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January 27 2014

ÖWF fliegt Sojuz-ISS Dockingmanöver in Stuttgart !

400 Erstsemestrige Studenten die sich alljährlich für Raumfahrttechnik inskribieren, 167 Mitarbeiter und ein Jahresbudget von 10 Millionen Euro – das ist das Institut für Raumfahrtsysteme der Universität (IRS) Stuttgart im Raumfahrtzentrum Baden-Würtemberg: Grund genug für eine Delegation des ÖWF diese größte universitäre Forschungseinrichtung Westeuropas zu besuchen.

FlyingLaptop

Die ÖWF Delegation im Reinraum für die Integration des Kleinsatelliten “Flying Laptop”

Der stellvertretende Institutsleiter Prof. Fasoulas beeindruckte eingangs mit der fachlichen Breite des IRS, die von Wiedereintrittsphysik über bemannte Exploration bis hin zu Kleinsatelliten reicht. Durchschnittlich 75 Doktoranden sind dort tätig. Andreas Fink als Gastgeber führte die zwölfköpfige Gruppe durch die Einrichtung, beginnend mit dem Sojus-Simulator. In diesem 1:1 Mock-up können alle wesentlichen Flugmanöver des russischen Raumschiffes geflogen werden, was die Besucher auch praktisch ausprobieren durften. “Das Steuern des 7-Tonnen schweren Sojuz ist vergleichbar mit einem LKW -der nur einen Mopedmotor ausgestattet- auf einer Eisfläche zu manövrieren”, meinte schmunzelnd Manuel Schmitz, der die Sojuz-Kontrollkonsole betreute.

Sojuz

ÖWF Analogastronauten im Sojuz: Christoph Gautsch (Mitte) kurz vor dem Andocken der Raumkapsel an die ISS, assistiert von Ulrich Luger (links) und Daniel Schildhammer (rechts).

Nach den Flugmanöver besuchte die ÖWF Delegation das Labor für Hochtemperatur Supraleiter, wobei der Begriff “Hochtemperatur” sehr relativ ist, wenn man von 150 K spricht. Anschließend ging es zu den Labors für Lebenserhaltungssysteme, wo in großen Algentanks Ideen zur Lebensmittelgewinnung ebenso wie Brennstoffzellen untersucht werden. Zwei Räume weiter werden miniaturisierte Gassensoren entwickelt, die mittels eines Tintenstrahldruckers Platin-Elektroden auf eine Keramikmatrix aufbringen.

windtunnel

Einer der Plasmawindtunnel des IRS Stuttgart – hier werden neue Hitzeschultzschilde für den Wiedereintritt getestet.

Einer der Höhepunkte war der Besuch im Integrationsraum für den “Flying Laptop”-Kleinsatelliten: der etwa kühlschrankgroße Orbiter soll 2015 gestartet werden. Die ÖWF Delegation durfte die Flugeinheit im Reinraum aus nächster Nähe begutachten. Nettes Detail am Rande: Die Energiequelle für den Satelliten ist diesselbe wie für den Aouda-Raumanzugsimulator. Abgerundet wurde der Besuch durch einen Blick in die großen Plasma-Windtunnel, in denen Materialien den Bedingungen einer Rückkehr aus der Umlaufbahn ausgesetzt, bzw neue Plasmaantriebe getestet werden können.

“Das IRS ist eine beeindruckende Einrichtung, die ein breit gefächertes Portfolio an Spitzenforschung hat, ” resümiert Gernot Grömer vom ÖWF den Besuch, “und man sieht wie hier durch entsprechenden politischen Willen das Bundesland Baden-Würtemberg nachhaltig Innovationskapazität aufgebaut hat.”

December 08 2013

Weltraum-Physikunterricht unter Palmen, das ÖWF in einer Liveschaltung nach La Réunion

Liveschaltung La Réunion mit N. Frischauf

Wir sind 6 Schüler einer naturwissenschaftlich orientierten Abschlussklasse (Abiturjahrgang 2014), am Gymnasium „Pierre Poivre“ in Saint Joseph auf der französischen Insel La Réunion zwischen Madagaskar und Mauritius. Wir haben den bilingualen Zweig gewählt, das heißt, dass wir neben dem deutschen Sprachunterricht auch Physikunterricht auf Deutsch haben.

