galaxien konnte bisher ungehindert zu uns durchdringen, seit wir aber das Licht bei Nacht immer mehr werden lassen, wird dieses Sternenlicht verschluckt in einer künstlich völlig überzogenen nächtlich beleuchteten Atmosphäre über unseren Kommunen und kommt nicht mehr durch. Der Plot dahinter: Sternenlicht hat uns immer schon geholfen, die Welt zu verstehen in der wir leben. Astronomie stiftet unser Weltbild! Wir dürfen gespannt sein, wie klein das Weltbild unserer Kinder und Kindeskinder zusammenschrumpfen wird, wenn die Nacht einmal völlig abgeschafft sein wird.

ÖWF: Was kann jeder persönlich tun, um Lichtverschwendung und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken zu verringern bzw. ganz zu vermeiden?

Regel 1: Überprüfe die Notwendigkeit der Beleuchtung
Ist die Leuchte wirklich notwendig? Fragen Sie sich grundsätzlich bei jeder Beleuchtung im Außenraum, ob diese tatsächlich notwendig ist.
Regel 2: Von oben nach unten beleuchten
Beleuchten Sie von oben nach unten. So vermeiden Sie, dass Licht in die Atmosphäre abstrahlt. Nehmen Sie Rücksicht auf die Umwelt, auf die Nachbarn, auf die nachtaktiven Tiere, auf ihre eigene Gesundheit. Seien sie einfach ein bewusster Mensch.
Regel 3: Leuchten abschirmen
Achten Sie darauf, dass vorhandene Lampen abgeschirmt sind. Optimal ist es, wenn der Leuchtkörper nicht sichtbar ist. Die besten Umweltbedingungen können durch sogenannte full cut off-Leuchten geschaffen werden. Ihr Licht strahlt über plane Verglasungen ausschließlich nach unten ab.
Regel 4: Beleuchtungsstärke und Beleuchtungsart anpassen
Wählen Sie die richtige Beleuchtungsstärke. Und achten Sie darauf, dass die Beleuchtungsart der Situation angepasst ist.
Regel 5: Leuchtdauer zeitlich begrenzen
Die wenigsten Lampen müssen die ganze Nacht hindurch brennen. Begrenzen Sie die Beleuchtungsdauer zeitlich sinnvoll.
Regel 6: Information weitergeben
Das eigene Umfeld soll mit adäquater Information versorgt werden.
Regel 7: Steuerung der Nachfrage durch achtsamen Einkauf
Kaufen Sie nicht irgendeine Laterne oder Lampe. Ziehen zum Lampenkauf 3 vernünftige Kriterien heran:

  • Wohin lässt die Laterne das Licht strahlen? Vermeiden Sie dabei Laternen, welche das Licht zu allen Seiten abgeben. Wählen sie jene, welche das Licht möglichst nur nach unten auslassen.
  • Welche Leuchtmittel sind verwendbar? Vermeiden Sie Quecksilberhaltibe Leuchtmittel und jene mit einem hohen Blauanteil.
  • Brauche ich die Laterne wirklich?

Fassen Sie Mut zu hinterfragen, ob das angebotene auch genau jene Kriterien erfüllt. Fassen Sie Mut eine eigene Meinung zu haben und sie auch zu vertreten.

ÖWF: Möchten Sie mit Ihrem Hobby etwas Konkretes entdecken, haben Sie ein Beobachtungsziel/-wunsch? Suchen Sie etwas oder lassen Sie sich immer wieder neu von Bildern überraschen?

Für die Frage bin ich dankbar!
Ich habe keinerlei wissenschaftliche Ambition in meiner Tätigkeit. Mein Antrieb die Sterne zu fotografieren hat folgende Motivation:
Die Schönheit und Ästhetik im Nachthimmel berührt meine Seele. Dies ist mir ein unschätzbares Werkzeug zur RELIGIO also zur Rückbindung an die Natur, die wir Menschen dringendst brauchen. Und ich liebe es, die Menschen daran teil haben zu lassen. So strebe ich nach möglichst schönen „pretty picture“ Astrofotos, um daran Geschichten zu knüpfen, die ich zu den Menschen trage, die sich wenig mit der Sternenwelt auskennen oder davon wissen. Das Bild dient als Medium, als Transportgefäß mit emotionalem Inhalt.