Am Freitag den 22. November 2013 haben wir das Glück gehabt, während einer Stunde eine Video-Konferenz mit Norbert Frischauf, einem österreichischen Experten im Raumfahrtbereich, zu machen. Wir haben nämlich Herrn Pignolet getroffen, der sich für Raumfahrt interessiert und uns diesen Astronom vorgestellt hat.

Dann hat unser Physiklehrer Herr Sordelet-Meyer diese Videokonferenz vorgeschlagen. Natürlich haben wir uns auf Deutsch unterhalten. Es kam wie gerufen: Wir haben über das Thema Raumfahrt gearbeitet, insbesondere über das Roboterfahrzeug „Curiosity“, das auf den Mars geschickt wurde. Diese Videoverbindung zu einem Spezialisten war also eine praktische Umsetzung dieser theoretischen Arbeitsmonate. Deshalb hatten wir viele Frage zu stellen.

Wir haben ihm persönliche Fragen gestellt: über sein Studium, seinen Lebenslauf, seine Berufskarriere. Die meisten der Fragen stellten wir aber zu diesen Themen: Fertigstellung der Rakete, Leben in Weltraum, Raumfahrt und Zukunft, Satellitenbahn und Mars. Zum Beispiel hat er uns erklärt, wie Raketen in Weltraum fliegen können, indem er die Rakete mit einem Star Wars Raumschiffe verglichen hat.

Es war eine angenehme Konferenz, da Norbert Frischauf deutlich und präzise geantwortet hat. Außerdem waren wir überrascht, dass wir fast alles verstanden haben, während wir am Anfang davor Angst hatten wegen der Sprachbarriere. Zusammenfassend können wir sagen, dass es eine sehr positive erste Erfahrung war, die uns viel im Bereich der Wissenschaft und der Sprachkenntnisse gebracht hat. Das hat uns motiviert, mehr zu dem Thema Raumfahrt zu erfahren und nächstes Jahr eine erneute Verbindung herzustellen. Zudem haben wir eine neue Zukunftsperspektive bekommen, nämlich vielleicht später ein Raumfahrtstudium zu machen.

Die Schüler der Terminale S1, Lycée Pierre Poivre, Saint Joseph,
Ile de la Réunion, französisches Überseedépartement im Indischen Ozean

September 17 2013

Interview mit Sy Liebergot, Apollo EECOM

Seymour “Sy” Liebergot, geboren 1936, arbeitete während des Apollo Programmes als EECOM (Electrical, Environmental and COMmunication systems). Er gehörte zum Team, das Apollo 13 wieder sicher zurück zur Erde brachte.

Sy Liebergot im Apollo Flight Control Room (c) arstechnica (Steven Michael)

Sy Liebergot im Apollo Flight Control Room (c) arstechnica (Steven Michael)

ÖWF: Technology advances let aside, what are the major differences between your generation of flight controllers, and -say- todays ISS flight controllers in terms of mentality or working attitude?

We were encouraged to speak our mind The Apollo flight controller was part of the continuing evolution of the tradition begun by Chris Kraft during the Mercury and Gemini programs. The typical flight controller was young (at 33, I was among the oldest during Apollo 11), male (during Apollo, there were no female flight controllers), assertive to aggressive, certainly arrogant, and willing to make decisions under pressure; this last attribute was mandatory. Unfortunately for some of us, the aggressive attitude that we adopted and wielded at work would last a lifetime. IMO, within NASA, since Apollo and during Shuttle, career ladders became more important than speaking out when there was any suspicion of something amiss.
ISS FCs have a different task. The timeframe is not as urgent, but the operatic is still PC.


ÖWF: Sometimes it seems, that today’s space exploration programs are seemingly stalling and people tend to reflect upon the «glorious days» back during Apollo, envisioning a period of almost unlimited resources and a population which was super-supportive of the space program in the late 60s. Was that really the reality compared to today’s space business, or it is just romantic perception of the Apollo period?

The reality of the of the 1960s was to beat the Russians to the Moon. i.e. politics and military prowess.
Nov. 21, 1962 John F. Kennedy (from Apollo EECOM: Journey Of A Lifetime)
[A JFK tape transcript of a meeting to discuss Supplemental (budget) Appropriations for NASA was released in 2002. The meeting took place on November 21, 1962 and contained an exchange between President John F. Kennedy and James Webb, then NASA Administrator during which Webb told Kennedy that ‘he didn’t feel a Moon landing should be NASA’s top priority.’ Kennedy disagreed saying in part, “Everything we do ought to really be tied into getting on the Moon before the Russians….. otherwise, we shouldn't be spending this kind of money because I'm not that interested in space.”
So much for the romance of space exploration; this was only a cold war tactic.]

Today, there is no Russia to beat; in fact we don’t care about beating any country in anything. So now, it’s all about politics and funding.

ÖWF: Imagine you are back in the Apollo flight control room. If someone would have asked you about when the first human mission to Mars would be realistically possible, or when the first lunar base would be reality – what would have been your answer back then?

I would have impatiently remarked that a Mars mission was science fiction and it was premature to consider a Moon base and for what? We were preoccupied with achieving lunar landings.

ÖWF: In your view – what is the thing our current space exploration programs need most (well, except funding): are we lacking the technology? Is our society loosing curiosity? Have we forgotten how to take risks?

The public will never be excited about unmanned (robotic) space missions and a mission less space station (ISS). A manned Mars mission should be planned and sold as a long-term program—a 30 year program with a 3 year round trip manned mission. The current ISS has wasted resources that could have been applied toward such a program.

ÖWF: Is there anything you’d like to pass on to our men?

I have no doubt that the training and dedication of the individuals and companies involved will again demonstrate how strong the human spirit of exploration is still. It has been said that great nations discover and explore. Great nations cross oceans, settle frontiers and continually renew their heritage and spirits and create greater freedom and opportunity for the world. Great nations must also remain on the front edge of technologically advanced programs to maintain their security edge. This is the vision of a statesman, but currently we are infected with politicians who are concerned only with being re-elected and maintaining power.

May 17 2012

Im Jahr des Drachen zur ISS? Countdown für Falcon & Dragon

Am US-Weltraumzentrum in Cape Canaveral steigt die Spannung. Am 19. Mai – oder nur wenig später – ist es so weit. Dann wird die privat konstruierte und gebaute “Dragon”-Raumkapsel des US-Unternehmens “SpaceX” auf einer ebenfalls unternehmenseigenen Falcon 9-Trägerrakete zur Internationalen Raumstation aufbrechen. Deren Crew ist bereits darauf vorbereitet, die erste private Orbitalkapsel der Welt in Empfang zu nehmen.

Bereits am 16. April fand bei der NASA der “Flight Readiness Review” (FRR) für Startgerät und Kapsel statt. Mit dem Ergebnis, dass erstmals in der Geschichte der Raumfahrt ein privates Raumfahrzeug die Freigabe erhielt, die Internationale Raumstation zu besuchen. Einige wenige offene Punkte gab es allerdings doch noch. Sie verhinderten, dass der Start, wie zunächst vorgesehen, am 30. April stattfinden konnte. An diesem Tag fand nun ein so genanntes “static firing” statt. Dabei wurde ein Übungs-Countdown bis einschließlich der Zündung der neun Haupttriebwerke durchgeführt, ganz wie beim “richtigen” Start.

Die Triebwerke liefen dabei sogar für zwei Sekunden, die Rakete blieb aber, von starken Klammern gehalten, auf der Startrampe stehen. Die kurze Zeitspanne genügte, um die Einsatzbereitschaft der Raketenmotoren zu überprüfen. Der Test verlief perfekt. Von Seiten der Trägerrakete steht somit der Mission nichts mehr im Wege.

Doch dämpfen wir gleich am Anfang die Erwartungen. Denn auch diese letzten Verzögerungen können nicht davon ablenken: ein vollständiger Erfolg dieser Mission käme fast einem Wunder gleich. Selbst Elon Musk, Gründer und Inhaber von SpaceX, und damit dem Optimismus verpflichtet, gibt dem Unterfangen nur eine Chance von 50 Prozent. Aber wer weiß, vielleicht bleibt ihm das Glück treu. Zu verblüffend waren bereits die positiven Resultate der ersten beiden Testflüge der Falcon 9 im Jahre 2010.

Ein Raumfahrzeug erfolgreich in eine Erdumlaufbahn (und wieder zurück) ist kein leichtes Unterfangen. Länder, die ihre ganze nationale Infrastruktur dafür einsetzen, wie beispielsweise die beiden Koreas scheitern seit Jahren daran. Da ist es schon bemerkenswert, dass dies einem kalifornischen Mittelständler gelingt. Und der baut noch nicht einmal auf früheren Erfahrungen auf.