ÖWF: Sind Astronomen für das Thema Lichtverschmutzung empfänglicher als Nichtastronomen?

Nein. Empfänglich ist jeder Mensch, der fähig ist zur Abstraktion und bereit ist, in unserer hochbeschleunigten Welt inne zu halten und einen Moment mal im jetzt anzukommen. Dann stellt er fest, dass vieles in unserem System nicht stimmt. Lichtverschmutzung ist ja nur eines der vielen hausgemachten Probleme…

ÖWF: Vielen Dank Herr Dr. Hager, dass sie uns etwas Ihrer Zeit geschenkt haben, um für dieses wichtige Thema weitere Öffentlichkeit zu schaffen.
Marlen Rab

Dietmar Hager wurde am 12. April 2012 mit dem Polarsternpreis des ÖWF ausgezeichnet für sein Engagement und persönlichen Einsatz rund um das Thema Lichtverschmutzung & Astronomie.

January 30 2012

Yuris Night 2012 im Naturhistorischen Museum Wien

Wann: 12. April 2012, 18 Uhr
Wo: Naturhistorisches Museum Wien
Eintritt frei!

Dieses Jahr findet zum vierten Mal die Yuri’s Night in Wien statt. Benannt ist die Veranstaltung nach dem ersten Menschen im Weltraum, dem Kosmonauten Juri Gagarin, der mit seinem Raumschiff Wostok 1961 die bemannte Raumfahrt einläutete.

Alexander Soucek erläutert den Besuchern der Yuris Night 2011 die Faszination Erdbeobachtung (c) Tony Gigov

A. Soucek fasziniert mit Erdbeobachtung (c) Tony Gigov

Seit vielen Jahren bietet die Yuri’s Night in vielen Teilen der Erde Raumfahrtbegeisterten Gelegenheit, zusammenzukommen, zu feiern und sich auszutauschen. In Wien liefert die Veranstaltung jedes Jahr hochkarätige Vorträge und aktuelle Einblicke zum Thema Raumfahrt.

Diesmal in den gediegenen Räumlichkeiten des Naturhistorischen Museums: Der Generaldirektor des NHM selbst, Christian Köberl, eröffnet die Yuri’s Night 2012 mit einer Exklusivführung durch den neu gestalteten Sauriersaal und wird über den Impakt sprechen, der vermutlich zum Aussterben der Dinos führte.

Maria Pflug-Hofmayr in mitten der Yuris Night Besucher 2011 (c) Tony Gigov

Yuris Night Besucher 2011 (c) Tony Gigov

Anschließend berichtet der Raumfahrtjournalist und Buchautor Gerhard Kowalski von vielen spannenden Fakten und kaum bekannten Details zu Gagarins außergewöhnlichem Flug. Recherchiert hat der Kenner der russischen Raumfahrt in den Originaldokumenten in russischer Sprache.

Einen Blick in aktuelle Forschungstätigkeiten der ESA bietet dann ein Experte der Europäischen Weltraumorganisation mit Space Situational Awareness, kurz SSA. Dieses Programm soll Europa einen unabhängigen Überblick über mögliche Gefahren für Satelliten im Erdorbit sowie Einrichtungen auf der Erdoberfläche verschaffen. Die Rede ist von Satellitenüberresten, erdnahen Asteroiden und dem Weltraumwetter. Außerdem angefragt wurde ein deutschsprachiger ESA-Astronaut.

Jetzt für den Polarstern-Preis 2012 bewerben! Einreichfrist: 15. März 2012

Den Abend beschließt das ÖWF mit der Verleihung des Polarstern Preises. Dieser Preis wird an Menschen verliehen, die durch ihre außergewöhnlichen Leistungen für Weltraum begeistern.

Nach der Veranstaltung geht’s noch in ein nahegelegenes Lokal, um weiter zu feiern und zu diskutieren.

January 02 2012

ÖWF Polarsternpreis 2012: Menschen die für den Weltraum begeistern!

Der Polarstern-Preis wird nun bereits zum vierten Mal vom Österreichischen Weltraum Forum für Menschen ausgeschrieben, die für den Weltraum begeistern. Er wird für außergewöhnliche Leistungen im Dienste der österreichischen Weltraumaktivitäten verliehen und ist für Menschen, die sich durch persönliches Engagement, hervorragende Projekte oder zukunftsweisende Ideen auszeichnen.