Die Dragon Kapsel muss gedreht werden bevor diese auf die Falcon 9 montiert wird. (c) NASA

Die Dragon Kapsel muss gedreht werden bevor diese auf die Falcon 9 montiert wird. (c) NASA

Wie gesagt, die Chancen die ISS tatsächlich zu erreichen, sind nicht hoch. Alles ist noch neu. Die Falcon 9, hat zwar ihre ersten beiden Einsätze ganz anständig hinter sich gebracht. Aber die aufmerksamen Beobachter wissen: Da war auch ganz schön Dusel dabei. Bei beiden Missionen traten erhebliche Anomalien auf, die nur aufgrund des robusten Designs kompensiert werden konnten. Sie hätten aber auch mit etwas Pech in beiden Fällen zum Verlust der Mission führen können.

Auch die Dragon-Kapsel stößt mit diesem Flug weit in unbekanntes Land vor. Sie hat zwar schon einmal nachgewiesen, dass sie zwei Erdumläufe und gut drei Stunden im Weltraum sicher absolvieren kann, aber die Komplexität und die Länge einer ISS-Versorgungsmission sind damit nicht zu vergleichen. Ging es beim ersten Flug des Dragon im Dezember 2010 nur darum, den Orbit überhaupt zu erreichen und sicher wieder zur Erde zurückzukehren, sind bei der bevorstehenden 21-Tage Mission die Anforderungen an Kommunikation, Positionsgenauigkeit, Rendezvoustechnik und vor allem die Forderungen eines jederzeitigen Flugabbruches in einer ganz anderen Liga angesiedelt.

Man darf bei der Bewertung dieser Mission auch nicht übersehen, dass man hier die Ziele von ehemals zwei vorgesehenen Testmissionen nun in einem einzelnen Flug zusammengefasst hat. Wenn alles gut geht spart das Zeit und Geld. Wenn nicht, dann muss die ursprünglich geplante zweite Testmission doch noch nachgeholt werden.

Bei der bevorstehenden Mission ist der Träger auch erstmals mit einem “instantaneous launch window” konfrontiert. Das heißt, der Startzeitpunkt muss auf die Sekunde getroffen werden, ansonsten ist die Gelegenheit für den aktuellen Tag verpasst. Bei den ersten beiden Flügen kam es jeweils – das ist bei komplett neuen Systemen nicht ungewöhnlich – zu stundenlangen Startverzögerungen. Das kann man sich diesmal nicht leisten.

SpaceX und Elon Musk sind hier illusionslos und haben deswegen das Missionslogo schon mal den anspruchsvollen Umständen angepasst: Es beinhaltet ein vierblättriges Kleeblatt.

Der Start-Komplex 40 beim Cape Canaveral, Florida. Von hier wird Dragon zur ISS starten. (c) NASA/Cory Huston

Der Start-Komplex 40 beim Cape Canaveral, Florida. Von hier wird Dragon zur ISS starten. (c) NASA/Cory Huston

Unterstellen wir jetzt aber einmal, dass der Start glatt verläuft, und die Falcon 9 den Dragon wie geplant im Orbit absetzt, dann wird das weitere Programm wie folgt aussehen: An den ersten beiden Flugtagen werden Tests mit dem “Absoluten GPS” durchgeführt, das Verhalten des Raumfahrzeugs in den Phasen freier Drift wird untersucht und es werden verschiedene Flugabbruchs-Szenarien erprobt. Am dritten Tag wird der Dragon die ISS in einem Abstand von 2,5 Kilometern passieren um die Ultrakurzwellen-Verbindung mit der Raumstation zu testen. Dabei wird auch kontrolliert, wie gut die Crew des Außenpostens über das “Crew Command Panel” in die Funktionen des Dragon eingreifen kann. Bei dieser Passage wird auch das relative GPS mit einem Check zwischen ISS und Dragon erprobt.

Am Ende des dritten Missionstages entscheiden die Missions-Manager, ob alle Zwischenziele hinreichend gut erfüllt wurden, und ob auf dieser Basis mit der endgültigen Annäherung an die ISS begonnen werden kann. Gibt es das “go-ahead”, dann wird sich der Dragon der Station bis auf 30 Meter nähern. Sollte auch dieses Manöver erfolgreich verlaufen, dann wird er sich so weit an die Station herantasten, dass er mit dem “Space Station Remote Manipulator System” der ISS erfasst werden kann. Dieses Manöver nennt man “berthing”, und könnte in diesem Fall am besten mit “Bergung” übersetzt werden. Das “Berthing” ist, zumindest in seiner Schlussphase, kein aktives Rendezvous. Vielmehr zieht der Greifarm der ISS das Raumfahrzeug an den Dockingknoten (Node) 2 und koppelt es dort an. Gesteuert wird das Manöver von den Astronauten Don Pettit und Andre Kuipers, und zwar von der Cupola der Station aus, also der Aussichtsplattform mit den großen Fenstern.

Auch wenn alles nach Plan verläuft, dürfte dieses Manöver nicht einfach sein. “Berthings” wurden im Betrieb der Station zwar schon zweimal mit dem japanischen HTV-Transportraumschiff durchgeführt, die Dynamik des Dragon ist jedoch ganz anders.

Das HTV ist über 16 Tonnen schwer und verfügt über eine erhebliche Anzahl kleiner Triebwerke, um die Raumlage sehr fein auszusteuern. Die Astronauten berichten, dass das HTV wie ein Felsen vor der Raumstation liegt und problemlos mit dem Manipulator-Arm zu greifen ist. Das dürfte beim vergleichsweise leichten Dragon (er wiegt weniger als sechs Tonnen) anders sein. Zusätzlich zum geringen Gewicht kommt, dass der Dragon nur über vergleichsweise wenige, aber dafür recht leistungsstarke Lageregelungstriebwerke verfügt. Er dürfte daher bei weitem nicht so ruhig vor der Station liegen, wahrscheinlich eine Rest-Rollbewegung aufweisen und dementsprechend schwer mit dem Robotarm zu fassen sein.

Nach dem Herstellen einer festen Verbindung, den Lecktests und der Überprüfung der elektrischen Anschlüsse wird die Luke des Dragon geöffnet. Danach verbleibt er für etwa zweieinhalb Wochen an der ISS. Bei diesem ersten Flug mit seiner nicht sonderlich hohen Erfolgswahrscheinlichkeit wird der Dragon nur 520 Kilogramm an Fracht an Bord haben. Alles “Non-essential cargo”, wie es die NASA nennt. Nichts Lebenswichtiges: Wasser, Kleidung, Nahrungsmittel, Batterien, Kabel und dergleichen. Immerhin: Die wertvollsten Gegenstände sind eine Reihe von Laptops.

Der Dragon soll auch Material zur Erde zurück bringen, alles in allem etwa 660 Kilogramm. Bei späteren Missionen, wenn der Routinebetrieb läuft, können es bis zu drei Tonnen sein. Nicht viel angesichts der bis zu 15 Tonnen, die der Shuttle einst zur Erde zurückbringen konnte. Sehr viel aber im Vergleich zu den wenigen Kilogramm, die mit der Sojus möglich sind.

SpaceX – Falcon 9, Flight 2, December 2010

Video bei YouTube ansehen / Watch video on youtube

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Der Dragon wird für eine Reihe von Jahren das einzige Vehikel sein, das Geräte, Experimente, Materialproben und andere Dinge wieder zur Erde zurückbringen kann. Bei diesem Flug sollen es neben einigen defekten Geräten vor allem Teile von Raumanzügen sein. Raumanzüge sind extrem teure Ausrüstungsteile. Sie kosten mehr als 20 Millionen Dollar das Stück und bei ihnen lohnt es sich, sie zurückzubringen, zu warten und erneut zur ISS zu transportieren.

Am Schluss der Mission wird der Dragon wieder mit dem Manipulator-Arm vom Docking-Knoten abgekoppelt. Danach entfernt er sich selbständig und führt dann eine Landung im Pazifik vor der Kalifornischen Küste durch. Verläuft alles nach Plan, sollte das um den 9. Juni herum der Fall sein.

Dieser Beitrag wurde übernommen von Der Orion, den Originalartikel zu diesem Thema finden Sie unter der-orion.com

February 21 2012

Interview mit Jesco von Puttkamer

Jesco von Puttkamer im ÖWF Interview

Jesco von Puttkamer im ÖWF Interview

Prof. Dr. Jesco von Puttkamer ist Raumfahrtwissenschaftler und Programm-Manager für bemannte Raumfahrt bei der US-Weltraumbehörde NASA und nahm sich während seines Urlaubs die Zeit für ein persönliches Interview mit uns.