ÖWF Polarsternpreis 2012 - Visualisierung "Artica" (c) stg123

2009 erging der Polarstern-Preis an Michael Köberl, passionierter Sammler von Objekten aus dem Raumfahrtbereich, der seine Objekte einem bereitem Publikum zugänglich macht. 2010 erhielt Maria Pflug-Hofmayr die ÖWF Trophäe für ihren jahrelangen Enthusiasmus für Weltraum- und Astronomie zu begeistern. 2011 ging der Preis an Barbara Imhof die sich als Weltraumarchitektin & Designerin auch immer wieder die Jüngsten für Weltraum begeistert.

“Die bisherigen drei Polarsternpreise haben gezeigt, dass es noch viele Menschen gibt, die ohne Auftrag und Belohnung für Astronomie und Raumfahrt engagieren”, meint Olivia Haider, ÖWF Vorstand und Initiatorin des Polarstern-Preises, “daher soll auch 2012 wieder ein Mensch mit diesem Preis ausgezeichnet werden. Ich freu mich schon die Bewerbungen!”

Neben zahlreichen Initiativen im Weltraumsektor innerhalb nationaler Weltraumorganisationen, gibt es engagierte Menschen, die ihr Umfeld für das Thema Weltraum und Astronomie begeistern. Genau diesen Menschen soll mit dem Polarstern-Preis Annerkennung gezollt werden.

Die Nominierung der Kandidaten kann durch Eigennominierung, Fremdnominierung oder durch direkte Auswahl einer geeigneten Person durch die Jury erfolgen. Der Preis besteht aus einer Trophäe, einem Betrag von 800,00 € und der Veröffentlichung des Preisträgers bzw. der Preisträgerin. Der Polarstern ist ein Symbol für richtungweisende Ideen – genauso, wie die Preisträger für Ideenführerschaft, Initiative und Eigenmotivation stehen.

Der Preis kann nur an physische Personen verliehen werden, die Vergabe ist nicht an Nationalität, Beruf, Geschlecht oder Sprachzugehörigkeit gebunden. Die Ausschreibungsfrist endet am 15. März 2012 (Datum des Poststempels, Einlangen beim ÖWF). Die Bekanntgabe des Gewinners und die Verleihung des Preises erfolgt am 12. April 2012 im Rahmen einer ÖWF-Veranstaltung (Yuris Night).

Interesse?
Falls Sie sich oder jemanden aus Ihrem Umfeld für den Polarstern-Preis bewerben möchten, füllen Sie bitte die Online-Bewerbung aus, in dem Sie uns über die Projekte, Initiativen oder herausragenden Personen auf dem österreichischen Weltraumsektor berichten.

Jetzt bewerben – zur Online Bewerbung

October 31 2011

Interview: Dr. Barbara Imhof, Liquifer

Barbara Imhof speaking at IAC (c) Ondrej Doule

Barbara Imhof speaking at IAC (c) Ondrej Doule

Dr. Barbara Imhof, Mitbegründerin, Geschäftsführerin, Projektleiterin, Architektin von LIQUIFER Systems Group, Polarsternpreisträgerin 2011, Wien, gewährt uns hier interessante und detailreiche Einblicke in das Thema Design von Weltraumhabitaten. Einen Teil ihrer langjährigen Erfahrungen in einer Vielzahl von Designprojekten bei der NASA und für die ESA sowie Lehrtätigkeiten an verschiedenen internationalen Universitäten teilt sie im folgenden Interview mit uns.

 

ÖWF: Haben Sie schon viele Habitate designt?

Im Laufe der letzten 15 Jahre, in denen ich mich mit dem Weltraum beschäftigt habe, habe ich schon einige “Habitate” mit-designt. “Mit-designt” deshalb, weil man ja immer im Team arbeitet und die eigene Leistung als Teil eines Ganzen gesehen werden muss. Besipiele für solche Habitate wären eines für die Marsoberfläche, ein sogenanntes “Surface-Habitat”, mobile Habitate wie beispielsweise ein Raumschiff für den Mars und ein mobiles Forschungsfahrzeug für den Mond und den Mars. In meiner langjährigen Lehrtätigkeit an Universitäten war ich an der Entwicklung von vielen Weltraumhabitaten beteiligt, für Umgebungen, wie den Mond, den Mars oder die Schwerelosigkeit.