Der Maschinenbau-Ingenieur begann vor knapp 50 Jahren seine berufliche Laufbahn bei der NASA, wo er zunächst am Apollo-Mond-Landeprogramm mitarbeitete. Seit 1974 ist Jesco von Puttkamer in der NASA-Zentralverwaltung in Washington beschäftigt, erst als Programmleiter für vorausschauende lang-fristige Planungsstudien für die permanente Erschließung des Alls, dann im Rahmen der Entwicklung des Space Shuttle und der Internationalen Raumstation ISS.

ÖWF: Herr von Puttkamer, wie kam es zu Ihrer Begeisterung für die Raumfahrt besonders für den Mars? Gab es ein Schlüsselerlebnis oder ist es eine gewachsene Leidenschaft?

Angefangen hat alles bei einem kleinen Jungen, der 1945 12 Jahre alt war, hellwach, neugierig und zertrümmerte Städte sah. Ich hatte eine sehr kluge Oma – es sind immer die Omas, die helfen – die Lehrerin war, und ich fragte sie nach Zukunftsperspektiven. Sie riet mir: „Geh in die Raumfahrt, ohne die machen wir uns eines Tages kaputt.“ So habe ich schon mein Abitur und Studium auf Ingenieurwesen und Raumfahrt ausgerichtet, auch weil Wernher von Braun mir in unserer Briefkonversation dazu riet.

Nach dem Studium war ich Forschungsingenieur beim heutigen DLR und schrieb an von Braun das ich auswandern möchte. Ich wollte unbedingt nach Amerika, es war das Land von Karl May, der deutsche Romantiker kam da durch. So schlug ich aber vor, erst in der Industrie wirken zu wollen, um Grundlagen zu lernen. Darauf hin hat von Braun sofort ein Telegram geschickt: „Don’t go to the industry, come to Huntsville we are flying to the moon.“ Diese Nachricht hat mich fast umgehauen. Er schickte noch einen längeren Brief hinterher und so ging ich im Sommer 1962 nach Huntsville/Alabama. Wernher war so inspirierend, hat sein Team so gut geführt, dass wir innerhalb von 8 Jahren die Rakete gebaut haben.

Viele Jahre später, so vor 5/6 Jahren oder noch länger, hat die NASA alle ihre Personalunterlagen digitalisiert und ich bekam meine Papier-Personalakte zurück, ein richtig dicker Stoß. Da war alles drin, etliche Memoranda von Wernher von Braun, von meinen Chefs und Erklärungen warum ich z. B. eine Beförderung erhalten sollte, hoch lobend. Gesagt hat mir das keiner, es gab ne Beförderung aber ohne Erklärung. In diesen Unterlagen habe ich eine Notiz von Wernher von Braun gefunden, Tenor: Wenn der zur Industrie geht, kommt er nicht mehr zu uns, denn da bekommt er gleich 10x mehr. Einen wie ihn brauchen wir. Da Kennedy dem Mondprojekt so eine hohe Priorität gegeben hatte, konnte ich damals einfach einreisen. Und ich bin dabei geblieben, seit 50 Jahren. – In Huntsville gibt es einen Hohlweg, im Sommer zugewachsen wie eine gotische Kathedrale. Gleichermaßen fokussiert ist mein Weg, es ist eine Berufung, nicht nur ein Job bei dem ich auf den nächsten Zahltag warte.

ÖWF: Färbt die strukturierte, organisierte und planvolle Arbeitsweise bei der NASA auf das Privatleben ab? Haben Sie immer einen Plan B?

Es färbt schon ab. Leider. Viele Leute meinen, ich sollte doch mehr loslassen. Im Kopf hab ich schon immer einen Plan B. Ich hasse Überraschungen, möchte vorbereitet sein, auf mögliche Entwicklungen. Bei einem Moskaubesuch z. B. hatte sich ein Selbstmordattentäter am Flughafen in die Luft gesprengt. Somit überlege ich für zukünftige Besuche schon, was ich im Falle eines Falles tue, wohin ich gehen würde.

Beruflich habe ich oftmals umplanen müssen, denn ursprünglich sah unser Fortschritt sehr viel besser aus, ich dachte, dass wir Mars viel früher erreichen können. Aber dann kommen immer diese Momente, wo einem die Politik ins Ruder fällt oder die Außenwelt sich verändert durch Krieg z. B. Die Internationalisierung hingegen war ein unglaublich positiver Schritt voran, dass wir mit den Sowjets zusammengehen, hätte ich nie geglaubt.

Mein Plan A ist also Brücken bauen: Das wichtigste Anliegen der Raumfahrt betrifft die Jugend. Im Großen und Ganzen sind die Zukunftsperspektiven ziemlich dünn, würde ich sagen, für Menschen, die auf der Landkarte neue Gebiete erforschen wollen. Wir geben ihnen neue Perspektiven und machen Visionen erlebbar.

Zweitens ist ein Gremium entstanden, die ISECG (International Space Exploration Coordination Group), in dem sich derzeit 14 gleichberechtigte Mitgliedsnationen über die zukünftige „Roadmap“ im All geeint haben. Alle wollen sie zum Mars in den nächsten 25 Jahren. Ein Wunder! Früher wäre das Science Fiction gewesen, Nationen, die auf der Erde uneinig sind, haben gemeinsame, friedliche Ziele für den Weltraum.

ÖWF: Wird aus Ihrer Sicht die erste bemannte Mars-Mission eine One-way-Mission werden oder gehen Sie von einer Rückkehr der Marsonauten zur Erde aus?

Nur hinfliegen, hier sind wir und das war es, darum geht es nicht. Die Vision ist, dass der Mensch den Mars später zum Ableger seiner Zivilisation machen wird. So könnte es sein, dass in Jahrtausenden, nicht nur eine Erde die Sonne umkreist, sondern – nach ökosynthetischer Umformung der Marswelt – deren zwei. Ich bin davon überzeugt, dass wir die Erde wieder mehr schätzen lernen, wenn wir aus weiter Ferne zu ihr zurückblicken.

Also es wird kein One-way-flight. Zuerst wird ein unbemanntes Raumschiff hinfliegen und lädt die nötigen Rohstoffe, eine kleine Fabrik zur Herstellung von Sauerstoff usw. ab, sodass die bemannte Folgemission beim Eintreffen auf dem Mars ein „gemachtes Nest“ vorfindet.

Momentan sind wir von den Russen abhängig, darum entwickeln wir nun eine neue Großträgerrakete, das SLS (Space Launch System), die zunächst 70 Tonnen Nutzlast ins All tragen kann, später bis zu 130 t, größer ist als unsere legendäre Mondrakete Saturn V und 2016 zum ersten mal fliegen soll. 2018 ist ihr erster Flug zum Mond geplant. Hinzu kommt eine Mannschaftskapsel namens Orion für zunächst eine 4-, später 6-köpfige Besatzung. Als Missionsziele gelten der Mond, Asteroiden, die beiden Marsmonde und der Planet Mars selbst.

ÖWF: Wann wird es Ihrer Meinung nach soweit sein? Wann werden Menschen den roten Planeten betreten?

Wenn wir heute sagen, wir fliegen 2030 so ist das relativ konservativ. Durch die Zusammenarbeit der 14 Nationen (ISECG) glaube ich, es wird schneller gehen. Wir können die Aufgaben aufteilen wie auch Kosten und Risiken. Wir schaffen neue Arbeitsplätze, bieten Perspektiven, eine Horizonterweiterung wie damals bei Apollo auch.

ÖWF: Könnten die Chinesen alleine zum Mars fliegen?

Dass die Chinesen alleine zum Mars fliegen, ist unmöglich, doch eine Zusammenarbeit denkbar. Jedoch muss man auf die kulturellen Unterschiede der Nationen eingehen. Das ist der Grund warum die 16 Nationen mit der ISS bisher so erfolgreich zusammen gearbeitet haben. Obwohl unterschiedliche politische Meinungen von Haus aus herrschen, vertragen wir uns im Weltraum. Da sind die Aufgaben überschaubar und lösbar aber nur durch Logik nicht durch Politik und deswegen glaube ich, dass die Hoffnung der Zukunft dort liegt.