Habitat kommt vom lateinischen Wort habitare „wohnen“ und bedeutet auch die Wohnstätte, Wohnort oder Lebensraum. Als Architektin habe ich natürlich noch viel mehr solche Lebensräume oder Wohnorte für Menschen entworfen oder gebaut.

ÖWF: Circa wie viele Gespräche mit wie vielen Fachleuten müssen geführt werden, bevor Sie an das Design herangehen können?

Die Teams oder Firmenkonsortien, in denen wir arbeiten, beinhalten meistens alle Fachdisziplinen, die für die Entwicklung eines Habitats notwendig sind. Jene Fachleute bilden einen wesentlichen Bestandteil der Teams, sind also ständig am Entwicklungsprozess beteiligt. Was im Vorfeld geklärt werden muss, ist unter anderem die Zusammensetzung des jeweiligen Teams wobei es zu berücksichten gilt, dass große Teams in ihrer Kommunikation auch sehr schwerfällig werden können. Die Disziplinen, die für uns als ArchitektInnen und DesignerInnen unbedingte Partner darstellen sind auf einer Strukturebene die SystemingenieurInnen und auf der Detailebene die Disziplinen der sogenannten Human Factors wie Ergonomie oder auch Physiologie, Soziologie und Psychologie.

ÖWF: Findet ganz zu Anfang eines Projektes ein Brainstorming mit weißen Blättern statt?

Weiße Blätter kommen öfter im Designprozess vor, dennoch ist das Gehirn kein unbeschriebenes Blatt. Zudem kann man sich auf vorhergehende Projekte beziehen, die man nach einer Erstrecherche zur Grundlage des Brainstormings erklären kann. Wir führen aber auch erste Diskussionen mit unseren Arbeitspartnern über Skype und E-Mail, deshalb gibt es danach verschiedenes Material, das den Beginn eines Entwurfs darstellt.

RAMA- Rover for Advanced Mission Applications (2009 für ESA) (c) LIQUIFER Systems Group/rendering Waclavicek

RAMA- Rover for Advanced Mission Applications (2009 für ESA) (c) LIQUIFER Systems Group/rendering Waclavicek

ÖWF: Können Sie auf Erfahrungswerte von der MIR und der ISS zurückgreifen?

Durch meine Arbeit bei der NASA am Johnson Space Center Ende der 90er Jahre kann ich auch auf Erfahrungsberichte von Astronauten zurückgreifen, die damals auf einer sechs-monatigen Shuttle-Mir Mission waren. Die Internationale Raumstation ist sehr gut im Internet dokumentiert und wir haben auch sehr gute Beziehungen zu einigen Astronauten, die uns Erfahrungsberichte aus erster Hand liefern. Insofern können wir auf Erfahrungswerte beider Raumstationen zurückgreifen.

ÖWF: Wie groß darf ich mir ein Team vorstellen, dass ein zukünftiges Habitat designt?

Das Team, das ein zukünftiges Habitat auf dem Mond und auf dem Mars baut, wird nahezu unüberschaubar groß sein, wollte man alle ins Projekt involvierten Personen, wie es etwa in einem Filmabspann üblich ist, nennen. Zudem würden bei so einem Projekt eines Habitats viele Länder mitarbeiten.

Die wichtigsten Disziplinen wäre hier wohl: Missionsanalyse, Sicherheitstechnik und Risikoanalyse – hierbei geht es beispielsweise um den Schutz vor Strahlung – Systemingenieurswesen, thermische Faktoren, Struktur, Konfiguration und Design von Modulen, Lebenserhaltende Systeme, Kommunikation, Human Factors (Bewohnbarkeit, Ergonomie etc.), Physiologie, Psychologie, Astrobiologie für die Oberflächenerkundung, Instrumente, Programmatik, Telemetrie und Landung, operationelle Angelegenheiten, Mensch-System-Integration, Simulation und Tests, Kostenkontrolle, Marketing und Vermittlung

Für verschiedene Phasen eines Projektes bräuchte man mindestens eine Person pro Fachgebiet und je weiter es in Richtung Umsetzung geht, desto mehr Menschen wären nötig, um so ein Projekt gelingen lassen zu können.

ÖWF: Wie viele Arbeitsstunden stecken in so einem Projekt?