Jesco von Puttkamer signiert Bild von ÖWF Marsanzug Aouda

Jesco von Puttkamer signiert Bild von ÖWF Marsanzug Aouda

ÖWF: Was halten Sie von privatwirtschaftlichem Weltraumtourismus? Werden private Weltraumprojekte längerfristig erfolgreich sein?

Das gehört mit zur Entwicklung. Früher war es ebenso unvorstellbar, dass jeder zu den Pyramiden reisen kann, heute können das viele. So wird auch der Weltraumtourismus selbstverständlicher werden. Nur eben wird es kein Massentourismus werden da teuer. Man ist nicht eigentlich im Orbit, dies liegt noch lange in der Zukunft. Schön, vielleicht ist man zwei, drei Minuten gewichtslos und dann geht es wieder zurück. Zumindest ist es das, was man Weltraumtouristen erstmal anbieten wird. Wenn es interessanter werden soll, dann müsste es auch ein Hotel geben. Dafür gibt es Pläne, schon seit langem in der Entwicklung. Nur einfach hinauf fliegen und wieder runterkommen wird früher oder später langweilig werden. Somit sind große Investitionen internationaler Reisefirmen in Zusammenarbeit mit privaten Raumfahrtunternehmen nötig, ein Unternehmen alleine kann das nicht leisten.

Wir haben ein Experiment in Amerika laufen, Frachtzufuhr zur ISS durch Privatfirmen umsetzen zu lassen. Personentransporte durch Fremdfirmen können wir erst zulassen, wenn wir uns von der Sicherheit überzeugt haben. Schon allein mit den Versicherungen wird es sonst schwierig. Dragon wird dieses Jahr zum ersten Mal Fracht kommerziell zur ISS bringen. Es gibt noch zwei andere Firmen, die daran arbeiten, denn wir können uns nicht nur auf einen Partner verlassen. Falls der versagt, müssen wir Alternativen haben. Drei Firmen arbeiten auch an dem bemannten Transport. Die NASA ist grundsätzlich sehr vorsichtig, Sicherheit ist oberstes Gebot. Wir finanzieren das zwar indem wir die Firmen ordentlich bezahlen – also finanziert die privaten Projekte am Ende z. T. auch der Steuerzahler – arbeiten aber an unseren eigenen Projekten (Orion und die Großträgerrakete wie schon geschildert).

ÖWF: Beflügeln solche Projekte das Interesse der Menschen am Weltraum?

Ja, vielleicht kommt damit eher so ein Wir-Gefühl auf. Wir, das Volk machen es, nicht die NASA. Doch es muss trotzdem exakt sein. Die NASA ist immer involviert, sonst würden die privaten Anbieter keine Fluggenehmigung erhalten. Sicherer Flugbetrieb muss gewährleistet werden. Die Glaubwürdigkeit einer ganzen Industrie steht auf dem Spiel. Wenn nur etwas schief geht, sind die Firmen sehr schnell pleite, Aktionäre ziehen ihre Gelder ab. Es ist ein Vabanquespiel – also ein Spiel mit hohem Risiko.

Wernher von Braun sagte immer, wenn er so gefragt wurde nach teurer Raumfahrt: „Das ist das Weltraumgesetz Nr. 1. Bemannte Weltraumfahrt ist teuer, da kann man nichts daran ändern, das kann man nicht billig machen und wenn es dir in der Küche zu heiß ist, geh raus.“ Was er meinte war, wenn es dir zu teuer ist, lass es sein, befass dich nicht damit. Sobald man spart, ein paar Tests auslässt, geht das auf die Sicherheit – gerade in der Raumfahrt. Wenn man irgendwas weglässt sieht man nicht zwangsläufig deutlich, ob es sicherheitsgefährdend ist. Man kann unglaublich überrascht werden. Ist uns auch passiert, wir haben zwei Shuttles dadurch verloren. Wenn Ihnen jemand billige bemannte Raumfahrt anbietet, dann denken Sie nach und ziehen sie Ihre eigenen Schlüsse.

ÖWF: Es war ein besonderes Vergnügen Sie persönlich zu treffen, Herr von Puttkamer! Ich bedanke mich herzlich für Ihre Zeit, die ausführlichen Antworten und all die kleinen Anekdoten, mit denen Sie mich begeistert haben. Bleiben Sie gesund, wobei Sie uns weiterhin mit Marsfieber infizieren dürfen. Ich freue mich auf Ihr neues Buch! :-)
Marlen Raab

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