Wie vorhin beschrieben, werden so die Arbeitsstunden fast unzählbar. Durch die notwendige Kommunikation zwischen den vielen SpezialistInnen muss man eine normale Arbeitsstunde sicher um das 1,5 fache erhöhen, wenn nicht verdoppeln. Eine andere in der Architektur gebräuchliche Methode ist, das Budget zu fixieren und zu sagen, damit muss ein Habitat für den Mond gebaut werden. Damit wären natürlich noch nicht die Kosten des Transports gedeckt, der vielleicht noch einmal soviel oder sogar mehr als der Bau des Habitats kostet.

ÖWF: Gehen Sie beim Design eines Habitats für den Langzeitaufenthalt im All (Reise von der Erde zu Planet x, wir können gern vom Mars ausgehen) anders heran als beim Design eines feststehenden Habitats für den Mars?

Eine Reise in einem Raumschiff würde unter Schwerelosigkeit erfolgen. Dieser sehr spezielle Zustand kennt kein oben und unten und wir sind schwerelos, können von einem Raumbereich in einen anderen schweben. Normale Alltagsgegenstände, wie Tische, Sessel, Betten sind unnütz und widersprechen dem Paradigma von einem schwerelosen und gänzlich dreidimensional erfassbaren Raum. Es ist ein bisschen wie beim Tauchen, wo man kopfüber den Steilhang eines Felsens unter Wasser hinuntertauchen kann. Das heißt, Schwerelosigkeit unterscheidet sich ganz grundsätzlich von der Umgebung einer planetaren Oberfläche. Für den befahrbaren Raum zwischen den Planeten braucht man ganz andere Innenräume und man muss alles, was man bisher über Schwerkraftumwelten weiß außer Acht lassen können. Das ist eine sehr spannende Entwurfsaufgabe.

ÖWF: Was waren für Sie die interessantesten/coolsten/überraschendsten Erkenntnisse bei Ihren Projekten?

Drei Dinge wären hier zu nennen:

  • Entwerfen für die Schwerelosigkeit.
    Hierbei spielt wirklich diese unglaubliche Umgebung und das Neudenken von allem, was mit Design zu tun hat eine Rolle. Wie können Räume entworfen werden, in denen man sich schwebend weiterbewegt? Man braucht hier keine Stiegen, die Horizontalebene, auf der wir uns normalerweise geschoßweise bewegen, ist nicht nötig. Runde Formen sind besser, weil man sich nicht verletzt, wenn man sich mit den Füßen, die man ja nicht im Gesichtsfeld hat, an Einrichtung oder Wandkanten stößt.
  • Arbeiten in internationalen und interdisziplinären Teams.
    Das, was ich von meiner Kindheit gewohnt bin, mit Menschen aus aller Welt zu kommunizieren, habe ich in mein Arbeitsleben gebracht. Es ist eine Herausforderung mit immer wiederkehrender Selbstermahnung zu Toleranz und Verständnis.
  • “Change of The Right Stuff“: The Right Stuff, das waren die ersten Astronauten; weiß, männlich und mit militärischem Hintergrund. Das hat sich geändert und aus Erfahrung kann ich sagen, dass es sich bei den AstronautInnen, und Kosmonauten, die die Internationale Raumstation bewohnen, um Menschen handelt, die zwar eine ähnliche Geisteshaltung besitzen, aber sonst sehr unterschiedlich agieren. Die Geschichten, die sie aus dem Weltraum erzählen können, sind eine der Grundlagen, auf die wir beim Entwurf von Weltraumhabitaten angewiesen sind.

ÖWF: Wie testen Sie ihre Designvorschläge auf „Alltagstauglichkeit“? (Ausschließlich durch Simulationen oder werden Teile auch nachgebaut?)

Die meisten Entwürfe testen wir in der Simulation, wobei hier die virtuellen im Computer von den realen auf der Erde zu unterscheiden sind. Unser mobiles Forschungsfahrzeug RAMA (Rover for Advanced Mission Applications) haben wir nur im Computer simuliert; besonders interessant war hierbei die Simulation der transformierbaren Möbel der Innenräume. Immer wieder suchen wir das Feedback durch Experten, um eine kontinuierliche Verbesserung unseres Designs schaffen zu können.

Unseren Astronautenschlafsack haben wir mit erfahrenen Astronauten auf der Erde getestet und einen flugfähigen Prototyp hergestellt.

ISS-Sleep-Kit, dem Astronautenschlafsack (2011 für ALR der FFG) made in Austria (c) Hintergrund courtesy of NASA, Schlafsack: LIQUIFER Systems Group.

ISS-Sleep-Kit, dem Astronautenschlafsack (2011 für ALR der FFG) made in Austria (c) Hintergrund courtesy of NASA, Schlafsack: LIQUIFER Systems Group.

ÖWF: Gibt es Gegenstände, die auf der Erde völlig anders genutzt werden als z. B. in einem Habitat auf dem Mars? Gab es da Überraschungen?

Aus Erfahrungsberichten von Besatzungsmitgliedern weiß man, dass bestimmte Dinge oder Einrichtungsgegenstände zweckentfremdet werden. Die Dusche auf der Mir war sehr umständlich aufzubauen, eine zylinderförmige Plastikkabine mit einem Wasserschlauch. Nach einer Duscheinheit, bei dem man Wasser nur in großen Tropfen auf einen Schwamm mit Seife und dann auf die Haut reiben konnte, musste man die Dusche wieder säubern. Da Wasser in der Schwerelosigkeit nicht fließt, war das Duscherlebnis nicht besonders und nur zeitaufwändig. So haben die Kosmonauten eine Art Dampfsauna aus dieser Dusche gemacht, was in der Schwerelosigkeit besser funktioniert. Auf der Internationalen Raumstation gibt es keine Dusche mehr, nur noch warme feuchte Tücher, um sich zu reinigen. Man muss sich einfach vorstellen, dass man auf einer Raumstation immer auch improvisieren muss, da man fehlende Ersatzteile ja nicht einfach besorgen kann. Schon allein deshalb werden Gegenstände zweckentfremdet. Prinzipiell sind Möbel, die transformierbar sind und Räume, die multifunktional sind besser für eine Weltraummission geeignet, als solche, die diese Eigenschaften nicht besitzen. Nicht umsonst können AstronautInnen persönliche Gegenstände wie Taschenmesser oder Scheren mit sich führen, welche vielgenutzte Werkzeuge sind.

ÖWF: Bedenken Sie beim Design hauptsächlich die Zweckmäßigkeit oder achten Sie auch auf kleine Annehmlichkeiten? (Hierbei denke ich an die fast nicht vorhandene Privatsphäre außer in Schlafkojen z. B. oder an eine Runde Kartenspielen mit allen Crew-Mitgliedern. Je nach Bedarf sind andere Platzverhältnisse gefragt, der Raum ist jedoch äußerst begrenzt.)

Ein wichtiger Teil der Arbeitsaufgabe von ArchitektInnen und DesignerInnen besteht darin, für Menschen Umgebungen zu entwerfen, in denen man sich auch wohl fühlt. In einer ökonomisierten Welt kann man das sehr gut dadurch argumentieren, dass man Performanceerhalt und gute Arbeitsleistung an eine entsprechende Umgebung knüpft. Das beweisen schon sehr viele große internationale Firmen wie Google und Microsoft, die Arbeitswelten entwerfen lassen, in denen man sich wohlfühlt. Für die Raumfahrt ist das besonders wichtig, da es sich hier um das Leben unter extremen Bedingungen handelt. Damit eine Mission zum Mars erfolgreich ist, muss der Innenraum eines Raumschiffes entsprechend gestaltet werden und jedem Besatzungsmitglied eine eigne Privatsphäre und Kabine zugänglich sein. Wir leben auf der Erde in einer Welt mit vielfältiger sensorischer Stimulation. Wenn wir lange auf einer Raummission sind, brauchen wir in einer Raumstation, einem Raumschiff oder Habitat ebenfalls eine Annäherung an diese komplexe sensorische Simulation, damit wir in sozio-psychologischer Hinsicht fit bleiben können. Besonders mit Techniken der Virtual Reality lassen sich hier gewichtsfrei viele Ideen umsetzen, beispielsweise leicht handhabbare Lichtsteuerung, virtuelle Fenster zur Erde und virtuell-reale interaktive Kommunikation mit Freunden und Familie zuhause.

Ganz herzlichen Dank, Frau Dr. Imhof, für die ausführliche Beantwortung der Fragen, Sie haben mir das Interview sehr leicht gemacht. :-)

Wer sich noch weiter über die Projekte von Liquifer informieren möchte, dem sei die Webseite empfohlen: www.liquifer.at

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Schweinderl